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Studium : Nur Wirtschaft und Jura rechnen sich

Mein Studium, mein Gehalt, meine Häuser Bild: fotolia.com

Auch die Rendite eines Studiums lässt sich berechnen. Frankfurter Wissenschaftler präsentieren überraschende Ergebnisse. Zum Beispiel dieses: Deutsche Akademiker verdienen deutlich weniger als ausländische.

          „Zu viel Wissen macht unzufrieden.“ Das sagte vor langer Zeit Aristoteles. Zu wenig Wissen macht arm, hätte er ergänzen können. Denn ohne gute Ausbildung winken keine lukrativen Jobs. Und die gibt es vor allem mit einem Hochschulabschluss.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Welcher finanziell besonders attraktiv ist, versucht die Wissenschaft schon seit langem zu berechnen. Die aktuellste und detaillierteste Studie für Deutschland stammt von Mark Wahrenburg, Professor der Universität Frankfurt am Main. Die wichtigsten Erkenntnisse: Die Universität rechnet sich mehr als die Fachhochschule. Für Frauen lohnt sich das Studium noch mehr als für Männer. Und Jura und Wirtschaft sind die lukrativsten Fächer.

          Für diese Ergebnisse hat Wahrenburg die Einkommen von 17.000 vollzeitbeschäftigten Akademikern im Alter von 25 bis 55 Jahren analysiert, die er aus den statistischen Erhebungen des Mikrozensus 2004 erhalten hat. Da gab es schon die erste Überraschung: Deutsche Akademiker verdienen deutlich weniger als ausländische. "Das liegt wohl an der staatlichen Finanzierung der Hochschulen in Deutschland", erklärt sich das der Wissenschaftler.

          Rendite, Verzinsung, Risikoaufschlag

          Die Gehälter hat er mit dem Einkommen verrechnet, dass den Hochschülern entgeht, wenn sie die angenommenen sechs Jahre (Fachhochschule 4,5 Jahre) studieren, statt Geld zu verdienen. Die 500 Euro Studiengebühren je Semester, die seit kurzem an den meisten Universitäten erhoben werden, wurden nicht berücksichtigt, weil sie kaum ins Gewicht fallen.

          Aus den höheren Gehältern nach der Hochschule im Vergleich zu einem Abiturienten ohne akademischen Abschluss und dem entgangenen Einkommen während des Studiums errechnet Wahrenburg eine Rendite. Ist sie über sechs Prozent, lohnt sich die Ausbildung. Diese Zahl enthält vier Prozent Verzinsung des entgangenen Gehalts, denn das Geld hätte ja zum aktuellen Zins angelegt werden können. Hinzu kommt ein Risikoaufschlag von zwei Prozent. Denn ein Studium ist nicht risikolos. Wer es abbrechen muss, verliert während des Hochschulzeit Einkommen, ohne nachher mehr Gehalt zu bekommen. Und auch wer länger studieren muss oder eine schlechte Note bekommt, verhagelt sich die Rendite.

          Nach dieser Rechnung und unter der Voraussetzung, dass der Staat das Studium finanziert, gehören Jura und die Wirtschaftswissenschaften an der Universität und der Fachhochschule zu den lukrativsten Fächern - mit zweistelligen Renditen (siehe Tabelle). Hier werden die höchsten Gehälter gezahlt. Die Sozialwissenschaften, die mit in dieser Gruppe geführt werden, erreichen diese Renditen aber nicht. An der Uni ist auch die Medizin ein attraktiver Studiengang.

          Ingenieure gerade über dem Strich

          Die derzeit sehr gefragten Ingenieure hingegen haben an der Universität nur knapp lohnenswerte Renditen erzielt. "Jetzt werden hohe Gehälter gezahlt, vor einigen Jahren waren viele arbeitslos. Im Durchschnitt über das Berufsleben sind die Einkommen nicht stark überdurchschnittlich hoch", begründet das Mark Wahrenburg.

          Schlecht schneiden in seiner Analyse Kunst und Agrarwissenschaften ab. Sie erzielen teilweise sogar negative Renditen, das heißt, Absolventen holen den Einkommensverlust während des Studiums nie wieder auf.

          Müssten die Studenten selber für die Kosten der Ausbildung aufkommen (Tabelle mittlere Spalte), würden auch Ingenieurwissenschaften und bei Männern an der Uni auch Naturwissenschaften finanziell unattraktiv werden. Nur Wirtschaft und Jura und mit Abstrichen Medizin würden sich dann noch wirklich lohnen.

          Überraschende Unterschiede zwischen Mann und Frau

          Ein überraschendes Ergebnis sind die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Studenten. Frauen erzielen in Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Kunst und Männer in Ingenieurwissenschaften deutlich höhere Renditen als das andere Geschlecht. Geschlechterspezifische Talente wirken sich also auch in den Gehältern aus.

          Zudem gilt generell: Für Frauen rechnet sich ein Studium mehr als für Männer. Das liegt nicht etwa an höheren Löhnen nach dem Studium. Hier sind die Männer weiter im Vorteil (siehe Grafik). Sondern daran, dass der Gehaltseinbruch ohne Studium viel stärker ist als bei Männern.

          Die von Wahrenburg ermittelten Ergebnisse dürften in den kommenden Jahren stabil bleiben. "Die Veränderungen in den Gehältern etwa bei Medizinern oder Ingenieuren brauchen sehr lange, bis sie die Durchschnittswerte von 30 Berufsjahren merkbar beeinflussen", sagt Wahrenburg. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) von 2005 gibt ihm recht. Sie kam auf Basis der Einkommensdaten des Mikrozensus 2000 zu den gleichen Bestplazierten wie die neue Studie der Uni Frankfurt mit Daten von 2004: Wirtschaft, Jura, Medizin. Renditen: 12 bis 13 Prozent.

          Und die Konsequenz aus alledem? Nur noch die attraktivsten Fächer studieren? Wahrenburg bremst: "Das Fach muss Spaß machen, denn Freude an der Arbeit ist ein wesentlicher Grund für individuellen Erfolg, der sich auch im Gehalt misst."

          Und schließlich beruhe die Studie auf Durchschnittsgehältern. Wer sich für besonders talentiert hält oder Zusatzqualifikationen besitzt, kann auch in Fächern mit einer mittleren finanziellen Attraktivität punkten.

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