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Zeppelin University : Ihre Noten und Praktika interessieren uns nicht!

Die Aula der Zeppelin University direkt am Bodenseeufer in Friedrichshafen Bild: ZU/Anja Köhler

Wer an der Zeppelin University in Friedrichshafen studieren will, muss selbst jemand sein und eine bewusste Entscheidung getroffen haben. Das macht sich beim Aufnahmetest bemerkbar. Heike Schmoll war dabei.

          Das wünschten sich die meisten staatlichen Hochschulen auch: ihre Studenten in allen Fächern selbst aussuchen zu können. Einige haben es in Fächern ohne ZVS-Zuteilung sogar versucht, sind angesichts der Vielzahl der Bewerber aber in die Knie gegangen oder wurden enttäuscht, weil die besten Kandidaten sich für eine andere Universität entschieden hatten. Wer es allerdings an der Zeppelin University (ZU) in Friedrichshafen schafft, einen Studienplatz angeboten zu bekommen, wird bis auf ganz wenige auch wirklich dort anfangen zu studieren.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Im vergangenen Jahr vom Wissenschaftsrat akkreditiert, bietet die ZU in drei Departments neun staatlich anerkannte und akkreditierte Studienprogramme an. In jedem der Departments stehen drei Programme zur Verfügung: ein grundständiger Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften, Kommunikations- und Kulturwissenschaften oder managementorientierten Verwaltungs- und Politikwissenschaften; ein konsekutiver Master of Arts auf einem Erststudium im gleichen Fach basierend; schließlich einen nicht konsekutiven Master of Arts, der auf einem fachfremden Erststudium aufbaut.

          „Was halten Sie eigentlich von den Studentenprotesten?“

          Das Aufnahmeverfahren ist anspruchsvoll und zumindest für diejenigen ungewohnt, die mit „frisierten“ Lebensläufen und unrealistischen Vorstellungen von sich selbst nach Friedrichshafen kommen. 36 Abiturienten sind es diesmal, vor allem aber Studenten, die mit ihrer bisherigen Fächerkombination oder Universität unzufrieden sind. Stephan Jansen, der Rektor der Hochschule, begrüßt sie und tritt sogleich in ein Gespräch ein. „Was halten Sie eigentlich von den Studentenprotesten? Ach ja, und wissen Sie, wer Wilhelm von Humboldt war?“ Betretenes Schweigen. Zunächst. Schließlich eine zaghafte Wortmeldung: „Ich glaub', ein Bildungsreformer im 17. Jahrhundert.“ Dann der rettende Einfall einer anderen Bewerberin: „War wohl doch erst Anfang des 19. Jahrhunderts.“ Dann verspricht Jansen, der nächste Tag werde für die Bewerber eindrücklich werden, selbst wenn sie keinen Studienplatz bekämen. Im Übrigen sei die Aufgabe, die sie zu lösen hätten, nicht lösbar. Das vergessen die meisten wieder, als sie am kommenden Vormittag daran arbeiten.

          Um 8 Uhr werden sie in das zu den Waldburg-Zeil-Kliniken gehörende Regionalkrankenhaus Tettnang gefahren. Sie kannten weder den Ort noch die Aufgabe. Es folgt eine kompakte Einführung in die schwierige Krankenhausfinanzierung und in die Abteilungen des Krankenhauses, dann ein kurzer Gang durch den Wartebereich der Notaufnahme. In Stoßzeiten komme es dort immer wieder zu langen Wartezeiten, heißt es. Dann kommt die Frage: Was kann getan werden, um bei wartenden Patienten die Zufriedenheit zu steigern?

          Es folgt eine zweistündige Gruppenarbeit. Diejenigen, die später die Gespräche führen (jeweils ein Professor der ZU und ein Außenstehender), sitzen in dieser Zeit stumm dabei und beobachten. Die Gruppendynamik offenbart rasch, wer hier Führungsrollen beansprucht - ganz gleich, wie viele Kenntnisse er aufzuweisen hat - und wer sich zurückhält oder gar Vermittlungsversuche unternimmt. Immerhin leisten sich gegen Ende zwei Gruppenmitglieder eine wütende Selbstoffenbarung, als sie sich nicht durchsetzen können. Während der anschließenden Vorstellung der Verbesserungskonzepte vor dem Geschäftsführer des Krankenhauses und den Gutachtern zeigen sich die Unterschiede rasch. Die meisten haben nicht so genau beobachtet, sind offensichtlich fast mit Scheuklappen durch die Räume gelaufen, entsprechend unspezifisch sind auch die Vorschläge. Die Reaktion des Geschäftsführers und seiner Mitarbeiter fällt entsprechend lau aus: Er habe nichts gehört, woran die Klinik nicht schon selbst gedacht hätte.

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