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Uni Frankfurt : Linguisten gehen Relativsätzen auf den Grund

Wie Kinder lesen lernen, ist klar. Aber wie lernen sie die Bildung von Relativsätzen? Bild: dpa

Wie lernen Kinder die Bildung von Relativsätzen? Um solche Fragen beantworten zu können, beginnen Frankfurter Wissenschaftler ein mehrjähriges Forschungsprojekt. Sie kooperieren dabei mit der Uni Göttingen.

          Jeder kennt sie, jeder benutzt sie täglich, mündlich oder schriftlich: Relativsätze. Sie gehören so selbstverständlich zum Sprachgebrauch, dass der Laie fragt, was es an Relativsätzen noch zu erforschen gibt. Eine Frage, die Thomas Ede Zimmermann von der Frankfurter Goethe-Universität nicht überrascht. Aber den Professor vom Institut für Linguistik und seine Kollegen beschäftigt noch so manches Problem, das Relativsätze aufwerfen. Damit die Germanisten Antworten auf ihre Fragen finden, unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Projekt, das Zimmermann leitet, für zunächst drei Jahre mit 2,2 Millionen Euro. Zwölf leitende Wissenschaftler (zwei davon in Göttingen), zwölf Doktoranden und Post-Doktoranden (ebenfalls zwei in Göttingen) und zahlreiche Hilfskräfte sind an dem Vorhaben beteiligt, das in acht Einzelprojekte unterteilt ist. Zum Beispiel wird mit Hilfe von Befragungen untersucht, wie Kinder die Bildung von Relativsätzen lernen. „Das ist noch offen“, sagt Zimmermann.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er vermutet, dass sie zunächst die sogenannten restriktiven Relativsätze beherrschen, also solche, die für das Verständnis eines Satzes zentral sind. Beispielsweise dieser: „Das ist der Junge, der mit mir zur Schule gehen will.“ Daneben gibt es aber auch die sogenannten appositiven oder nichtrestriktiven Relativsätze, die eine erläuternde Funktion haben. Etwa dieser: „Der Junge, der übrigens auch aus Frankfurt stammt, will mit mir zur Schule gehen.“ In weiteren Projekten wollen die Wissenschaftler Funktionstypen von nicht-restriktiven Relativsätzen definieren beziehungsweise die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Funktionstypen von Relativsätzen klären. Dazu werden sie beispielsweise mit Hilfe theoretischer und empirischer Methoden untersuchen, wie nichtrestriktive Relativsätze mit den anderen Satzteilen verbunden sind, und dabei unter anderem die Bedeutung einzelner Worte und die Sprachmelodie berücksichtigen.

          Start zum Wintersemester

          In Kooperationen mit Kollegen in Paris und Kanada sollen des Weiteren die Funktion und die Lesart von Relativsätzen in der französischen und englischen Sprache erforscht und mit der deutschen Grammatik verglichen werden. Darüber hinaus sollen auch Relativsätze in solchen Sprachen analysiert werden, die bisher kaum beachtet wurden - zum Beispiel in zwei afrikanischen Sprachen. Zimmermann hebt hervor, dass die Frankfurter Universität ein idealer Standort für diese Art von Grammatikforschung sei, weil alle Gebiete der Grammatik durch „eigene, hervorragend besetzte Lehrstühle“ vertreten seien. „Und Relativsätze spielen in allen Teilbereichen der gegenwärtigen linguistischen Forschung eine wichtige Rolle. Deswegen sind sie Gegenstand des Projekts geworden.“ Dank der finanziellen Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft könnten nun die einzelnen Bereiche der Grammatik besser miteinander in Beziehung gesetzt werden.

          Anfang Januar dieses Jahres hat die Gruppe um Zimmermann den Antrag auf Förderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereicht. Die Idee dazu entstand vor knapp drei Jahren. Bewilligt wurden die Mittel zum 1. September. Zimmermann rechnet damit, dass alle Stellen bis Mitte Oktober besetzt sein werden, so dass mit der Projektarbeit zum Wintersemester begonnen werden kann.

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