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Bilinguale Abschlüsse : Mehrsprachig zum Abitur

  • -Aktualisiert am

Ohne Englisch geht heute kaum noch etwas. Bild: ZB

Den Zitronensäurezyklus auf Englisch erklären oder den Sturm auf die Bastille auf Französisch: Bilinguale Abschlüsse verbessern nicht nur die Sprachkenntnisse der Schüler.

          Deutsch und Englisch in fließendem Wechsel: Bilingualer Unterricht, das International Baccalaureate Diploma und das sogenannte Abibac ermöglichen Schülern, eine Fremdsprache nicht nur im Sprachunterricht zu lernen, sondern auch in Fächern wie Geschichte oder Biologie anzuwenden – bis hin zur Reifeprüfung. Das ist in Deutschland weiter verbreitet, als man vermuten würde: Schon 2013 gab es laut Kultusministerkonferenz (KMK) mehr als 1500 Schulen mit bilingualem Angebot. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor; die KMK vermutet, dass die Zahl mindestens gleich geblieben ist.

          Die meisten kombinieren Deutsch mit Englisch, manche ermöglichen auch einen Abschluss in der Fremdsprache, etwa das International Baccalaureate Diploma (IB Diploma). In Deutschland wird es laut der Dachorganisation International Baccalaureate an 29 öffentlichen Schulen und 50 Privatschulen angeboten. Dabei müssen die Schüler Prüfungen in sechs Fächern ablegen, meist auf Englisch. Diese können mit den Abiturfächern kombiniert werden. Außerdem schreiben sie eine Facharbeit. Auch außerschulisches Engagement gehört zum Konzept.

          Wer sich noch nicht sicher ist, ob er in Deutschland oder im Ausland studieren möchte, sollte aber aufpassen. Denn damit das IB Diploma in Deutschland als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt wird, müssen einige Bedingungen erfüllt sein, etwa überdurchschnittliche Leistungen in den Abschlussprüfungen.

          Abibac zählt mehr als der Französisch-Leistungskurs

          Eine weitere Möglichkeit, einen mehrsprachigen Schulabschluss zu erwerben, ist das Abibac, eine Kombination aus dem deutschen Abitur und dem französischen Baccalauréat. Auch hier ist der Unterricht bilingual, es werden Fächer wie Geschichte auf Französisch vermittelt. Laurent Boltz hat das Abibac im Elsass abgelegt und arbeitet heute am Berliner Institut français als Studienberater.

          Schulabgänger können sich zwar nicht nur mit dem Abibac an einer Universität in Frankreich bewerben, sondern auch, wenn sie Französisch als Leistungskurs belegt haben. Doch das Abibac zählt laut Boltz mehr: „Die Anforderungen des Abibacs sind höher, weil Sachfächer auf Französisch unterrichtet werden. Deshalb gilt es in Frankreich als hochwertiger.“ Für eine Bewerbung bei einer Eliteuniversität oder einer spezialisierten Hochschule in Frankreich empfiehlt er das Abibac.

          Vernetzung im Gehirn ist stärker

          Damit zweisprachige Abschlüsse für Schüler überhaupt möglich werden, sind auch besonders qualifizierte Lehrer vonnöten. So lernen etwa Lehramtsstudenten an der Bergischen Universität Wuppertal bei der Professorin Gela Preisfeld, Biologie bilingual zu unterrichten. Das Ziel der zweisprachigen Lehre ist laut Preisfeld, dass Schüler den Unterrichtsstoff in zwei Sprachen verstehen und erklären können.

          Der Wechsel zwischen den Sprachen mache den Schülern nichts aus, im Gegenteil: „Die Fachkompetenz ist in bilingualen Klassen genauso hoch wie in normalen Klassen. Aber der Behaltenseffekt ist höher.“ Denn über das Gelernte in einer anderen Sprache muss man laut Preisfeld genauer nachdenken, die Vernetzung im Gehirn ist deshalb stärker. Einen Nachteil sieht sie darin, dass in den allermeisten Fällen nur leistungsstarke Schüler in bilinguale Klassen aufgenommen werden. Sie hält es daher für besser, einzelne Fächer für einen jeweils begrenzten Zeitraum zweisprachig zu unterrichten. „Ich bin für Bilingualität für alle.“

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