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Gründerserie : Das Ebay für Gießereien und Stahlkocher

Sebastian Kreft (links) und Frank Jackel Bild: © Metals Hub GmbH

Für Massenmetalle gibt es große internationale Börsen. Für Chrom, Titan und Mangan nicht. Mit einer elektronischen Plattform wollen die Gründer von Metalshub diesen Handel auf sich ziehen.

          Die auf einem Sideboard aufgereihten kleinen Gläser enthalten die Handelsware, um die sich hier alles dreht: Silberglänzendes Chrom und Mangan, Bröckchen aus Titan, Wolfram und Vanadium, Proben von Silizium, Molybdän und Niob. Das Großraumbüro im Düsseldorfer Gründerzentrum „Factory Campus“ beherbergt einen Marktplatz für Metalle und Ferrolegierungen. Auf ihrer digitalen Plattform bringt Metalshub Produzenten und Händler mit Stahlkochern und Gießereien zusammen. Vor gut einem Jahr haben die Unternehmensgründer Sebastian Kreft und Frank Jackel den ersten erfolgreichen Abschluss gefeiert. Seitdem geht es steil nach oben. Inzwischen haben sich rund 300 Unternehmen für ihr elektronisches Handelssystem registriert und nutzen es so fleißig, dass im Monat schon drei Millionen Euro und mehr an Kontraktvolumen zusammenkommen.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das Unternehmen setzt mit seinem elektronischen Angebot da an, wo die großen Metallbörsen eine Lücke hinterlassen. Anders als etwa bei Aluminium, Kupfer oder Zink gibt es für viele Ferrolegierungen keinen organisierten internationalen Handel. Dafür sind die einzelnen Produktmärkte zu klein und die Rohstoffe zu wenig austauschbar, weil sie je nach Herkunft sehr unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen können. Gleichwohl geht es in der Summe potentiell um einen riesigen Markt mit insgesamt dreistelligen Milliardenumsätzen. Die beiden Gründer haben ihr Handelshandwerk beim Bergbau-Konzern Anglo American gelernt. Der 42 Jahre alte Jackel, der an der RWTH Aachen Metallurgie studiert hat und promoviert wurde, war dort Vertriebsleiter für Ferrolegierungen. Sein Kompagnon kommt aus der Betriebswirtschaftsecke. Nach Studium und Doktor an der WHU Vallendar hatte er bei der Boston Consulting Group (BCG) angefangen, die damals zahlreiche große Stahl- und Minenkonzerne beriet. Unter anderem durch ein halbes Jahr in einem indischen Minenkonzern wurde er zum Experten für Erze und leitete später von London aus den internationalen Nickelhandel von Anglo American. Die zwei verdienten hervorragend, trotzdem kehrten sie dem Konzern 2016 den Rücken.

          „Wir haben gesehen, wie konservativ und rückständig diese Industrie immer noch agiert. Gerade für einen fragmentierten Markt wie die Ferrolegierungen bietet unsere Technologie ein enormes Effizienzpotential“, erzählt der heute 37 Jahre alte Kreft. Ihre Analyse überzeugte. Als Geldgeber der ersten Stunde gewannen sie prominente Manager und Unternehmer, darunter Dieter Heuskel, den ehemaligen BCG-Deutschland-Chef und die drei Flixbus-Gründer. Eine Dreiviertelmillion von außen und eigene Mittel waren das Startgeld, um 2017 die erste Softwareversion zu entwickeln und im Dezember damit an den Start zu gehen. Mittlerweile umfasst die Mannschaft zehn Leute, weitere 5 Mitarbeiter sollen in den kommenden Monaten hinzukommen.

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