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Gründerserie : Jungsein wie im 19. Jahrhundert

  • -Aktualisiert am

Theresia Enzensberger in ihrer Neuköllner Wohnung Bild: Matthias Lüdecke

Theresia Enzensberger fühlte sich von den Medien als junge und denkende Frau nicht ernst genommen. Also gründete sie ein eigenes Magazin. Sie finanziert es mit einem längst vergessenen Konzept.

          E s gibt in Deutschland viele hundert Magazine, viele davon verlieren an Auflage. Das schreckt Theresia Enzensberger nicht. Sie gibt noch ein neues Magazin heraus. Ihr gefiel keines von denen, die sie las – das musste eine Marktlücke sein – und machte sich auf die Suche nach einem Verlag. Das war vor ungefähr drei Jahren.

          Jetzt gibt es das „Block-Magazin“, schon zwei Ausgaben sind gedruckt, und es hat auch schon einen wichtigen Preis gewonnen: Gold erhielt es bei den Lead Awards im vergangenen Jahr für die schönste neue Zeitschrift, das ist eine renommierte Auszeichnung in der Medienbranche. Es war eine große Freude und hat viel Anerkennung von Bloggern und Medienjournalisten gebracht, auch ein bisschen Neid – aber leider nicht so viele neue Abos. Ein Abo ist sowieso nicht möglich, nur Vorbestellungen gegen Vorkasse im Netz zum Preis von 12 Euro. Und die stagnieren derzeit bei etwa 900.

          Das fertige Heft wird aber erst ab 1300 Bestellungen gedruckt, und das mag noch dauern. Schon etwa ein Jahr warten die ersten Kunden mittlerweile auf ihr Heft. Aber die Inhalte sind nicht zeitgebunden, und Geduld wird vom Leser auch auf andere Weise eingefordert. Die ersten beiden Ausgaben allerdings gingen deutlich schneller raus. Das erste Heft kostete 10 Euro und war nach vier Monaten im Druck. Beim zweiten dauerte es zehn Monate, beim dritten Heft nun schon ein Jahr.

          Nicht nur die Inhalte, auch der Druck und Vertrieb des Magazins sind konsequent anders. Einerseits Crowdfunding, anderseits aber auch Retro: Theresia Enzensberger hat ein Finanzierungsmodell adaptiert, das zum Beispiel im 18. und 19. Jahrhundert für wissenschaftliche Veröffentlichungen in geringen Auflagen verwendet wurde: die Subskription.

          Das Magazin soll Stimmen zusammenbringen

          Das war damals ein Weg in der Not. Heute hat die Subskription die nützliche Eigenschaft, dass eine Herausgeberin nicht in Vorleistung treten muss und so ein Magazin ohne irgendein finanzielles Risiko gründen kann. Inhaltlich kultiviert das Heft Jugend, Freiheit, Anarchie und Klugheit. Es gibt nicht Politik, Wirtschaft, Sport und Feuilleton, es gibt auch keine Kolumnen und Rubriken, nicht links oder rechts. Es soll Stimmen zusammenbringen, „die der Macht der Gewohnheit noch nicht anheimgefallen sind, und sei es nur, weil ihnen aufgrund ihres Alters die Zeit dazu fehlte“, schreibt Theresia Enzensberger in einem Editorial.

          Als die Münchnerin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt, von ihrem Filmstudium aus Amerika zurückkam, las sie viel in Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen wie „Neon“, aber sie fand es nicht tatsächlich jung, was sie da las. „Ich fühlte mich als Leserin nicht ernst genommen“, sagt sie. Routinierte Provokationen und Tabubrüche hätten sie gelangweilt, die Modestrecken machten es nicht besser, der schnelle, total industrialisierte Online-Journalismus sowieso nicht.

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