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Weiterbildung : Vom Büro zur Uni zum Aufstieg

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Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Studieren neben dem Job? Was für eine Belastung und Zerrissenheit. Aber es verspricht einen Schub für die Karriere. In ganz verschiedenen Lebenslagen. Die Nachfrage ist groß, der Markt wächst.

          Es gibt schon bemerkenswerte Titel: "Fernstudent des Jahres" ist so einer. Der Berliner Bankdirektor Gerhard Puhlmann, 42 Jahre alt, darf sich damit schmücken. Im Frühjahr galt er der Jury des Fachverbandes "Forum Distance-Learning" als Jahrgangsbester und -schnellster in seinem betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studium an der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Einsatz und Eile des Managers erscheinen nachvollziehbar. Es ging um nichts weniger als um die Sicherung seiner beruflichen Existenz.

          2002 geriet Puhlmanns Arbeitgeber, die Berliner Sparkasse, ins Trudeln. Als Teil der Berliner Bankgesellschaft stand sie kurz vor dem Konkurs. Puhlmann, mit Verantwortung für 150 Mitarbeiter und 15 Filialen, witterte Gefahr. Er war Bankkaufmann, Sparkassenbetriebswirt - aber den Hochschulabschluss, sagten seine Vorgesetzten, könne das nicht ersetzen. Puhlmann reagierte entschlossen.

          "Ich wusste nicht, ob ich's schaffe"

          Bloß nicht auf die Abschussliste. Weiterqualifizieren "für alle Fälle". Den Beruf nicht aufgeben. "Aber ich war Ende 30, ich wusste nicht, ob ich's schaffe", sagt der Vater von vier Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren. Mit seiner Frau sprach er sich ab, mit der Sparkasse nicht. "Mir war's wichtig, dass es bei der Arbeit niemand merkt. Das hat geklappt." Und das, obwohl sein Arbeitstag morgens um fünf beginnt und erst zwölf Stunden später endet. Den Chef weihte er zum Ende des Grundstudiums ein. Der war begeistert - von Puhlmanns Eigeninitiative, seinem Willen, Geld, Freizeit, Urlaub zu investieren. Er spendierte Sonderurlaub für einen Studienaufenthalt in Peking. Puhlmann schaffte den Bachelor nach 25 statt 36 Monaten, bekam ein Belobigungsschreiben vom Vorstand und hat bald auch noch den Master. Vor allem aber: Er hat seinen Arbeitsplatz gesichert.

          Eine schöne Erfolgsgeschichte, so recht nach dem Geschmack des Forums, das neun von zehn privaten Anbietern repräsentiert und einmal "Fernschulverband" hieß. Weil das altmodisch nach Papier und Post klang, heißt es nun "DistancE-Learning" mit einem Großbuchstaben in der Mitte. "Distanz ist das didaktische Konzept", erklärt Verbandspräsident Martin Kurz, "elektronisch ist die Technik, die die persönliche Betreuung ergänzt."

          Für Puhlmann mögen Silberpokal und Titel "per saldo Schall und Rauch" sein, doch mit dem Preis hofft eine ganze Branche, auf sich aufmerksam zu machen. Dabei hätte sie so viel Werbung kaum nötig, zieht man die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu Rate. Denn die zeigen: Berufliche Weiterbildung ist in Mode. Fach- und Führungskräfte, die an ihrer Karriere feilen (müssen), wählen häufig das Fernstudium, das Flexibilität von Ort und Zeit verspricht.

          Mehr als 326.000 Menschen in Deutschland nutzten 2006 einen Fernlehrgang oder ein Fernstudium zur berufsbegleitenden Weiterbildung, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Drei Viertel entschieden sich in eigener Initiative zur Weiterbildung, fast jeder Fünfte belegte ein Hochschulstudium an einer staatlich anerkannten Fernhochschule. Betriebswirtschaftliches Wissen ist am begehrtesten, jeder Vierte saß in solchen Kursen. Die Frauen machen 52 Prozent aus, 74 Prozent aller Fernlernenden waren 20 bis 40 Jahre alt. Die Generation "40plus" hole auf, betont Martin Kurz zufrieden. 22 Prozent aller Fernlernenden sind über 40; vier Jahre zuvor waren es 16 Prozent.

          Vager Wunsch nach persönlicher Entwicklung

          Die Gründe, die Frauen und Männer auf die Hochschulbank treiben, sind so vielschichtig wie das Angebot. "Sie dürfen nie die persönliche Komponente außer Acht lassen", sagt Elisabeth Krekel, Soziologin und Abteilungsleiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung. Befragte nennen allem voran den vagen Wunsch nach persönlicher Entwicklung. In einer Befragung im Jahr 2002 nannten 55 Prozent der Teilnehmer dies als Motiv. Dahinter rangiert die Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit, Sicherheit vor Arbeitsplatzverlust, höheres Einkommen, Verbesserung der Aufstiegschancen.

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