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Zeitverträge in der Wissenschaft : Wenn du eine Stelle willst, frag vorher deinen Anwalt

  • -Aktualisiert am

Wer sich eine Stelle auf Lebenszeit an einer Hochschule schaffen will, kann mit etwas Glück die Zeit für sich arbeiten lassen. Bild: dpa

Um Hochschulen nicht zum Parkhaus für scheiternde Wissenschaftler verkommen zu lassen, werden Arbeitsverträge von Forschern bislang befristet. Das hat paradoxe Folgen.

          Lange Zeit kam die Anfertigung einer Promotion oder einer Habilitation dem langen Bohren dicker Bretter gleich. Wissenschaftler wurden nicht selten weit über vierzig Jahre alt, bevor sie sich nach erfolgreicher Habilitation auf eine Professur bewerben konnten und bevor sie feststellen konnten, ob die Bretter, die sie über so viele Jahre gebohrt hatten, auch wirklich so dick waren, wie es die umfangreichen Promotions- und Habilitationsschriften versprachen. Diese lange Qualifizierungsphase geriet jedoch bei den Hochschulpolitikern immer mehr in die Kritik. Um Hochschulen nicht zum Parkhaus für gescheiterte oder scheiternde Wissenschaftler verkommen zu lassen, ersannen die Hochschulpolitiker die Befristung von Arbeitsverträgen für Wissenschaftler. Die gesetzliche Fixierung der Befristung, die als Teil der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes von der damaligen Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) mit knapper Mehrheit durch das Parlament gepeitscht und danach in einem gesonderten Wissenschaftszeitvertragsgesetz weiter fixiert wurde, sieht auf den ersten Blick ganz simpel aus: Wer in sechs Jahren nicht seine Promotion und in weiteren sechs Jahren nicht seine Habilitation beendet hat, darf, so die Grundidee, keine Stelle mehr an einer staatlichen Universität bekommen. Für Wissenschaftler, die sich nicht innerhalb der zwölfjährigen Qualifizierungsphase auf eine Professur gerettet hatten, wurde damit faktisch eine Art Berufsverbot an Universitäten und Fachhochschulen eingeführt.

          Als Hauptproblem des Gesetzes stellte sich heraus, dass die Gesetzgeber vergessen hatten, genau anzugeben, welche Tätigkeiten für die wissenschaftliche Qualifizierungszeit von zwölf Jahren angerechnet werden müssen und welche nicht. Wie sieht es mit reiner Lehrtätigkeit aus, die nicht der Arbeit an einer Dissertation dient? Kann diese Regelung auch privaten Hochschulen vorgeschrieben werden, und sollten Tätigkeiten an privaten Hochschulen mitgezählt werden? Wie sollten Praktika an staatlichen Forschungsinstituten behandelt werden? Wie sollten selbst eingeworbene Drittmittelprojekte angerechnet werden? Wie sollten Tätigkeiten auf Stellen behandelt werden, die offiziell der akademischen Selbstverwaltung dienten, aber faktisch zum Parken qualifizierter Wissenschaftler genutzt wurden? Wie sollten halbe oder Viertelstellen verrechnet werden? Hätte, wer nie eine ganze Stelle hatte, dann ein Anrecht auf 24 oder gar 48 Jahre Beschäftigung an Hochschulen?

          Verheerend wirkt sich aus, dass diese Befristung von Arbeitsverträgen auf unvorhergesehene Art und Weise mit der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen im Rahmen der Bologna-Reform kollidiert. Es ist eine Grundidee der Bologna-Reform, dass man nach drei Jahren einen ersten Studienabschluss macht. In der Logik des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes beginnt dann aber nach dem Bachelor-Abschluss schon die wissenschaftliche Qualifizierungsphase. Wer also nach seinem Bachelor-Abschluss parallel zu seinem Master-Studium eine zwölfstündige Tätigkeit als Kopierhilfskraft bei einem Professor beginnt oder auch nur eine Stelle als studentische Hilfskraft in einem Praktikumsbüro antritt, befindet sich bereits in der Qualifizierungsphase für die Promotion.

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