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Gründerserie : Brote und Törtchen ohne Gluten

Ohne Gluten: Für die Brote, Törtchen und Quiches von Isabella Krätz reisten die Kunden bis zu 200 Kilometer zur ersten Filiale. Bild: Unternehmen

Wie aus einer Diagnose eine gute Geschäftsidee wurde: Isabella Krätz backte anfangs nur für sich – heute hat sie vier Patisserien und plant weitere Filialen sowie einen Online-Shop.

          Ihre Diagnose erhielt Isabella Krätz vor rund zehn Jahren. Lange war sie wegen diverser Beschwerden von Arzt zu Arzt getingelt, bis schließlich feststand, dass sie unter Zöliakie leidet. Die 55-Jährige verträgt das Eiweiß Gluten nicht, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste enthalten ist. Bei den Betroffenen verursacht es eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut und kann Durchfall, Übelkeit und Blähungen, aber auch Müdigkeit oder Kopfschmerzen hervorrufen. Auf ärztlichen Rat hin musste Krätz ihre Ernährung umstellen und Gluten streng meiden.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          „Für diese Diät gab es hauptsächlich industriell hergestellte, abgepackte Lebensmittel“, erinnert sie sich. Die gelernte Industriekauffrau begann, glutenfreie Brote und Kuchen zu backen, und entwickelte dabei einigen Ehrgeiz. So wünschte sie sich zu ihrem 50. Geburtstag den Besuch einer Konditorin, die ihr zu Hause grundlegende Techniken zeigte.

          Im Lauf der Zeit entstand die Idee, ihre Modeboutique aufzugeben und stattdessen ein Café aufzumachen. Nach einer praktischen Prüfung vor der Handwerkskammer erhielt Krätz eine Sondergenehmigung für die Herstellung und den Verkauf von Backwaren ohne Gluten.

          Anfangs nur ein Standort geplant

          Vor drei Jahren eröffnete in einem kleinen Ladenlokal im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel, wo die Familie Krätz auch ihren Wohnsitz hat, die erste „Isabella – Glutenfreie Patisserie“. Bei dem einen Standort sollte es ursprünglich bleiben. „Schließlich verkaufen wir ein Nischenprodukt“, sagt Krätz. Doch der Zuspruch erwies sich als unerwartet groß. Ihre Kunden kämen aus einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern angefahren, berichtet die Gründerin.

          Schon im Jahr darauf entstand ein Mini-Ableger in der Kö-Galerie an der Düsseldorfer Einkaufsmeile Königsallee. Seit einigen Monaten ist die kleine Patisserie-Kette mit inzwischen 31 Mitarbeitern auch in Aachen und Hamburg vertreten. Um die beiden Standorte mit Ware zu versorgen, machen sich die Lieferwagen nachts beziehungsweise in den frühen Morgenstunden von der Backstube in Willich bei Düsseldorf aus auf den Weg. Eröffnet wurde die Filiale in der Hansestadt gemeinsam mit dem ehemaligen Fußballprofi Marcell Jansen, der das Konzept in Düsseldorf kennengelernt hatte.

          Familie arbeitet im Unternehmen mit

          Mittlerweile erfährt Isabella Krätz familiäre Unterstützung. Ihr Mann Christof hat seine Modevertriebsgesellschaft verkauft und kümmert sich neben dem Einkauf um den Ladenbau der Patisserien. Für die Inneneinrichtung wurde der bekannte niederländische Designer Piet Hein Eek engagiert. Weiß lackierte Holzmöbel, beigefarbene Lederbänke mit bunten Kissen, Schwarzweißfotos an den hellgrauen Wänden: Eine gewisse Lässigkeit, aber auch Eleganz sollen die Cafés ausstrahlen, beschreibt Christof Krätz den Designanspruch.

          Auch Sohn Dominic ist nach dem BWL-Studium und einer Station bei einer Münchner Unternehmensberatung mit in den Familienbetrieb eingestiegen. Der 31-Jährige widmet sich den Finanzen und dem Marketing, für das er intensiv soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram nutzt. Einen befreundeten Unternehmer aus der Lebensmittelindustrie konnte die Familie als ihren Mentor gewinnen.

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