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Gründerserie : Auf der Suche nach dem perfekten Tropfen

Die Geschäftsführer Meiko Hecker (rechts) und Walter Schäfer haben sich auf Tröpfchenmessung bei Lackierarbeiten spezialisiert. Bild: Wolfgang Eilmes

„Null Fehler“ ist das Ziel der Industrie, aber bei Lackierarbeiten ist es nicht erreichbar. Um die Effizienz von Lackierstraßen zu steigern, haben zwei Erfinder ein Lasermessgerät entwickelt.

          Sprühen kann jeder, denkt der Laie. Sprühen ist sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft für sich, sagen Fachleute. „Sprayen ist ein chaotischer Prozess. Man will den perfekten Tropfen haben - aber das geht kaum.“ Dieser Satz stammt von Meiko Hecker, der sich beruflich mit dem Zerstäuben von Flüssigkeiten beschäftigt. Was der 39 Jahre alte Wirtschaftsingenieur damit meint, zeigt er mithilfe eines kleinen Dosierers. Während die damit versprühten winzigen Tröpfchen der Schwerkraft Tribut zollen, werden sie von einem Laserstrahl erfasst. Dieser kommt aus einer schwarzen Apparatur - dem Sprayspy. „Damit lassen sich Tropfengrößen in Echtzeit bestimmen“, erklärt Walter Schäfer, „40 000 Tropfen in der Sekunde sind möglich.“ Der 37 Jahre alte Physiker und Maschinenbauer hat das System entwickelt. Zusammen mit Hecker gründete er vor rund dreieinhalb Jahren das Unternehmen AOM. Heute arbeiten die beiden als Geschäftsführer in Griesheim bei Darmstadt daran, mit ihrer Erfindung das industrielle Sprühen zu revolutionieren.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Natürlich gibt es heute schon andere Messsysteme. Deren Technik stamme im Kern aber noch aus den achtziger Jahren und sei nicht in allen Fällen einsetzbar, sagt Schäfer. Betriebswirt Hecker sieht deshalb erhebliche Potentiale: „Beim Sprühen ist derzeit eine Fehlerrate von 2 Prozent schon toll.“ Das sei ungewöhnlich etwa in der Autoindustrie, wo ansonsten „Fehlertoleranz Null“ gelte. Aber gerade beim Lackieren komme noch viel Bauchgefühl zum Einsatz, wenn es um die Dosierung geht. Die beiden Unternehmer haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen mit dem Sprayspy die Lackierstraßen der Autoindustrie erobern.

          Der Hoffnungsträger besteht aus zwei Komponenten. Auffällig ist das schwarze, rund 7 Kilogramm schwere Handgerät, an dessen Ende sechs Linsen sitzen: Zwei schießen die Laserstrahlen ab, die anderen messen den Rücklauf. Verbunden ist der Kasten mit der Rechnereinheit, welche die gelieferten Daten auswertet. Es können Tropfengrößen ab einem Mikrometer gemessen werden. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz sei eine einfache Installation über Plug-and-Play, heißt es. Das System kostet je nach Spezifikation zwischen 70.000 und 150.000 Euro.

          Während der Promotion in Darmstadt entwickelt

          Das Verfahren zur Tröpfchenmessung hat Walter Schäfer während seiner Promotion an der Technischen Universität Darmstadt entwickelt - am Beispiel der Produktion von Milchpulver. Dabei wird Milch über einer Art Riesenfön erhitzt und die Flüssigkeit verdampft. Am Boden kommt das Pulver an. Die Dosierung ist entscheidend, denn wenn die Tropfen zu groß sind, entsteht kein Pulver und wenn sie zu klein ausfallen, verbrennt das Produkt. Üblicherweise wird nachgeschaltet, gemessen und bei Bedarf nachjustiert. „Bestimmung von Tropfengrößen“ hieß 2009 sein Promotionsthema, erinnert sich Schäfer und schmunzelt. „Damals wusste ich noch nicht genau, was auf mich zukam“, sagt der Ingenieur. Dank eines DFG-Stipendiums habe er sich in seiner Arbeit frei ausprobieren können, hebt er lobend hervor. 2012 war die erste Erfindung fertig, die er sich patentieren ließ.

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