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Berliner Start-up Virtenio : Der Datensammler fährt mit

Thomas Henn (links) und Henri Kretschmer Bild: Matthias Lüdecke

Achtung, wertvolle Ware! Was auf langen Transporten passiert, bleibt bisher zumeist im Dunkeln. Das junge Unternehmen Virtenio aus Berlin will das ändern.

          Der Kapitän des Frachtschiffs ist verdutzt. Er ist weit weg vom Rest der Welt, mitten auf dem Atlantik – und da ruft ihn der Produzent der Ware an, die auf seinem Schiff geladen ist, und fragt ihn, warum er vertragswidrig für einen Tag den Strom abgeschaltet hat. Normalerweise bekommt das niemand mit, eben auch nicht, was mit der Ware passiert, die im Laderaum des Schiffs schlummert. Die Lösung des Rätsels: unscheinbare kleine Kästchen. Sie funktionieren ohne einen externen Stromanschluss und ohne Kabel. Sie sind vielmehr so konstruiert, dass sie völlig autonom für eine sehr lange Zeit Daten erfassen und in den Wolkenhimmel senden.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Über Satellit gehen die Informationen direkt auf den Bildschirm des Produzenten. Temperatur, Feuchtigkeit, Helligkeit, Luftdruck, Neigungswinkel, Luftzusammensetzung: Hersteller, Logistiker oder auch Empfänger wissen dann, ob Lebensmittel angegammelt ankommen werden. Oder Ware mit Bruchschäden. Oder verrostete Teile. Sie können den Verursacher der Schäden leichter ermitteln und im Fall des Falles schneller nachordern. Information ist Zeit, und Zeit ist Geld. Das ist die Geschäftsidee.

          Die Köpfe hinter den Kästchen sitzen in einem Berliner Gründerzentrum dicht hinter dem Hochhaus der Technischen Universität. Drei von ihnen haben dort auch studiert, ein weiterer ist Betriebswirt von der Freien Universität. „Ich wollte mich schon selbständig machen, als ich 16 war“, erzählt der Geschäftsführer der Unternehmung mit dem heute üblichen Kunstnamen. Er heißt Henri Kretschmer, sein Unternehmen Virtenio. Nach dem Studium der Technischen Informatik gab ihm sein Professor viel Narrenfreiheit, solange er seinen Lehrverpflichtungen nachkam. Als Assistent betreute der heute 40 Jahre alte Berliner einige Studenten, unter anderem seine späteren Kompagnons Stefan Ziegler und Torsten Hüter. Vierter im Bunde ist der Diplom-Kaufmann Thomas Henn. Der richtige Mann zur richtigen Zeit zufällig am richtigen Ort. Eine Geburtstagsfeier, man lernt sich kennen und merkt, es passt. „Keiner kann alles, keiner kann es ohne die anderen“, sagen sie.

          Per Kohlendioxid-Messung blinden Passagieren auf der Spur

          Im Jahr 2009 gab es ein Gründerstipendium vom Bundeswirtschaftsministerium, im Jahr darauf wird die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben gerufen. „Wir wollten etwas machen, das nicht in der akademischen Rundablage versinken sollte“, sagt Kretschmer. Die vier Gründer haben sich die Zeit genommen, um organisch zu wachsen, wie er berichtet. Viele Start-ups seien mit Geld überladen worden. „Alle denken, da ist ein neuer Stern am Himmel, doch der verglüht dann schnell.“ Neben Preisen und Stipendien haben die vier Gründer anfangs hauptsächlich von Ingenieursdienstleistungen gelebt, nur ein Bruchteil der Zeit blieb für die eigene Unternehmensentwicklung. Nun ist man so weit, dass es genau andersherum läuft: Man arbeitet fast nur noch für das eigene Produkt und bietet passende Lösungen drum herum an.

          Die Kästchen, die vor Kretschmer und Henn auf dem Tisch stehen, registrieren sofort die beiden Besucher im Raum. Die Kohlendioxidbelastung in der Luft steigt. Das zeigen die Kurven auf dem Tablet. „Sie sehen mit unseren Geräten sofort, ob ein Lastwagen anhält und ob ein Container geöffnet wird“, erläutert Kretschmer. Ein denkbarer Einsatz: Lastwagen im Ärmelkanal-Tunnel. Bei blinden Passagieren zeigt hierbei auch der Kohlendioxidgehalt in der Luft ihre Anwesenheit an. Mit dem Atem verändert sich zwangsläufig die Luft, was das System sofort anzeigt.

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