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Start-up aus Berlin : Die Studentenversteher

Cecil von Croy (rechts) und Karl Bagusat Bild: Andreas Müller

„Was wollt ihr denn mit Print?“: Mit kostenlosem Druck von Uni-Skripten fing alles an. Inzwischen ist Plus Peter aus Berlin eine Plattform mit internationalen Ambitionen.

          Cecil von Croy und Karl Bagusat haben ihr Start-up zwar in Berlin gegründet, aber die Idee dazu kam ihnen in einer noch größeren Stadt: Es war in einem Taxi in New York, als den beiden ein Licht aufging – in den frühen Morgenstunden, „ziemlich fertig“ nach vielen Gesprächen und einer langen Nacht. Beide hatten Amerika-Erfahrung, von Croy durch ein Wirtschaftsstudium in New York, Bagusat nach seiner Zeit an einer Uni in

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Texas, Studienfach Kommunikationswissenschaft. Dass sie ihr Studium abgeschlossen haben, ist nur eine Fußnote angesichts der Ergebnisse dieser Taxifahrt im Big Apple bei Sonnenaufgang: Die beiden gründeten Print Peter, eine Art Copy-Shop mit zündender Geschäftsidee, sie zählen heute mehr als 200 000 Studenten und Hunderte Unternehmen, darunter 85 Prozent aller Dax-Konzerne, zu ihren Kunden. Von den mehr als 5 Millionen Euro, die sie seit der Gründung im Jahr 2016 von Investoren eingesammelt haben, ganz zu schweigen.

          Die Idee hinter Print Peter war simpel, und sie war das Ergebnis zweier Studentenleben in unterschiedlichen Ländern. „In Europa galten Studenten lange als eine eher unbedeutende Gruppe“, sagt von Croy, „das wollten wir ändern.“ Während sich in Amerika Unternehmen schon früh intensiv um Studenten bemühten, habe Deutschland hier Nachholbedarf gehabt. Es ging ihnen also im Wesentlichen darum, irgendwie „ran an die Studenten“ zu kommen. Dafür wählten sie, obwohl Technik-affin und Start-up-erfahren, ein klassisches Medium, nämlich Papier. Das Geschäft funktioniert so: Studenten geben studienrelevante Daten her, und das Start-up druckt kostenlos jene Skripte, mit denen Studenten im Semester arbeiten – und die üblicherweise ziemlich teuer sind. Zusendung inklusive. Die Gründer finanzierten das Ganze mit Werbung im Skript, denn sie wussten anhand der eingesammelten Daten sehr genau, welches Produkt oder Unternehmen zu welchem Studenten passt. „Wir hatten von Anfang an den Vorteil, dass unsere Idee für beide Seiten – die Studenten und die Unternehmen – logisch ist“, sagt von Croy.

          Vom Drucker zum Personalvermittler

          Das sogenannte Targeting, eine Domäne von Online-Pionieren à la Google oder Facebook, funktionierte so gut, dass Print Peter nicht bleiben konnte, was es war. Das Start-up ist in seiner kurzen Geschichte schon zweimal umgezogen und belegt heute eine eher schmucklose Neubau-Etage in Berlin-Mitte. Dafür arbeiten heute auch 45 Leute hier und nicht mehr nur eine Handvoll. Und an der Fassade steht nicht Print Peter, sondern Plus Peter.

          Denn von Croy und Bagusat lassen zwar von einer Auftragsdruckerei weiter fleißig drucken, aber sie haben ihr Geschäft erweitert. So haben sie mittlerweile einen zweiten Standort in Düsseldorf, wo sie vielen Unternehmenskunden näher seien als von Berlin aus. Sie haben dort eine Personalberatung namens Aschenputtel mit einem halben Dutzend Mitarbeitern gegründet, denn wer Studenten und Unternehmen auf Papier zusammenbringt, der schafft das vermutlich auch auf dem Arbeitsmarkt. Der Datenschatz von Plus Peter ist inzwischen so groß, dass die Gründer sicher sind: Sucht ein Unternehmen zum Beispiel einen angehenden Ingenieur zwischen dem 5. und 6. Semester mit Französisch-Kenntnissen und süddeutschem Standort – sie finden ihn. Mit Print Peter wäre ein solches Unternehmen nicht mehr treffend beschrieben, fanden die Gründer, deshalb der neue Name. Nur Peter durfte bleiben: Dieser sollte seit den Anfängen einen Freund der Studenten symbolisieren. Und als solchen sehen sie sich ja immer noch.

          Es gab Zeiten, da hatten die beiden einiges zu tun, um mit dem eigenen Erfolg Schritt zu halten. Eine Einladung zur Gründer-Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ etwa schlugen sie aus, weil die Folgen schwer zu beherrschen gewesen wären. Ein regelrechter Ansturm von Interessenten hätte das junge Start-up anfangs noch überfordert – es hatte einfach noch nicht genügend Unternehmen gewonnen, um dem gerecht zu werden. Aber die Zeiten haben sich geändert, das Klinkenputzen ist passé. Kürzlich hat Plus Peter in einer Finanzierungsrunde weitere 2,5 Millionen Euro eingenommen, und die Geschäftsfelder werden nach wie vor erweitert. So gehört zum Online-Portal des Unternehmens inzwischen auch Job Peter für die studentische Stellensuche. Rund 50 000 davon stehen zur Auswahl. Und als Profis für Uni-Skripte wollen von Croy und Bagusat auch im sogenannten E-Learning durchstarten. „Wir wollen das Thema Bildung nachhaltig verändern und kein reiner Druckservice mehr sein“, sagt von Croy.

          „Was wollt ihr denn mit Print?“

          Kein Wunder also, dass das Unternehmen heute allein zehn Entwickler beschäftigt, um mit den gewachsenen Anforderungen Schritt zu halten. Am Anfang waren es zwei, und die Plattform wurde von einem kleinen Team innerhalb von zwei Wochen gebaut. Aber anfangs habe es ja auch noch Investoren gegeben, die fragten: „Was wollt ihr denn mit Print?“ Auch das ist vorbei.

          Am ambitioniertesten wirkt das Start-up allerdings nicht bei der inhaltlichen, sondern bei der geographischen Ausdehnung. Schon jetzt gibt es Plus Peter auch in Polen, und das soll erst der Anfang der Expansion sein. Die Grundidee von Plus Peter funktioniere überall, sagen die beiden, im Grunde müsse man das Angebot nur in eine andere Sprache übersetzen. Im nächsten Jahr nimmt sich Plus Peter Österreich, die Schweiz und Skandinavien vor – und auch die Vereinigten Staaten würden sich die beiden früheren Amerika-Studenten zutrauen, wie sie sagen. Diese Pläne seien zwar nicht der Grund für die Geberlaune vieler Investoren – aber die eingesammelten Millionen sind die Voraussetzung, um sie umzusetzen. Cecil von Croy formuliert die Strategie so: „Wir sind noch nicht profitabel. Wir fokussieren uns derzeit auf Wachstum.“

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