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Wharton Business School : Kaderschmiede für die Elite von morgen

  • -Aktualisiert am

Zu wenig deutsche Studenten: Wharton School Philadelphia Bild: Photo Credit: Wharton Communicat

Wharton ist die älteste Business School der Welt. In den Rankings landet sie regelmäßig auf Platz eins. Die exorbitanten Gebühren sind gut angelegtes Geld.

          Bergtouren zum Cotopaxi, dem zweithöchsten Berg Ecuadors, Kampfkurse in Quantico, einem der größten Stützpunkte der amerikanischen Marineinfanterie, und Expeditionen in die Antarktis: Das klingt nicht gerade nach Studium, erst recht nicht nach Business Management. Es sei denn, man absolviert ein MBA-Studium an der Wharton School in Philadelphia. "Leadership Ventures" heißen die Abenteuer-Projekte, bei denen MBA-Studenten Führungsqualitäten, Risikobewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Entschlusskraft trainieren können.

          Wharton spielt in der ersten Liga der Business Schools. Schon weil sie zur University of Pennsylvania und damit zur erlauchten Ivy League der angesehensten Spitzen-Hochschulen Nordamerikas gehört. Mit in Deutschland deutlich bekannteren Eliteunis wie Harvard, Stanford und der University of Chicago rangelt Wharton darum, auf den diversen Bestenlisten ganz vorn zu stehen (siehe Tabelle). Rekorde hält die Business School zur Genüge: So ist Wharton die älteste und größte Business School der Welt. Bereits 1881 wurde sie von dem amerikanischen Industriellen und Philanthropen Joseph Wharton gegründet.

          Pionierarbeit geleistet

          Innovation wurde von Anfang an großgeschrieben: Von allen Business Schools eröffnete Wharton das erste Forschungszentrum, schuf das erste Programm für internationales Management und leistete Pionierarbeit bei der Weiterbildung von Führungskräften. Insgesamt bietet Wharton heutzutage mehr Kurse und Programme als jede andere Business School an. MBA-Studenten können zwischen 19 Spezialisierungen wählen, von Klassikern wie Rechnungswesen, Unternehmensfinanzierung und Marketing bis zu Kombinationen wie Umwelt- und Risikomanagement.

          Entsprechend groß ist die Zahl der Lehrenden. Mit mehr als 250 Professoren und Dozenten hat Wharton die größte Fakultät aller Business Schools. Zu den prominentesten Professoren gehört der Finanzexperte Jeremy Siegel. Und für Gastvorträge kommen Konzernchefs wie Peter Löscher von Siemens und Dieter Zetsche von Daimler angereist. Zahlreiche Absolventen von Wharton sitzen ihrerseits in den Führungsetagen großer Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen. Auch prominente Deutsche gehören dazu. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Allianz Henning Schulte-Noelle hat seinen MBA in Wharton erworben. Auch der einst so hochgelobte frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post Klaus Zumwinkel gehört zu den Absolventen des MBA-Studiums.

          In Deutschland noch nicht das große Renommee

          Dennoch genießt Wharton in Deutschland noch nicht das gleiche Renommee wie andere Top-Business-Schools. Dabei zeichnet sich Wharton gerade auch durch Internationalität aus. Von den rund 800 MBA-Studenten eines Jahrgangs kommen etwa 40 Prozent aus dem Ausland; insgesamt sind Studierende aus 74 Ländern vertreten. Die Business School pflegt Austauschprogramme mit den führenden Business Schools in Europa, Asien, Australien und Südamerika. Zwar hat sich die Zahl der deutschen MBA-Bewerber in den vergangenen vier Jahren auf nunmehr vierzig im Jahr verdoppelt. Aber aus Frankreich kommen doppelt so viele Bewerbungen, ganz zu schweigen vom enormen Zulauf asiatischer Studenten, die sich nicht von den Kosten von rund 130 000 Dollar für das zweijährige Studium schrecken lassen.

          "Gemessen an der Größe Deutschlands, haben wir zu wenig deutsche Studenten", sagt Thomas Caleel, Leiter der Zulassungsstelle der Wharton School. Neun sind es derzeit. Grund dafür sei die Konkurrenz durch den deutschen Doktortitel, der vielfach immer noch als das Nonplusultra betrachtet werde.

          Whartons Stärken sind die Vielfalt des Studienangebots, Betonung von Teamarbeit und ausgeprägter Praxisbezug. Diese Mischung, die Wharton-Absolventen durchschnittliche Einstiegsgehälter von mehr als 160 000 Dollar beschert, wird auch von deutschen Unternehmen zunehmend geschätzt. So kam Siemens-Chef Peter Löscher dieses Frühjahr an die Wharton School, um Ausschau nach europäischen, asiatischen und amerikanischen Absolventen für internationale Aufgaben zu halten.

          MBA-Studenten nicht nur aus der Wirtschaft

          Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass sich an der Wharton School nur mit Erfolg bewerben kann, wer umfangreiche ökonomische Kenntnisse mitbringt: "Unsere MBA-Studenten kommen nicht nur aus der Wirtschaft, sondern auch aus dem künstlerischen Bereich, aus der Wissenschaft und dem Militär", schildert Thomas Caleel. Entsprechend weit fasst der Leiter der Zulassungsstelle der Wharton School die Anforderungen an Bewerber: "intellektuelle Neugier und Leidenschaft".

          Minimalvoraussetzung für eine Bewerbung sind ein erfolgreiches Collegestudium oder ein vergleichbarer Abschluss und für Ausländer der Nachweis von Englischkenntnissen durch den Toefl-Test. Ferner haben Bewerber durchschnittlich fünf bis sechs Jahre gearbeitet. Wichtiger als die Berufserfahrung, so Caleel, "sind jedoch exzellente Leistungen in den bisherigen Tätigkeiten."

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