https://www.faz.net/-gyl-8vpsx

Zweifel an der Uni : Warum Studenten hinschmeißen

  • Aktualisiert am

Sollen wir da morgen überhaupt nochmal hingehen? Vielen Studenten schwirren anscheinend solche Gedanken durch den Kopf. Bild: ZB

Die Matheklausur war zu schwer, die Philosophievorlesung zu abstrakt. Am Ende des Monats reicht das Geld nicht - es gibt viele Gründe, ein Studium abzubrechen. Welche die häufigsten sind, zeigt diese Befragung.

          Fast die Hälfte der Studierenden in Deutschland liebäugelt damit, das Studium hinzuschmeißen. Auch rückblickend sagen 46 Prozent derjenigen, die ihren Abschluss schon in der Tasche haben, dass sie während des Studiums mit dem Gedanken an einen Abbruch spielten. Das geht aus einer aktuellen Befragung von Studenten und Absolventen hervor.

          Allerdings: Wer darüber nachdenkt, das Handtuch zu werfen, setzt diesen Plan nicht zwingend in die Tat um. Von den vielen Zweiflern sagten nur 4 Prozent, dass sie sich sicher sind, ihr Studium nicht mehr zu beenden. Einige von ihnen plagt die Angst vor den Konsequenzen: Fast ein Fünftel hat sich eine Karriere vorgenommen, für die das Studium zwingende Voraussetzung ist und etwas mehr als ein weiteres Fünftel sieht die eigenen Chancen am Arbeitsmarkt durch einen Studienabbruch schwinden. Und fast der Hälfte ist es zu schade um die Zeit, die sie bis dato ins Studium investiert haben. Viele der Zweifler rechnen daher damit, das Studium fortzuführen, aber für ihren Abschluss länger zu brauchen als der Durchschnitt.

          Übrigens zeigen sich auch in dieser Befragung schon Auswirkungen der zunehmenden Akademisierung: Es sehen nur 13 Prozent der heutigen Studenten in einer nicht-akademischen Ausbildung eine Alternative zum Studium. Unter den Absolventen konnten sich dies noch 32 Prozent vorstellen.

          Praxisbezug hat sich verbessert

          Besonders häufig sind die zweifelnden Studenten enttäuscht von den Studieninhalten oder sie vermissen den Praxisbezug. Aber auch als zu hoch empfundene Leistungsanforderungen führen zum Hadern mit dem eingeschlagenen Bildungsweg. Zuweilen spielt zudem das Geld eine Rolle: Wer nicht (mehr) weiß, wie er die Lebenshaltungskosten bestreiten soll, denkt naturgemäß auch zuweilen über einen Abbruch des Studiums nach.

          Vergleicht man die Antworten der Absolventen mit denen der derzeit noch Studierenden, zeigt sich, dass sich anscheinend in Sachen Praxisbezug etwas verbessert hat: Dass er fehlt ist heute seltener ein Grund über einen Abbruch nachzudenken als früher. Dafür beklagen sich aktuelle Studenten stärker als die Absolventen über hohen Leistungsdruck und darüber, dass die Inhalte nicht ihren Erwartungen entsprechen. Die Befragung hat der Personalvermittler Univativ beim Meinungsforschungsinstitut Toluna in Auftrag gegeben. 500 aktuelle Studenten und 500 Absolventen bildeten zusammen die Grundgesamtheit.

          Nur jeder Zweite der befragten Absolventen würde seinen Kindern das gleiche Studium empfehlen. Doch etwas mehr als die Häflte weiß, dass das Studium eine Voraussetzung für ihre heutige Karriere war. Die Mehrheit sieht eine vergleichbare Tätigkeit mit vergleichbarem Einkommen nur mit Studium realisierbar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Karl Lagerfeld : Der letzte Modeschöpfer

          Karl Lagerfeld, der das Erbe von Coco Chanel neu belebte, ist gestorben. Er war ein ganz anderer Typ als die selbstquälerischen Modekünstler, die sich gerade so mit ihrer Mode ausdrücken können, aber meist nicht mit ihren Worten.
          Der Vapiano-Chef Cornelius Everke während eines Interview am Dienstag in Frankfurt

          Vapiano-Chef : „Wir haben uns verzettelt“

          Miese Geschäftszahlen, Talfahrt an der Börse: Vapiano-Chef Cornelius Everke erwägt auch Filialschließungen, um die Restaurantkette wieder auf Kurs zu bringen. Und nicht nur das.

          Duell der Trainer : Klarer Vorteil für Klopp

          Der FC Bayern geht als Außenseiter ins Achtelfinal-Duell der Champions League mit Liverpool. Verglichen mit Klopps Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten kommt Kovac beinahe wie ein armer Mann daher. Ein Kommentar.
          War’s die Grundrente, die so gut bei den Wählern ankam? (Archivfoto)

          Allensbach-Umfrage : Union verliert, SPD gewinnt hinzu

          Waren es die SPD-Vorschläge zur Grundrente? In einer Allensbach-Umfrage verzeichnen die Sozialdemokraten jedenfall Gewinne. Trotzdem bleiben sie hinter den Grünen. Die Union büßt leicht an Zustimmung ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.