https://www.faz.net/-gyl-8bu7i

Zugang zum Studium : Eine Chance für Arbeiterkinder

  • -Aktualisiert am

Lachhaft, oder? In Vorbereitungskursen wird ermittelt, wie nah oder fern die akademische Welt wirklich ist. Bild: Studienkompass

Wer nicht aus einer Akademikerfamilie kommt, studiert auch seltener. Aber es gibt sie, die untypischen Lebenswege. Wie eine frühe Förderung und eine intensivere Suche nach Talenten helfen können.

          Was soll ich bloß studieren? Dieser Satz ist öfters von jungen Leuten zu hören, die kurz vor der Hochschulreife stehen. Wenn die Schulzeit langsam zu Ende geht, stehen nicht nur die Prüfungen an, sondern auch die großen Fragen. Zum Beispiel: Ausbildung oder Studium? So geht es auch der 18 Jahre alten Giuseppina Geraci. Ihre Eltern haben keine universitäre Ausbildung absolviert, ein Studium wäre für sie also keine Selbstverständlichkeit. Die junge Frau ist Teilnehmerin des Programms Studienkompass, das jungen Leuten Hilfe bei der Wahl des entsprechenden Faches bietet. Die Begleitung beginnt schon weit vor dem Abitur und dauert mitunter bis zum Ende des zweiten Semesters - damit der Start ins Studentenleben auch reibungslos über die Bühne geht.

          Die Gymnasiastin besucht die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, ein Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart. Sie will auf jeden Fall nach der Reifeprüfung im kommenden Frühjahr vom Klassenzimmer in den Hörsaal wechseln. Beim Besuch des beruflichen Gymnasiums würde es doch naheliegen, ein Studium mit wirtschaftlichem Bezug anzustreben. Diese Überlegungen stellte Giuseppina Geraci zunächst auch an. „Aber im Laufe der Zeit ist mir klargeworden, dass Wirtschaft nicht so mein Fall ist“, sagt sie. Stattdessen tendiert sie beim Studienwunsch nun doch zu Medizin. Doch bis dieser Entschluss endgültig gefallen ist, dauerte es eine Weile - und Studienkompass leistete auf dem Weg Unterstützung. Das Programm wendet sich mit seinen Workshops und Veranstaltungen gezielt an junge Leute aus Haushalten, deren Eltern keine akademische Ausbildung haben - und zwar nicht erst dann, wenn die Entscheidung unmittelbar bevorsteht.

          Dass junge Menschen aus Familien ohne akademischen Hintergrund nach der Schule den Weg an eine Hochschule finden, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Zahlen der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) aus dem Jahr 2012 sind eindeutig. Demnach studieren 77 Prozent der Kinder von Akademikern, aber nur 23 Prozent der Söhne und Töchter von Nichtakademikern. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe: „Oftmals fehlt in der eigenen Familie einfach ein entsprechendes Vorbild“, sagt Ulrich Hinz von der Stiftung Studienkompass. Wenn das nicht gegeben sei, gebe es häufig auch keine Unterstützung beim Thema Studium. Außerdem machten sich gewisse Ängste breit, wenn es um die finanziellen Aspekte einer Hochschulausbildung geht. „In vielen Familien heißt es: Man macht keine Schulden“, sagt Katja Urbatsch, die gemeinsam mit anderen im Jahr 2008 die Initiative Arbeiterkind, eine Internetplattform für die entsprechende Klientel, ins Leben gerufen hat. Die Geschäftsführerin will damit Mut machen und informieren. Denn die 36-Jährige stammt selbst aus einem Haushalt, in dem sie zusammen mit ihrem Bruder als Erste studiert hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.