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Zeppelin University : Ihre Noten und Praktika interessieren uns nicht!

Nach der Mittagspause geht es sofort weiter mit Einzelgesprächen, Englisch-Test, Deutsch-Test, Mathe-Test. Damit nicht alles von einem Gespräch abhängt, sprechen jeweils zwei Gutachter je 45 Minuten mit jedem Kandidaten. Sie konfrontieren ihn mit seiner Rolle in der Gruppe, mit seinen Vorschlägen, den vorher in einem Fragebogen geäußerten Meinungen oder seiner biographischen Selbstdarstellung. „Es wird persönlich werden“, hat der Rektor tags zuvor versprochen. Er hält Wort. Wer hierher an den Bodensee gekommen ist, wurde aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt, sein Kurzprofil von zwei Professoren der Universität für vielversprechend befunden. Das gesamte Auswahlverfahren steht unter dem Motto „Pioneers Wanted“. Das heißt: Abiturdurchschnitte, Zeugnisse, Praktikumsbescheinigungen sind Schall und Rauch. Also: Der einzelne Bewerber als Person ist entscheidend.

Das sind die Studenten offenkundig nicht gewohnt. Viele sind an „Massenunis“immatrikuliert und wünschen sich jetzt persönlichere Betreuung. Einige waren beim Probestudium an der ZU, manche beim Sommerfest. Die Überschaubarkeit, die Individualität habe ihnen schon da gefallen. „Warum aber sollten wir zwei Drittel der Ausbildungskosten in Sie investieren?“, fragt der Rektor. Er erwartet von den Bewerbern, die später ein Drittel der Kosten durch Studiengebühren beitragen müssen, zumindest irgendeine Form von Entschiedenheit. Bei den meisten stößt er damit ins Leere. Aber auch der Zweifel, das Nichtwissen, der lange Atem für die Suche nach Lösungsmöglichkeiten, all das, was wissenschaftliches Denken ausmacht, ist den meisten der Bewerber noch fremd. Sie haben zwar viele Praktika gemacht und Fremdsprachen gelernt, aber warum sie nun ausgerechnet Kommunikations- und Kulturwissenschaften hier, und zwar nur hier, studieren wollen, wissen sie nicht zu sagen. Es ist eine zutiefst verunsicherte Generation. Eltern sind am Auswahltag ausdrücklich nicht zugelassen. Das hier sei ein „freies Spiel unter Erwachsenen“ sagt Jansen im Anklang an Schleiermacher und Humboldt.

„Gibt es eine Idee, die größer ist als sie selbst?“

Die meisten Bewerber bringen wenig Allgemeinwissen mit. „Was bedeutet Dissens?“, fragt unvermittelt ein Teilnehmer, obwohl er nach eigenen Aussagen einer romanischen Sprache mächtig ist. Aber darauf kommt es im Gespräch nicht einmal an. „Gibt es eine Idee, die größer ist als sie selbst?“ - Auch darauf haben viele keine Antwort. Sie sind schwer aus der Reserve zu locken, weil sie gewohnt sind, bei jeder Antwort sofort mitzudenken, wie sie wirken könnte. In manchen Zusammenhängen mag das ein Erfolgskonzept sein, in Friedrichshafen ist es das nicht. „Ihre Studierenden-Generation gilt als überangepasst. Welchen Unterschied machen Sie nach dem Studium?“, lautete eine der schriftlich zu beantwortenden Fragen. Es sei nicht schlecht, dass die heutige Generation überangepasst sei, sie sei allen Anforderungen und Ansprüchen im späteren Berufsleben gewachsen. Das war die Antwort einer Bewerberin. Welche Schulen haben diese jungen Menschen durchlaufen, dass ihnen mit wenigen Ausnahmen jegliches Löcken wider den Stachel ausgetrieben wurde?

Am Ende wird fast einem Drittel der Bewerber ein Bachelor-Studienplatz angeboten - insgesamt 90 stehen davon zur Verfügung. Am „Seemoser Horn“, direkt am Bodensee-Ufer, soll es übersichtlich bleiben. Diejenigen, die schließlich kommen werden, sind wohl eher die, deren Wege nicht gerade verlaufen sind, die schwierige Biographien durchlebt, häufig von anderen Berufszielen geträumt und sich dann sehr bewusst für eine Bewerbung an der ZU entschieden haben. Es sind diejenigen, die selbst denken und eine möglicherweise utopische Vorstellung von dem haben, was sie eigentlich machen wollen. So gab es einmal einen Bewerber, früheres Mitglied des Tölzer Knabenchors, der gleich im Bewerbungsverfahren sagte, er wolle Manager von Sir Simon Rattle werden - heute ist er es.

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