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Studieren im Ausland (2) : Paris - so günstig und doch so teuer

Die Sorbonne gilt als Symbol der Pariser Hochschullandschaft - und als Revier sehr renommierter, aber auch anspruchsvoller Professoren. Bild: Frank Röth

Eine widersprüchliche Weltstadt: Die oft niedrigen Gebühren machen ein Studium in Paris attraktiv. Aber was ist mit den Lebenshaltungskosten? Und wie steht es mit dem Terrorrisko?

          Die einen marschieren am 14. Juli in Uniform und mit Säbel die Champs-Elysées herunter, die anderen demonstrieren gegen mangelhafte Ausstattung, gestrichene Kurse oder niedrige Gehälter der Universitäts-Angestellten: Student sein in Paris - das kann so unterschiedlich sein wie Baguette und Schwarzbrot. Am einen Ende der Skala findet man die Studenten der traditionsreichen, extrem selektiven und dem Verteidigungsministerium unterstellten École Polytechnique, die einen Spitzenjob so gut wie sicher haben. Einen ganz anderen Charakter hat auf der anderen Seite etwa die Universität Paris 8, die in der sozialen Brennpunktvorstadt SaintDenis liegt und als politisch links stehend gilt. Ihre Professoren protestierten im vergangenen Jahr öffentlich dagegen, dass häufig Computer und DVD-Geräte gestohlen werden, Steckdosen keinen Strom haben, Lichtschalter kaputt sind und Leinwände mutwillig zerstört werden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Und dennoch: Paris gilt als eine der beliebtesten Studentenstädte der Welt. Die britische Beratungsgesellschaft Quacquarelli Symonds (QS) bewertet die Seine-Metropole in einem Ranking von 75 Großstädten als „beste Studentenstadt der Welt“ - und das seit vier Jahren nacheinander. In die Untersuchung fließt ein Bündel von Kriterien ein, etwa die Zahl der Universitäten (im Fall von Paris 18), Höhe der Studiengebühren, Sicherheit der Stadt, Anteil ausländischer Studenten, Akzeptanz von Ausländern, Jobaussichten, Kulturangebote, Umweltverschmutzung, Korruption, Lebenskosten. QS findet, dass die hohen Lebenskosten in Paris durch die meist niedrigen Studiengebühren ausgeglichen würden - und schwärmt von den „Eliteuniversitäten und Spezialschulen, die wie ENS, École Polytechnique, ParisTech, Sciences Po, Université Paris-Sorbonne (Paris IV) und HEC einige der wichtigsten Philosophen, Theoretiker, Naturwissenschaftler, Politiker, Wirtschaftsführer und Mathematiker der vergangenen 100 Jahre hervorgebracht haben, zusammen mit bahnbrechenden Strömungen in Literatur, Film und Kunst“. Auch heute seien Abgänger der Pariser Universitäten bei Arbeitgebern begehrt, heißt es.

          Studieren im Ausland
          Korrespondenten der F.A.Z. beleuchten die Hochschulszene in vielen aufregenden Studentenstädten.


          Hohe Wohnkosten, schlechte Umweltqualität

          Andererseits: Ein im vergangenen September veröffentlichtes Ranking der Zeitschrift „L’Étudiant“ kam zu dem Schluss, dass es sich in Frankreich am besten in Toulouse studieren ließe, gefolgt von Grenoble, Montpellier, Bordeaux und Rennes. Paris taucht auf Rang 13 auf. Die Metropole schneidet besonders schlecht ab wegen der hohen Wohnkosten, der Qualität der Umwelt, des Transportwesens, der Möglichkeiten des Sporttreibens und der abendlichen Vergnügungen - Letzteres nicht wegen fehlender Auswahl, sondern wegen der hohen Preise dafür.

          All diese Vergleiche hängen von der Gewichtung ihrer Einzelkriterien ab, die so subjektiv sind wie der Blick jedes Studenten auf eine beliebige Stadt. Wer viel Wert auf Forschung legt, beachtet häufig den international bekannten Vergleich der Universität Schanghai Jiao Tong, in dem meistens amerikanische Universitäten die Spitzenplätze belegen, etwa weil sie viel auf Englisch publizieren. Beste Pariser Einrichtung war dabei 2015 auf Rang 36 die Universität Pierre et Marie Curie, vor Paris-Sud (Rang 41) und Normale Sup (72).

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