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Studieren mit Kind : Vorlesung mit Frida

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Maria Wappler in der Bibliothek am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität. Mit dabei: Frida, ihre Tochter. Bild: Gilli, Franziska

Erst das Abi, dann die Kinder, dann den Master. Mit Kindern zu studieren, das finden in Deutschland die meisten abwegig. Zwei Paare erklären, wie man es macht.

          Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst du noch? Schläfst du noch?“ Frida schläft nicht mehr. Fröhlich schüttelt sie eine Wasserflasche im Takt ihres Gesangs. „Frida, du singst sehr schön, aber kannst du das auch leiser? Mama und Papa wollen sich unterhalten.“ Yngve Wappler, der Papa, spricht freundlich, aber bestimmt mit seiner Tochter. Frida blickt den 26-Jährigen an und singt nun tatsächlich etwas leiser.

          Es ist Mittagszeit am Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität. Frida sitzt mit ihren Eltern in der Rotunde, die Familie hat sich belegte Brötchen geholt. Maria Wappler schiebt ihre Tochter im Hochstuhl näher an den Tisch heran. Die blonden Haare, die Fridas Gesicht umrahmen, hat sie von ihrer Mutter. „Die Kinderstühle gibt es hier noch nicht sehr lange“, sagt Maria. Auch wenn es jetzt Stühle gibt, so bleibt einiges zu bemängeln aus Sicht der jungen, studentischen Eltern. „Es gibt viel zu wenige Wickelmöglichkeiten“, sagt die 25-Jährige. „Wir müssen Frida oft auf dem blanken Boden wickeln.“

          Das sind allerdings noch die kleineren Sorgen, die Maria und Yngve haben, wenn es um die Organisation ihres Alltags geht: „Natürlich müssen wir immer schauen, wie wir mit dem Geld hinkommen“, sagt Yngve. Maria bekommt den Bafög-Höchstsatz, Yngve wird von seinen Eltern unterstützt. Dazu kamen im ersten Jahr 300 Euro Elterngeld pro Monat, nun sind es 184 Euro Kindergeld. Von Pro Familia gab es zu Fridas Geburt für die Erstausstattung 800 Euro. Große Sprünge können sie damit nicht machen. Beide jobben zwar auch, doch dafür ist die Zeit knapp, denn sie wollen vor allem genug Zeit für Kind und Studium haben, der Zuverdienst ist also gering. Eine Auszeit von der Uni wollen beide aber auch nicht nehmen. „Und selbst wenn ich wollte, ich bekäme dann kein Bafög mehr“, sagt Maria.

          Völlig verrückt? Völlig vernünftig!

          Maria und Yngve studieren Skandinavistik auf Magister. Auf einem Sommerfest ihres Instituts haben sie sich kennengelernt. Als sie 2011 entscheiden, sich den Kinderwunsch, den beide haben, schon früh im Studium zu erfüllen, sind sie ein Jahr zusammen, wohnen noch getrennt, sind nicht verheiratet - das ist nicht gerade das, was manche Menschen unter geordneten Lebensverhältnissen verstehen. Was anderen völlig verrückt erscheint, halten Maria und Yngve für sehr vernünftig. Frida kam im Februar 2012 zur Welt. „Ich wollte nicht irgendwann Mutter sein, sondern jetzt“, sagt Maria. „Und ich wollte kein Vater mit 60-Stunden-Woche sein, der seine Kinder nur am Sonntag sieht“, sagt Yngve. Denn beide waren sich einig: Nie wieder werden wir unsere Zeit so flexibel gestalten können, wie im Studium. „Im Berufsleben ist man doch viel fremdbestimmter“, sagt Maria.

          Das sieht auch Melanie Heller ähnlich. Vor zwei Jahren kam deshalb Luise zur Welt - im zweiten Semester von Melanies Informatik-Studium an der Technischen Universität München. Melanie will noch lange studieren, einen Master machen, auch promovieren. „Ich werde dann nicht mehr, sondern immer weniger Zeit haben“, sagt die 27-Jährige. „Wenn ich ins Arbeitsleben eintrete, wird Luise aus dem Gröbsten raus sein.“ Melanies Mann Thomas ist Schreiner, während seiner Elternzeit hat der heute 30-Jährige seinen Meister gemacht, und Melanie legte ein Urlaubssemester ein. Beide waren schon einige Jahre zusammen, bevor sie sich bewusst für ein Kind entschieden. „Der Zeitpunkt war richtig“, sagt Melanie. Fünf Wochen nach Luises Geburt heiraten sie. Heute steht Melanie kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss. Ein zweites Kind zu bekommen, das kann sie sich bald, noch vor Beginn ihres Master-Studiums, vorstellen.

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