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Studieren im Ausland (5) : Kapstadt - Ablenkung inklusive

Ein Berg von Arbeit: An der University of Cape Town werden vor malerischer Kulisse Höchstleistungen verlangt. Bild: akg-images / africanpictures

Surfen, Wein verkosten - und studieren? Südafrika lockt mit renommierten Hochschulen und niedrigen Preisen. Doch auch die Freizeit-Angebote sind umwerfend. Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

          Weiße Sandstrände, das imposante Massiv des Tafelbergs, Weinberge wie aus dem Bilderbuch: Nachdem Nicolas Brennecke Urlaubsfotos aus Kapstadt gesehen hatte, stand für ihn fest: Dort will ich hin. „Wann hat man sonst die Chance, das Leben an der Südspitze Afrikas kennenzulernen, wenn nicht im Studium“, sagt der deutsche Jurastudent. Auch Leonie Ederli-Fickinger haben die landschaftlichen Reize Südafrikas sofort in den Bann gezogen, zumal der Kontinent einer der wenigen Flecken auf der Welt war, die sie noch nicht bereist hatte. Gesagt, getan: Nicolas Brennecke macht gerade seinen Master an der University of Cape Town (UCT), Leonie Ederli-Fickinger studiert 50 Kilometer entfernt, im Weinstädtchen Stellenbosch. Für beide haben sich die Erwartungen erfüllt. Sie haben das Land im Alltag aber auch jenseits der Klischees und hübschen Fotos kennengelernt. „Südafrika ist ein wunderschönes, aber sehr komplexes Land mit vielen Herausforderungen“, sagt die Berlinerin. „Als Tourist hätte ich das nie so wahrgenommen.“

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Seit dem Ende des Apartheid-Regimes zieht es immer mehr Studenten hierher. Nach einer Studie der International Education Association of South Africa hat sich die Zahl ausländischer Studenten von 1994 bis 2012 auf 73 000 versechsfacht. Die meisten kommen aus anderen afrikanischen Ländern. Unter Nichtafrikanern stellen Deutsche, Briten und Amerikaner die größten Gruppen. „Es ist fast Normalität geworden, ein Jahr in Südafrika zu verbringen“, sagt Philina Wittke, die für das dortige Büro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zuständig ist. Mittlerweile gibt es mehr als 200 Kooperationen zwischen deutschen und südafrikanischen Hochschulen. Das ist ein Pluspunkt für Studenten: Sie können sich Leistungen leichter anrechnen lassen, verlieren wenig Zeit und sparen sich die horrenden Studiengebühren, wie sie in angelsächsischen Ländern üblich sind.

          Südafrika ist der stärkste Magnet für an Afrika Interessierte Studenten. Nicht nur ist es das am weitesten entwickelte Land auf dem Kontinent, sondern auch das einzige mit mehreren international renommierten Lehr- und Forschungsstätten. In Südafrika wiederum zieht es die meisten Studenten in das auch bei Touristen beliebte Westkap, wo sie die Wahl zwischen vier Universitäten haben: UCT, University of Stellenbosch, University of the Western Cape und Cape Peninsula University of Technology. Gemäß dem britischen Fachverlag QS, der regelmäßig die besten Hochschulen der Welt ermittelt, hat UCT die nationale Spitzenposition inne, dahinter folgen Witwatersrand in Johannesburg und Stellenbosch. Im globalen Vergleich gehören die drei zu den 400 besten Hochschulen der Welt, UCT liegt auf Rang 141.

          Studieren im Ausland
          Korrespondenten der F.A.Z. beleuchten die Hochschulszene in vielen aufregenden Studentenstädten.


          Eine Vorliebe für bestimmte Studienfächer ist unter den deutschen Studenten nicht auszumachen. Viele schreiben sich für Ingenieurwissenschaften, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaften, Medizin oder Jura ein. Der Bau des modernsten Radioteleskops der Welt in der Halbwüste Karoo lockt neuerdings auch Astronomie- und Physikstudenten. Fächerübergreifend gelte der hohe Praxisbezug des Studiums als Vorteil, heißt es beim DAAD. Mediziner etwa können viel früher mit Patienten arbeiten als in Deutschland. Wer sich mit Entwicklungsökonomie befasst, erlebt die Relevanz des Fachs täglich hautnah.

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