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Studium Luftverkehrsmanagement : Beim nächsten Flughafen soll alles besser werden

  • -Aktualisiert am

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg im Jahr 2018. Bild: dpa

Ein Exot unter 20.000 Studiengängen: Luftverkehrsmanagement kann man studieren – in der Hoffnung, dass sich Fälle wie der BER nicht wiederholen.

          „Ich möchte in meiner Karriere Flughäfen bauen, neue Terminals. Ich möchte unbedingt das neue Terminal in Dublin errichten“, sagte Dominic Judge Ende Februar dem Berliner „Tagesspiegel“. Das Kuriose: Der Student mit deutscher Mutter schreibt aktuell an seiner Bachelorarbeit über den noch immer nicht eröffneten Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und erforscht, was bei dessen Bau und Planung schiefgelaufen ist. Der Studiengang, in dem Judge seine Arbeit schreibt, heißt Luftverkehrsmanagement. Das studiert der 22 Jahre alte Ire in Dublin.

          Auch deutsche Hochschulen bieten diesen Studiengang an – etwa in Frankfurt, Worms und Bad Honnef. Im bunten Strauß der beinahe 20.000 Studiengänge in Deutschland kann Luftverkehrsmanagement als Exot bezeichnet werden. „Auf viele Studenten übt das Fach einfach eine gewisse Faszination aus“, sagt Kirstin Zimmer. Sie leitet den Studiengang an der University of Applied Sciences in Frankfurt am Main. „Bei uns sagt man: Wer ein paar Jahre in der Branche war, hat Kerosin im Blut.“ So bleibe die Mehrheit ihrer Absolventen fest mit der Branche verbunden. Das könnte auch am dualen Aufbau des Studiengangs liegen: Durch die Kooperationspartner aus der Luftverkehrsbranche wie Lufthansa, Fraport, den Münchner Flughafen oder die Deutsche Flugsicherung seien die Absolventen auch untereinander gut in der Branche vernetzt.

          „Für mich war das schon immer ein Kindheitstraum“

          In Frankfurt beginnen 30 bis 40 Studenten den Bachelor in Luftverkehrsmanagement jedes Jahr zum Wintersemester. Niklas Schäfer war 2017 einer von ihnen: „Für mich war das schon immer ein Kindheitstraum, und ich wusste früh, dass es in diese Richtung geht.“ Der 21-Jährige studiert jeweils drei Monate in Frankfurt und geht dann in sein Partnerunternehmen Fraport am Frankfurter Flughafen. Der Bachelor in Luftverkehrsmanagement sei im Vergleich zu anderen Studiengängen zwar eine recht frühe Spezialisierung, das duale Konzept bereite ihn aber gut auf die Praxis vor, sagt er. Faszinierend an der Branche sei für ihn die internationale Bedeutung für Deutschland als Industriestandort. Nach seinem Studium möchte Schäfer weiter bei Fraport arbeiten, am liebsten im Flug- oder Terminalbetrieb.

          Neben dem Bachelor in Luftverkehrsmanagement gibt es andere betriebswirtschaftliche Studiengänge mit vergleichbarer Spezialisierung, oft Aviation Management genannt und teils auf Englisch. Wer schon etwas weiter im Studium ist, kann einen Master mit einem ähnlichen Schwerpunkt wählen. Etwa Luft- und Raumfahrttechnik an der RWTH Aachen oder der TU Berlin. Diese Master konzentrieren sich jedoch häufig eher auf die technischen Aspekte des Flughafenbetriebs. So auch die TU Dresden. Die bietet den Schwerpunkt Luftverkehr und Logistik im Studiengang Verkehrsingenieurwesen an. Das entsprechende Institut untersteht Hartmut Fricke. Der hat damals die Planfeststellung des BER begleitet: „Auf studentischer Ebene gibt es bei uns seitdem regelmäßig Detailanalysen im Rahmen von Abschlussarbeiten.“ Das BER-Unternehmen lobe sogar jährlich einen Studenten der TU Dresden für die beste Arbeit zum Thema Luftverkehr aus.

          Zum Berliner Flughafen forscht die Frankfurter Hochschule derzeit hingegen nicht, sagt Studiengangsleiterin Zimmer. Es gebe aber andere spannende Themen in ihrem Fachgebiet. Als Beispiele nennt sie Technologien, die Wirtschaft und Mobilität in Zukunft verändern sollen, etwa Drohnen und Flugtaxis. In den Vorlesungen und Seminaren spiele der BER hingegen eine Rolle. Niklas Schäfer nennt den Flughafen etwa ein „allgegenwärtiges Negativbeispiel“. Dass sich ein 22 Jahre alter Ire mit dem BER befasst, finden Schäfer und Zimmer spannend. Vor allem wegen der Perspektive aus dem Ausland. Es sei jedoch abzuwarten, inwiefern sich der Ansatz von anderen Untersuchungen unterscheide. Zudem könnte es für den Studenten schwierig werden, an aussagekräftige Unterlagen und Gesprächspartner zu kommen. Student Judge selbst sagt, der BER habe ein Gespräch mit ihm „leider abgelehnt“. Zumindest aber habe er zwei Tage in Berlin verbringen können. Dort habe er etwa mit dem Brandenburger Landesrechnungshof und einem Hochschuldozenten gesprochen. Andere Projektbeteiligte hätten mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht nicht mit ihm reden wollen. Ende April oder Anfang Mai soll seine Arbeit fertig werden. Dass der BER 2020 eröffnet wird, glaubt Judge übrigens nicht. Ob der Ire selbst in Berlin mal einen Flughafen bauen wollen würde? „Klar, das würde ich gern machen. Beim nächsten Berliner Flughafen könnte man ja alles besser machen.“

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