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Studienwahl : Nur Medizin und Jura lohnen sich immer

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Ein Studium der Zahnmedizin zahlt sich aus – für Männer und Frauen. Bild: dpa

Welcher Abschluss rentiert sich, welchen kann man sich – zumindest in finanzieller Hinsicht – schenken? Eine Studie des DIW zeigt: Für Männer sind andere Fächer attraktiv als für Frauen.

          Hochschulabsolventen verdienen besser als Arbeitnehmer, die „nur“ eine Ausbildung haben. Das ist allgemein bekannt, aber nicht in jedem Fall richtig. Zwei Wissenschaftlerinnen am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) fanden heraus: Es gibt Studienabschlüsse, die sich in finanzieller Hinsicht nicht lohnen.

          Welche das sind, hängt auch vom Geschlecht ab: So verdienen Männer, die eine betriebswirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen haben, also zum Beispiel zum Bürokaufmann ausgebildet worden sind, mit 11,36 Euro pro Stunde im Durchschnitt mehr als ein studierter Sozialarbeiter, der nur 8,90 Euro pro Stunde bekommt.

          Bei den Frauen ist es eine Ausbildung im Bereich Marketing und Werbung, die auf lange Sicht im Durchschnitt ein höheres Gehalt einbringt als so mancher Studiengang. Während Frauen mit einer Berufsausbildung in dieser Branche im Durchschnitt 9,54 Euro verdienen, bekommt eine studierte Informatikerin im Durchschnitt nur 9,32 Euro. Eine studierte Maschinenbauerin sogar nur 9,22 Euro.

          Die Studie des DIW zeigt aber auch, dass sich innerhalb der einzelnen Fachbereiche ein Studium immer lohnt. Die studierte Betriebswirtschaftlerin verdient stets mehr als die ausgebildete Bürokauffrau und der studierte Sozialarbeiter stets mehr als der, der „nur“ eine Ausbildung hat.

          Lohnunterschiede erklären einseitige Nachfrage

          Bei Frauen sind es also die technischen und naturwissenschaftlichen Studiengänge, die sich finanziell im Vergleich zu manch einer Ausbildung nicht rentieren, während sich für Männer in dieser Hinsicht vor allem das Studium der Sozialarbeit nicht lohnt. Das könnte ein Problem erklären, für das die Politik seit Jahren eine Lösung sucht: Männer wählen selten soziale Berufe, Frauen selten naturwissenschaftliche.

          „Angesichts der Lohnunterschiede nach Geschlecht überrascht es kaum, dass der Anteil an Männern in der Sozialarbeit gering ist, während Frauen noch immer schwach in den Ingenieurwissenschaften vertreten sind“, deuten die beiden Autorinnen der DIW-Studie ihre Ergebnisse.

          Die Erhebungen des Statistischen Bundesamts zeigen: Im Jahr 2009 begannen 11 334 Frauen ein Studium der Sozialen Arbeit, während es nur 3 151 Männer waren. Im gleichen Jahr schrieben sich 41 122 männliche Studienanfänger für Maschinenbau ein. Dem gegenüber stehen lediglich 4 546 Frauen.

          Welche Fächer lohnen sich am meisten?

          Ein weiterer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich in der Rangfolge der Ausbildungsgänge, die auf lange Sicht die höchsten Nettostundenlöhne einbringen. Während sich bei Frauen in den Top Fünf das Lehramtsstudium (11,51 Euro/Stunde) und das Studium der Verwaltungswissenschaften (10,80 Euro/Stunde) wiederfinden, sind es bei Männern die Studiengänge BWL (16,58 Euro/Stunde) und Wirtschaftsingenieurwesen (15 Euro/Stunde), die ihnen einen besonders hohen Nettostundenlohn versprechen.

          Die Studiengänge, die sich finanziell am meisten lohnen, sind aber für Männer wie für Frauen die gleichen: Zahn- und Humanmedizin. Sie stehen bei beiden Geschlechtern auf Platz eins und zwei der Nettostundenlöhne. Ein studierter Zahnmediziner verdient 19,33 Euro pro Stunde, eine Zahnmedizinerin 15,50 Euro. Ein entsprechender Abschluss in Medizin bringt Männern 17,77 Euro pro Stunde, Frauen 13,36 Euro. Auch ein Jurastudium rentiert sich für beide Geschlechter besonders stark (Männer: 15,86 Euro/Stunde, Frauen: 12,55 Euro/Stunde).

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