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UN-Jugenddelegierte: Tagebuch (3) : Eine Woche Afrika

  • -Aktualisiert am

Was bedeutet der Klimawandel für Westafrika? Falko Mohrs (Mitte) hört Antworten aus erster Hand. Bild:

Was daraus wird, wenn je 15 Jugendliche aus Europa und Afrika auf den Kapverdischen Inseln über Politik diskutieren? Eine Liste gemeinsamer Forderungen an die Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Beispiel.

          „Ich verspreche Ihnen: Kap Verde wird als fünfzehntes Land die African Youth Charter ratifizieren und…“ Der Rest des Satzes ging im Jubel unter, denn somit war klar: Die Rechte für Jugendliche treten auch auf der Inselgruppe vor der afrikanischen Westküste in Kraft. Es war ohne Zweifel der emotionale Höhepunkt des sechstägigen Trainingskurses zur strategischen Partnerschaft von Europa und Afrika, an dem ich in Kap Verde teilnehmen durfte. Der Kurs wurde vom Nord-Süd-Center des Europarats in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Jugendforum und der ‚Pan African Youth Union‘ ausgerichtet‘, ich wurde als einer von 15 Jugendlichen aus Europa ausgewählt, um zusammen mit weiteren 15 Jugendlichen aus Afrika eine Woche lang über die Herausforderungen und Chancen von Jugendlichen im Rahmen dieser Partnerschaft zu arbeiten.

          Wir lernten viel über die Bedingungen, Erfahrungen und bisherigen Entwicklungen. In Rollenspielen, Diskussionen oder in Kleingruppen näherten wir uns den inneren Zusammenhängen des Themas an. Die acht Felder der Partnerschaft sind Frieden und Sicherheit, demokratische Regierungsführung und Menschenrechte, Millenniumsentwicklungsziele, Handel und regionale Integration, Energie, Klimawandel, Migration, Wissenschaft, Informationsgesellschaft und Weltraum. Große Themen also, die auch – und besonders – uns Jugendliche etwas angehen. Zu den Themen, die wir für besonders wichtig hielten, haben wir gemeinsam Projektideen entworfen und ein Abschlussdokument geschrieben, in dem wir die für uns relevanten Forderungen an die Staaten und Regierungen zusammenfassten.

          30 junge Leute, 20 Länder, 2 Kontinente

          Damit wir das Dokument rechtzeitig fertig bekamen und gemeinsam verabschieden konnten, bedurfte es einiger Nachtschichten – aber das war sicher ein gutes Training für die Vollversammlung in New York, an der wir im September teilnehmen werden. Die gemeinsamen Forderungen, die wir am letzten Morgen vorstellten, werden ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit dort sein. Schließlich haben wir nun die Meinungen von Jugendlichen aus mehr als 20 Ländern von zwei Kontinenten zusammengefasst.

          Eine der Episoden, die diese Woche auf den Kapverdischen Inseln zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse in meinem Leben gemacht haben: Im Gespräch mit einem Mädchen von der Elfenbeinküste über die Folgen der globalen Erwärmung in ihrer Heimat wurde mir auf bedrückende Weise klar, dass einige Menschen aus Perspektivlosigkeit und Verzweifelung nicht anders können, als Raubbau an der Natur zu betreiben. Und in unserer Arbeitsgruppe zum Klimawandel haben wir ebenfalls lange darüber gesprochen, wie das Verhalten von uns Bewohnern der nördlichen Halbkugel die Existenz von Menschen der südlichen gefährdet.

          Und während ich in Afrika war, hatte Emily May Büning, die zweite UN-Jugenddelegierte aus Deutschland, gleichzeitig die Chance, eine Jugend-Klimakonferenz in Genf zu besuchen. Dort traf sie Kofi Annan, den früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen – da wurde ein Traum wahr! So haben wir auf dem Weg nach New York beide weitere Eindrücke gesammelt. Jetzt haben wir nicht nur neue Forderungen, sondern auch ein besseres Verständnis globaler Zusammenhänge und viele neue Freundschaften im Gepäck.

          Für fazjob.net schreiben Falko Mohrs und Emily May Büning in loser Folge auf, wie sie sich auf ihre Reise zur Generalversammlung der Vereinten Nationen vorbereiten. Alle Forderungen der Tour werden unter www.jugenddelegierte.de gesammelt.

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