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Wissenschaftliche Arbeiten : Die Plagiat-Scanner

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Bild: F.A.Z. / Tresckow

Software, die Plagiate findet, ist an amerikanischen und britischen Universitäten längst Standard. Die Studenten müssen jede Arbeit vor der Abgabe prüfen lassen. Deutsche Unis fangen gerade an, diese Technik zu nutzen.

          Silke Heppekausen konnte nicht glauben, was da stand: 14 Prozent ihrer Masterarbeit zeigte das Plagiat-Programm als kritisch an. Sie war kurz davor, ihre Arbeit an der University of East London (UEL) einzureichen, es war der letzte Schritt zum Master of Business Administration (MBA). Also setzte sie sich noch mal hin und prüfte jede Quellenangabe und alle An- und Abführungszeichen akribisch. Sogar eine ihrer eigenen Arbeiten, die sie zu einem ähnlichen Thema geschrieben hatte, war im System gespeichert und abgeglichen worden. „Es ist gut, dass ich mich so selbst überprüfen konnte“, sagt sie heute. In dem englischsprachigen MBA-Programm der Rheinischen Fachhochschule Köln mit der Londoner Universität mussten alle Studenten vor der Abgabe ihre Arbeiten vom Software-Programm Turnitin checken lassen. „Ich verstehe nicht, warum das nicht alle Hochschulen vorschreiben“, sagt die MBA-Absolventin.

          Software-Programme, die Plagiate suchen, sind an amerikanischen und britischen Hochschulen weit verbreitet. In Deutschland machen sich bisher nur einzelne Universitäten oder Fakultäten diese Hilfsprogramme zunutze. Weder der Hochschulverband noch die Hochschulrektorenkonferenz erhebt zentrale Daten darüber, welche Unis mit Plagiat-Software arbeiten. Von den 13 größten Hochschulen sind es nur die Uni Münster, die Ruhr-Uni Bochum, die Technische Universität Dresden und die Fernuni Hagen, die auf dem ganzen Campus Arbeiten mit einem Programm prüfen lassen. Alle anderen Unis verweisen auf ihre eigenen Institute und Fakultäten, die selbst entscheiden könnten, ob sie solche Programme nutzten. Zum Teil tun sie das auch wie die LMU München, die Uni Bremen und die Uni Hamburg.

          Die Hochschulen wenden gegen den Einsatz der Software ein, dass sie zu wenig Personal für das Arbeiten mit den Programmen hätten und dass alle Wissenschaftler unter einen Generalverdacht gestellt würden. Außerdem gebe es genügend menschliche Kontrollinstanzen. Die meisten Unis sagen aber auch, dass es noch keine Software gebe, die allen Anforderungen genüge.

          Von 26 Programmen sind nur fünf „teilweise nützlich“

          Für den letzten Punkt stehen die Testergebnisse der Professorin Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Sie prüft Plagiat-Software seit Jahren. Ihre aktuellste Studie zeigt, dass von 26 Programmen nur fünf „teilweise nützlich“ sind. Denn selbst die besten Programme finden nur 60 bis 70 Prozent der kritischen Textstellen; nicht alle wissenschaftlichen Texte sind digitalisiert. „Software kann nur Indizien liefern, die man aber besser mit einer Suchmaschine findet“, sagt Weber-Wulff. Schwächen haben alle Programme: Sie finden keine Mosaik-Plagiate: Textstellen, die aus mehreren Quellen zusammengesetzt wurden. Auch nur übersetzte englische Texte werden noch nicht erkannt. Besonders schwer tun sich die Programme mit Paraphrasierungen, wenn also der Autor Sätze eines anderen Verfassers nur in eigene Wort gefasst hat.

          Die drei Programme, die im Test der Forschungsgruppe Plagiat am besten abschneiden, sind PlagAware, Ephorus und Turnitin, ein amerikanisches Programm. Turnitin ist der globale Marktführer, das Unternehmen sitzt in Oakland, Kalifornien. 10 000 Hochschulen haben eine Lizenz gekauft, eine Million Lehrende und 20 Millionen Studenten arbeiten mit dem Programm, in 126 Ländern. Das Programm gibt es in zehn Sprachen, eine davon ist Deutsch.

          Die die Arbeiten werden in Textbausteine zerlegt und laufen durch Datenbanken

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