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Digitale Schule : Lehrer: Deutschland hinkt hinterher

Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden. Bild: dpa

Dieses Jahr könnten noch die ersten Mittel für die Digitalisierung der Schulen fließen. Deutschlands Lehrer befürchten aber, dass sie nicht ausreichen. Und sie sehen noch einige andere Hürden.

          Deutschlands Schulen hinken in der Digitalisierung international hinterher. Das bemängeln viele Bildungsforscher, und eine andere Berufsgruppe, die besonders nah am Geschehen ist, sieht das genauso: die Lehrer. In einer repräsentativen Befragung, die am Dienstag vorgestellt worden ist, stimmten 95 Prozent dieser Aussage zu. Auftraggeber der Umfrage ist Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekombranche.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Den digitalen Medien steht die Lehrerschaft aufgeschlossen gegenüber; gut die Hälfte würde sie gerne öfter im Unterricht einsetzen, scheitert aber vor allem daran, dass die entsprechenden Geräte nicht vorhanden sind. Drei Viertel sagen außerdem, es fehle jemand, der sich um die Technik kümmert und Probleme beseitigt. Beklagt werden auch das Fehlen und die Qualität digitaler Lehrmaterialien. Die Umfrageergebnisse legen außerdem nahe, dass die Lehrer zu wenig über das Unterrichten mit digitalen Medien wissen: 85 Prozent würden sich gerne zu Digitalthemen weiterbilden.

          Bundesländer in der Pflicht

          Die Lehrer befürworten den zwischen Bund und Länder ausgehandelten Digitalpakt Schule, nur 13 Prozent lehnen ihn ab. Der Bund macht darin die Zusage in den kommenden fünf Jahren 5 Milliarden Euro in die technische Ausstattung der Schulen zu investieren. Die ersten Mittel könnten noch in diesem Jahr fließen; allerdings muss der Bundesrat der Grundgesetzänderung noch zustimmen, die den Pakt möglich macht und die den Bundestag schon passiert hat.

          Die Lehrer (90 Prozent) glauben allerdings, dass die 5 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Ebenso viele stellen fest, dass die Schulen neben mehr Geld digitale Konzepte, digitale Inhalte und entsprechend kompetente Lehrer brauchen, um für das digitale Zeitalter gewappnet zu sein. Dafür müssen nach dem Digitalpakt die Bundesländer sorgen.

          Die hatten in den Verhandlungen mit dem Bund über die Grundgesetzänderung immer wieder auf ihre Kultushoheit gepocht. Knapp die Hälfte der Lehrer hat Verständnis dafür, dass die Länder darum fürchten. Auf die Frage, wer für Bildungspolitik zuständig sein sollte, zum Beispiel für Schulformen, Fächerangebot, Lehrplangestaltung und Finanzierung, antworten aber nur 20 Prozent „die Bundesländer allein“. Gut 40 Prozent wünschen sich eine gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern und 37 Prozent sogar eine alleinige des Bundes.

          Nur Grundausstattung

          Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nutzen Deutschlands Lehrer schon digitale Geräte; die Ausstattung ihrer Schule bewerten sie mit befriedigend bis ausreichend. Die meisten Schulen verfügten über eine digitale Grundausstattung, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Beamer, Whiteboards und Tablets gebe es aber in der Regel nur als Einzelgeräte oder in speziellen Fachräumen. „Dabei sollten sie in allen Unterrichtsräumen Standard sein“, meint Rohleder.

          Tablets, die beim Unterrichten mit digitalen Medien eine besonders große Rolle spielen könnten, setzen bisher erst 3 Prozent der Lehrer täglich ein und 14 Prozent regelmäßig. Knapp ein Fünftel setzt Apps ein, die Hälfte davon allerdings nur in Ausnahmefällen.

          Von einem Einsatz digitaler Medien im Unterricht versprechen sich fast 90 Prozent der Befragten motiviertere Schüler und eine anschaulichere Vermittlung von Inhalten. Gut 50 Prozent sehen auch die Vorbereitung auf ein Leben und Arbeiten in der digitalen Welt als Vorteil sowie ein besseres Eingehen auf den einzelnen Schüler. Doch sie sehen auch Nachteile, vor allem sorgen sie sich um Schreibfertigkeiten der Schüler, wenn weniger mit der Hand geschrieben wird. Sie fürchten auch eine Störung des konzentrierten Lernens. Und knapp die Hälfte sagt „Ich fürchte eine stärkere Überwachung meines Unterrichts.“

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