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Studie : Was die Unternehmen von Bachelors halten

Was denken die Unternehmen über die Absolventen der Bachelor-Studiengänge? Eine neue Studie gibt Aufschluss Bild: dpa

Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung belegt, dass die Werte der Bologna-Reform bei den Firmen nicht sehr hoch im Kurs stehen. Viele Unternehmen zweifeln an den analytischen Fähigkeiten der Absolventen der neuen Studiengänge.

          Wie die neuen Studienabschlüsse (Bachelor, Master) an deutschen Hochschulen vom Arbeitsmarkt beurteilt werden, ist eine ebenso vieldiskutierte wie selten informativ beantwortete Frage. Den einen genügt der Befund, dass Bachelors eingestellt werden, um daraus auf die Qualität ihres Studiums zu schließen. Den anderen genügt ein Stirnrunzeln bei Unternehmern, um es an die Hochschulen weiterzugeben. Wiederum andere finden, die Hochschule bilde gar nicht „für den Arbeitsmarkt“ aus, sondern betreibe die Einheit von Forschung und Lehre indifferent gegen Folgen für die Karrieren der Beschulten - weil die Wissenschaft ja sowieso nichts anderes leisten könne, schon gar keine „Praxisnähe“.

          Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung hat dazu jetzt eine Umfrage bei mehr als 630 Unternehmen der verschiedensten Größenordnung durchgeführt. Zwei Drittel davon rekrutieren Akademiker für ihre Belegschaft, bei knapp der Hälfte hatten weniger als zehn Prozent der Mitarbeiter einen Hochschulabschluss, bei einem knappen Drittel waren es mehr als zwanzig Prozent. Die meisten der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten - 83 Prozent -, kamen aus dem Westen Deutschlands. 45 Prozent der befragten Firmen haben in den vergangenen drei Jahren nur Absolventen der „alten“ Studiengänge eingestellt, 43 Prozent sowohl Bachelor und Master als auch Diplomierte. Vor allem bei den Ingenieuren wird nach wie vor und sehr deutlich dem Diplom der Vorzug gegeben.

          Viele Firmen behandeln die Bachelors wie Fachhochschulabsolventen

          Bei den Unternehmen allerdings, die Bachelor-Absolventen eingestellt haben, kommen sie zu einem Drittel auf Einstiegspositionen, die denen von Mastern und Diplomierten entsprechen; knapp die Hälfte der Firmen behandelt die Bachelors wie Fachhochschulabsolventen. Knapp zwanzig Prozent der Befragten sah sich außerstande, einen solchen Vergleich zu ziehen. Oft sind für solche Einstufungen auch mehr die studierten Fächer als der Titel des Abschlusses ausschlaggebend. Ein Drittel der befragten Unternehmen bezahlt die Bachelors genau so wie andere Absolventen, ein Viertel schlechter, vierzig Prozent machen dazu gar keine Angabe. Der Vergütungsabstand zwischen Bachelor einerseits und Master bzw. Diplom andererseits beträgt im Durchschnitt etwa zwanzig Prozent.

          Während fast jedes Unternehmen die neuen Abschlüsse kennt, sieht sich knapp die Hälfte nicht ausreichend über die Studienreform informiert. Diese Feststellung der Intransparenz, die vor allem die Qualität der Zertifikate betrifft, aber auch die Lehrpläne, zieht sich durch alle Unternehmensgrößen und Branchen. Was das Urteil über die Einführung der neuen Studienabschlüsse angeht, so reicht es von weitgehender Zustimmung bis zu völliger Ablehnung. Die Ablehnung schwächt sich bei Erfahrungen mit Absolventen etwas ab, ohne dass aber selbst dann mehr als mittlere Zustimmungswerte herauskommen. Den alten Studiengängen wird etwas mehr Praxisnähe zugesprochen, der Bedarf an Weiterbildung wird für die Bachelor/Master-Absolventen höher eingeschätzt als für die Absolventen von Diplom- und Magisterstudiengängen.

          Mit Blick auf die analytischen Fähigkeiten schneiden die Abschlüsse schlecht ab

          Dabei geht dieser Bedarf nicht auf die kürzeren Studienzeiten zurück, sondern zeigt sich auch bei den Mastern. Selbst bei der Frage, ob der Master-Abschluss den alten Diplomen gleichgesetzt werde, kommt es nur zu mittlerer Zustimmung. Vor allem was die Kenntnisse, die analytischen Fähigkeiten und das eigenständige Arbeiten angeht, schneiden die neuen Abschlüsse schlechter ab. Keine Differenzen werden beim Sprachvermögen und der Kommunikationsfähigkeit mitgeteilt. Firmen der Dienstleistungsbranche sind mit Hochschulabsolventen dabei insgesamt etwas zufriedener als das Verarbeitende Gewerbe und die Energiewirtschaft.

          Nach den Gesichtspunkten ihrer Personalauswahl gefragt, geben die Unternehmen an, dass ihnen das Sozialverhalten, das Fachwissen und die Abschlussnote sowie Berufspraktika wichtig sind. Keine große Rolle spielen Auslandsaufenthalte, ein forschungsorientiertes Studium, die Kürze der Studienzeit und ein geringes Alter der Bewerber. Die von den Bologna-Reformern hochgehaltenen Werte „Internationalität“ und Alter sind also nachrangig. Man könnte darum auch sagen, dass die Studiendauer mehr ein volkswirtschaftlicher als ein betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkt ist.

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