https://www.faz.net/-gyl-vcap

Studentenreisen : Suche Schlafcouch in San Francisco

  • -Aktualisiert am

Couch-Surfing: Übernachten bei netten Leuten für wenig Geld Bild: Fotolia

Reisen bildet und kostet Geld - was im Studium oft knapp ist. Zum Glück gibt es Gastfreundschaftsnetzwerke im Internet. Das Prinzip: Es soll kein Geld fließen. Eine attraktive Very-Low-Budget-Variante für Studenten, um die Welt kennenzulernen.

          Ich hatte mal einen Gast aus China, der wollte unbedingt keine kalten Getränke trinken und musste sein Bett in Richtung der Sonne stehen haben", sagt Jennifer Doré Dallas aus Laval im kanadischen Québec. "Das war schon ein bisschen anders." Auf ihren eigenen Reisen durch Europa hat Dallas bei etwa zwölf verschiedenen Leuten gewohnt und zehn weitere auf einen Kaffee oder zu gemeinsamen Ausflügen getroffen. "In Dublin habe ich eine Frau kennengelernt, die mir ihr Haus in Frankreich für zwei Wochen zur Verfügung gestellt hat."

          Die 24-jährige Germanistin, die demnächst ein Masterstudium in Deutschland beginnen wird, ist Mitglied des in Deutschland gegründeten Hospitality Clubs. "Allein in Kanada habe ich darüber 30 neue Kontakte geknüpft."

          Überall auf der Welt eine Couch zum Schlafen haben und überall auf Menschen treffen, die einem ihre Stadt und ihr Land zeigen: Das ist der Gedanke hinter den sogenannten Gastgeber-Netzwerken im Internet, die weltweit immer beliebter werden. Der im Jahr 2000 von zwei deutschen Brüdern gegründete Hospitality Club zählt derzeit mehr als 300000 Mitglieder in 207 Ländern. In Deutschland allein sind 53000 Personen registriert.

          Besucher aus aller Welt

          Als Vorbild und Inspirationsquelle für den Hospitality Club dient die 1949 von dem amerikanischen Studenten Bob Luitweiler gegründete Friedensinitiative Servas, die bis heute ein weltweites aktives Mitglieder-Netzwerk hat. "Letzten Sommer hatten wir fast jede Woche Besuch", sagt Nadja Burckhardt, die in Berlin-Friedrichshain in einer Dreier-WG wohnt. Da wurde kurzerhand ein Gästebuch angelegt. "Damit wir nicht durcheinanderkamen, haben wir aufgeschrieben, wer wann kommt." Jeder Gast wurde zudem aufgefordert, einen kleinen Gruß darin zu hinterlassen.

          Burckhardt ist eine Couchsurferin. Das heißt: Sie ist Mitglied des 2003 von einem amerikanischen Studenten gestarteten Online-Portals Couchsurfing, das im Juni dieses Jahres mehr als 200 000 Mitglieder in 219 Ländern und mehr als 170 000 Schlafplätze verzeichnete. "Es ist schön, Besuch aus aller Welt zu bekommen. Das ist fast wie Verreisen", sagt die 26 Jahre alte Soziologie-Studentin. "Man schaut noch mal ganz anders auf die eigene Stadt. Ich habe außerdem endlich die ganzen Touri-Highlights gesehen. Das macht man ja eher nicht, wenn man irgendwo wohnt. Aber mit unseren Gästen sind wir gut rumgekommen."

          In diesem Jahr will Burckhardt die andere Seite kennenlernen: Sechs Wochen lang wird sie mit einer Freundin durch die Vereinigten Staaten reisen. "Unsere erste Anlaufstelle ist Boston. Wir werden bei Couchsurfern wohnen, die letztes Jahr hier in Berlin waren." Alles Weitere wird vor Ort spontan entschieden. "Allein fühlen wir uns jedenfalls nicht. Vor allem in den größeren Städten werden wir bestimmt immer jemanden finden, der entweder eine Couch oder irgendwelche guten Tipps für uns hat." Etwas Besseres kann einem auf Reisen kaum passieren.

          70 isländische Betten in 24 Stunden

          Das dachte auch Casey Fenton, als er vor knapp fünf Jahren völlig mittellos in Island landete. Budget Airlines sei Dank hatte der heute 29 Jahre alte Amerikaner den Flug damals zu einem unschlagbar günstigen Preis bekommen. Blieb nur die Frage: wo übernachten? Der im Internet ebenso wie in der realen Welt bewanderte Fenton fand das E-Mail-Verzeichnis der Studierenden der Universität Island und kontaktierte Unzählige spontan mit einem persönlichen Anschreiben. Innerhalb von 24 Stunden wurden ihm etwa 70 Betten angeboten. Aus der Not wurde ein Netzwerk: Couchsurfing.

          Gastfreundschaft ist da, man muss sie nur finden. Die Suche ist mittlerweile ein wesentlich Leichteres geworden, dank der bestehenden Gastgeber-Netzwerke wie Hospitality Club oder Couchsurfing. Knapp 180000 freie Couchplätze verzeichnet Fentons Online-Portal heute. Seit der Gründung von Couchsurfing haben rund 70000 Menschen auf diese Weise eine freie Unterkunft in einer fremden Stadt oder einem fremden Land gefunden. Hinzu kommen etliche Bekanntschaften, die so entstanden sind, und 9000 enge Freundschaften.

          Schlafen und schlafen lassen

          Weitere Themen

          Den Berlinern reicht’s

          Zu viele Touristen : Den Berlinern reicht’s

          Manche Touristen übernachten für 8,50 Euro, trinken Bier vor dem Spätkauf und geben auch sonst kaum Geld aus. Viele reden von „Overtourism“. Und Berlin ist nicht die einzige europäische Metropole, die unter dem Andrang ächzt.

          Topmeldungen

          Gummibärchen von Haribo

          Probleme bei Haribo : Goldbärchen werden knapp

          In vielen Supermärkten werden die Gummibärchen wegen Lieferproblemen bei Haribo knapp. Das Unternehmen hat noch mehr Sorgen: Die Menschen in Deutschland haben weniger Lust auf die Fruchtgummis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.