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Berliner Start-up Virtenio : Der Datensammler fährt mit

Die Unternehmer haben knallblaue Starterkoffer, mit denen sie auf Messen und bei Kundenkontakten für ihr Konzept werben. Einen Koffer gibt es nach ihren Angaben von 1950 Euro an. Er enthält ein „Gate“, das ist der Sender, der weder auf einen Stromanschluss noch auf Infrastruktur wie W-Lan angewiesen ist, sondern mit einem Hochleistungsakku betrieben wird und über Mobilfunk oder Satelliten seine Verbindung aufbaut. Mit dabei sind zudem drei bis fünf kleinere „Cubes“, die mit ihren Sensoren die Daten drahtlos einsammeln.

Außerdem gehört die Datenübertragung und der Netzzugang zu ihrem Portal über drei Monate dazu. Grundsätzlich kann man bei Virtenio wählen zwischen Kauf und Miete der Geräte. Genauer wollen die Gründer verständlicherweise nicht werden. Letztlich will die Gesellschaft nicht mit den Systemen ihr Geld verdienen, sondern mit den Daten.

Revolution der Logistik?

Kretschmer hat einige Beispiele parat, wie dies gelingt. Wer Waren aus Asien beziehe, könne feststellen, ob die Ladung beim Umschlagen in Indien und Dubai beschädigt worden ist. Bei wiederkehrenden Problemen könne man die Route entsprechend anpassen. Generell bieten die kleinen mobilen Messsysteme nach seinen Worten die große Chance, die Logistik zu verbessern. Man könne Daten direkt an der Ware, an der Verpackung und am Transportbehälter messen und vergleichen. Man sehe dann beispielsweise, in welchem Maß Feuchtigkeit eindringe. Dann könne man entsprechend die Verpackung optimieren.

Heute werde in der Logistik viel auf Basis personenbezogener Erfahrung gearbeitet. Künftig werde man so viele Daten haben, dass Entscheidungen auf objektiven und übergeordneten Wissensgrundlagen getroffen werden könnten – aus der Entfernung und in Echtzeit.

Henn nennt ergänzend den Fall eines Autozulieferers, der Teile erwartet: Aktuelle Informationen über die Bedingungen während des Transports zeigten, wenn die Ware längere Zeit zu hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sei. Dann könne man entweder sofort eingreifen und veranlassen, dass das Transportgut anders gelagert werde. Oder man könne neu disponieren, wenn absehbar sei, dass die erwarteten Teile mit Korrosionsschäden ankommen dürften. „Man kann dann sofort Ersatz nachordern und damit teure Luftfracht vermeiden.“ Bodenhaftung bescheinigen sich die Gründer selbst. Und das strahlen sie auch aus. Natürlich freut es sie, wenn der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller, bei ihnen vorbeischaut, sich das Geschäftsmodell erklären lässt und für ein nettes Foto sorgt. Oder dass sie die Bundeskanzlerin auf dem IT-Gipfel in Hamburg erleben. So erzählen sie gern die Geschichte, dass Angela Merkel an die versammelte Start-up-Runde scherzend sagte: „Um euch muss ich mir ja ausnahmsweise keine Sorgen machen.“ Aber sie wissen auch, dass sie sich davon nichts kaufen können.

Noch ist der Produktabsatz überschaubar, aber wichtige Kontakte nach ganz oben in die Wirtschaftswelt sind geknüpft, und diverse Pilotprojekte laufen. Sie bauen auf die Durchschlagskraft ihrer Würfel, die sie so konstruiert haben, dass sie diese auch leicht für neue Anwendungen anpassen könnten. Produzieren lassen sie in Deutschland. Zu den acht Leuten, die heute mit der Unternehmung Geld verdienen, sollen so bald wie möglich weitere Mitarbeiter stoßen. Noch sitzt die Gesellschaft im Unternehmensinkubator namens CHIC. Das Kürzel steht für Charlottenburger Innovations-Centrum. In absehbarer Zeit aber müssen die vier Gründer da raus. Dann sollte das Geschäft richtig flott laufen.

Die Gründer

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