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Umfrage : Karriere für Studenten kein Thema

  • -Aktualisiert am

Mark Zuckerberg als Student in Cambridge, anno 2004 Bild: picture alliance / Photoshot

Was wollen Studenten? Geld und beruflichen Erfolg zumindest weniger als einen guten Draht zur Familie. Wen wundert es da: Ihre größten Vorbilder sind Papa und „Mutti“ Angela Merkel.

          Angela Merkel ist für deutsche Studenten das größte prominente Vorbild. Vier Prozent von 4300 Hochschülern, also immerhin gut 170 Studenten und Studentinnen, gaben dies in einer Umfrage an, die das Beratungsunternehmen EY jährlich zur Erforschung der Studierendenschaft anstellt. Welche Eigenschaften und Aspekte der Persönlichkeit oder Äußerlichkeit Merkels die Studierenden besonders ansprechen und zur Nachahmung inspirieren, ging aus der Online-Umfrage nicht hervor. Ein Anteil von je einem Prozent der Befragten nannte die Spekulanten oder Unternehmer Warren Buffett, Mark Zuckerberg und Steve Jobs als Vorbild. Auch der Dalai Lama und Joachim Gauck fanden gewisse Beachtung.

          Weit wichtiger jedoch sind Vorbilder aus der Familie, allen voran Papa (für zwölf Prozent der Befragten), dicht gefolgt von Mama (zehn Prozent). Mama und Angela Merkel sind den deutschen Studenten zusammengerechnet also so wichtig wie ihr Papa. Abgeschlagen rangierten hier Großvater, Schwester (je zwei Prozent) und der Chef, der auf bloß ein Prozent der Nennungen kam, was allerdings daran liegen könnte, dass Studenten gar keinen Chef haben.

          Deutsche Studenten, so ergab die Befragung außerdem, sind als Unruhestifter und Querulanten nicht mehr sehr talentiert. Sie sind familienbezogen, mit ihrer Lebenslage und ihrem Tun rundum zufrieden. Privat legten die befragten Studenten, von denen die meisten Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften studierten, in diesem Jahr besonders großen Wert auf die Familie (73 Prozent) und einen hohen Lebensstandard (22 Prozent). Politisch-gesellschaftlich wurden Menschenrechte (86 Prozent), Umweltschutz (79 Prozent) und die Wirtschaftsentwicklung (78 Prozent) als besonders wichtig erachtet. Angeblich studierten 92 Prozent ihr Fach aus persönlichem Interesse.

          Nach vier Jahren wird spätestens wieder gekündigt

          Dennoch sind die meisten nicht für das Fach eingeschrieben, das sie am meisten interessiert. Denn in der Rangfolge der Interessen rangierten Literatur- und Kulturwissenschaften weit oben, obwohl nur eine Minderheit der Befragten diese Fächer studierte. Geld scheint den Studierenden recht unwichtig zu sein. Die Verdienstaussichten spielten in ihrer Selbstwahrnehmung eine untergeordnete Rolle. Trotzdem gibt es eine präzise Erwartungshaltung, wie hoch das Einstiegsgehalt sein dürfte: im Durchschnitt 35100 Euro.

          Ein gutes Einkommen scheinen die Studenten ohnehin für selbstverständlich zu halten, zumindest schätzen sie ihre Chance, nach dem Examen schnell einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden, zu 83 Prozent als gut ein. Lange Beschäftigungsdauern sind nicht mehr sehr angesagt. Die meisten wollen ihrem ersten Arbeitgeber – ganz anders, als Angela Merkel oder der Dalai Lama es vorleben – nach spätestens vier Jahren wieder kündigen. Je jünger sie waren, desto optimistischer gaben sich die Befragten. Insbesondere unter Medizinern erreichten die Optimismuswerte eine Größenordnung wie Zustimmungsraten von Diktatoren. 97 Prozent sahen hervorragende Chancen.

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