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Deutsche und amerikanische Unis : Wenn Studenten sich beschweren

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Studenten, die sich an ihrer Universität wohl fühlen, werden zu ihren besten Botschaftern, wenn es darum geht, neue Studenten anzuwerben und Sponsoren davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die Universität zu unterstützen, beispielsweise durch Stipendien. Es ist ganz üblich, dass die gegenwärtigen Studenten und frischgebackenen Absolventen mit prospektiven Studenten und ihren Familien wie auch mit Ehemaligen und Sponsorengruppen sprechen. An den meisten Universitäten führen die gegenwärtigen Studenten die zukünftigen und ihre Eltern über den Campus. An der University of Notre Dame etwa werden ständig mehr als 150 undergraduates dazu ausgebildet, Gruppen von acht bis zehn Besuchern mit dem Campus bekannt zu machen. Und selbstverständlich werden aus den Studierenden von heute die möglichen Sponsoren von morgen.

Lehrpersonal wird auf Herz und Nieren geprüft

Viele Departments fordern einen Stellenbewerber auf, nicht nur einen Vortrag vor dem Lehrkörper zu halten, sondern auch ein Seminar oder eine Unterrichtsstunde für Studenten abzuhalten. Im ersten Jahr meiner Stellensuche tat ich dies an einem kleinen Liberal Arts College, dem Vassar College, an einer privaten Forschungsuniversität, der Washington University, und an einer staatlichen Universität, der Ohio State University. Manchmal interviewen auch die Studenten einen Bewerber um eine Professur. Bereits 1978 - damals war ich noch ein undergraduate - wurde ich gebeten, einen Stellenbewerber zu interviewen und dem Leiter des Departments darüber zu berichten. Wenn die Kandidaten keine Unterrichtsstunde geben, dient die Frage-und-Antwort-Stunde am Ende ihres Vortrags dazu, einen kleinen Einblick in ihre Lehrfähigkeiten zu gewinnen. An vielen Universitäten müssen die Bewerber der Schlussrunde routinemäßig einen Nachweis ihrer Lehrerfahrungen vorlegen, der mindestens ihre pädagogischen Vorstellungen, einen Syllabus oder sogar mehrere (diese sind in den Vereinigten Staaten viel ausführlicher als in Deutschland) und zudem studentische Evaluierungen umfassen soll.

Während meiner Zeit als Dekan habe ich Berufungen mehrfach verschoben, weil die Departments es vor Abgabe ihrer Empfehlung versäumt hatten, sich genau die Lehrfähigkeiten ihres Wunschkandidaten anzuschauen. Sogar an vielen Forschungsuniversitäten erhalten Fakultätsmitglieder, die hervorragende Forscher sein mögen, aber miserable Lehrer sind, keine Festanstellung oder keine Beförderung. Wenn ich als Dekan Stellenbewerber interviewt habe, bin ich immer auf die Punkte Lehre, Forschung und weshalb sie diese Institution gewählt haben zu sprechen gekommen. Mehrere Fragen halfen mir, mir ein Bild davon zu machen, wie sehr das prospektive Fakultätsmitglied die Lehre schätzte. Mit der Zeit suchte ich nach weniger konventionellen Strategien, um die Gespräche interessanter und ertragreicher zu gestalten.

Auf die Frage „Wer war Ihr bester Lehrer?“ reagierten die sehr guten Kandidaten normalerweise sehr lebhaft. Sie erzählten von Lehrern, die nicht nur ihr Denken, sondern auch ihr Leben verändert hatten. Schon die emotionale Reaktion auf die Frage teilte mir viel mit. Ein breites Lächeln und die Bemerkung „Was für eine schöne Frage!“ bildeten für gewöhnlich den Auftakt zu einer sehr angeregten, ausführlichen Antwort. Ich fragte auch sehr gern: „Inwieweit trägt Ihre Forschung zu Ihrer Lehre bei?“ Wir wollten nämlich Wissenschaftler einstellen, deren Themen sowohl undergraduates vor dem ersten Abschluss als auch graduates danach interessieren könnten. Im Klartext heißt das: Themen, die aufgrund ihrer Bedeutung ausgewählt worden sind, und nicht einfach deshalb, weil sie noch brachliegen oder weil sie eng umrissen und darum leicht zu bewältigen sind.

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