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Renten-Fragen für Studenten : Altersvorsorge – nicht mein Ding!

  • -Aktualisiert am

Auf der Sonnenseite: Diese Studenten in Frankfurt dürften sich kaum wie Rentner fühlen. Bild: Patricia Kühfuss

Für Studenten ist der Ruhestand ewig weit weg. Sie leben lieber im Hier und Jetzt. Aber das kann sich als großer Fehler erweisen.

          Hannah Kemper könnte es sich eigentlich leisten, fürs Alter vorzusorgen. Die 31 Jahre alte Studentin aus Kiel hat nämlich vor zwölf Jahren geerbt. Statt ihr Erbe anzulegen, hat sie allerdings beschlossen, damit ihr Studium zu finanzieren und den Rest auf dem Konto zu lassen – für Notfälle. Zusätzlich spülen ihr diverse Nebenjobs Geld in die Kasse. Hannah Kemper hat schon in einer Modeboutique gearbeitet, in einem Café und bei einem Kinder-Kulturevent im Rahmen der Kieler Woche, jener internationalen Großveranstaltung, die die norddeutsche Stadt einmal im Jahr zum Mekka für Segel-Fans werden lässt.

          Den Verdienst aus ihren Minijobs gibt sie ebenfalls lieber aus, statt zu sparen. „Ich habe weder eine Lebensversicherung noch einen Bausparvertrag. Ich lebe schließlich jetzt“, sagt die Studentin, die momentan an ihrer Master-Arbeit im Fach Europäische Ethnologie arbeitet. „Ich will in den Urlaub fahren, mit Freunden in die Kneipe gehen und Konzerte besuchen.“ Ihre Beschreibungen rühren an die Frage, ob sich Studenten schon mit der Rente beschäftigen sollten – und wenn ja, wie intensiv.

          So wie Hannah Kemper geht es schließlich vielen Studenten. Der Ruhestand liegt noch in weiter Ferne, das Hier und Jetzt ist wichtiger. Viele von ihnen können es sich zudem schlicht nicht leisten, Geld zurückzulegen. Zwar gehen 68 Prozent neben dem Studium einer Arbeit nach, wie die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt. Im Schnitt haben Studierende in Deutschland 918 Euro pro Monat zur Verfügung. Weil in vielen Universitätsstädten die Mieten aber sehr hoch sind, bleibt am Ende des Monats trotzdem oft kein Geld übrig. Da werden Sparen und Vorsorgen zu sehr theoretischen Plänen.

          Je früher man beginnt, desto stärker vermehrt sich das Geld

          Die Studienzeit gehört in der Regel nun mal nicht zu den finanzstärksten Lebensphasen. Wer sich hier und da ein bisschen einschränkt und vorausschauender kalkuliert, der kann unter Umständen trotzdem jeden Monat eine kleine Summe zurücklegen. Und es ist ja durchaus sinnvoll, sich so früh schon mit dem Thema Altersvorsorge zu befassen, sagen Finanzexperten. Denn: Je früher man beginnt, Geld für das Alter anzulegen, desto stärker vermehrt es sich bis zur Rente. Das Vorsorgekonzept muss allerdings durchdacht sein. Es nützt nichts, Geld in einen Sparplan oder eine Versicherung einzuzahlen, wenn das Girokonto dafür am Monatsende im Minus ist und man hohe Dispozinsen zahlen muss.

          Studenten sollten zunächst existentielle Risiken absichern, rät Bianca Boss vom Bund der Versicherten, kurz: BdV. „Sie müssen also eine Krankenversicherung und eine private Haftpflichtversicherung haben“, sagt sie. Auch eine Berufsunfähigkeitspolice (BU) ist nach Einschätzung der Expertin sinnvoll. Eine solche Versicherung stockt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente auf, wenn man seinen Job nicht mehr ausüben kann, etwa wegen einer schweren Krankheit. Je jünger und gesünder man eine BU abschließt, desto günstiger sind die Konditionen. „Wenn nach Absicherung der größten Risiken noch Geld übrig ist, kann man sich der Altersvorsorge widmen“, sagt Bianca Boss.

          Viele Menschen – auch Studenten – denken beim Thema Altersvorsorge zuerst an eine Lebensversicherung. Diese gehört zu den beliebtesten Vorsorgeinstrumenten der Deutschen. Ende vergangenen Jahres lagen rund 85 Millionen Lebensversicherungsverträge in den Schubladen deutscher Haushalte, zeigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Produkte leiden allerdings unter den niedrigen Zinsen und werfen immer weniger Rendite ab. Darüber hinaus seien sie reichlich unflexibel und somit für Studenten eher ungeeignet, kritisiert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Im Studium kann man noch nicht gut vorausschauend planen“, sagt er.

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