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Gemeinwohl-Atlas : BVB, Bayern, „Bild“-Zeitung

Volkswagen vor und nach dem Abgasskandal: Die Menschen schätzen den Beitrag des Unternehmens zum Gemeinwohl nun gänzlich anders ein. Bild: dpa

Leipziger Forscher und Studenten haben sich um eine spannende Frage gekümmert: Wer oder was dient eigentlich dem Gemeinwohl? Und wie ändert sich das, wenn ein Unternehmen oder eine Organisation von einem Skandal erschüttert wird?

          Was Volkswagen mal war, bevor der Abgasskandal an Image, Bilanz und Personaltableau zu nagen begann, lässt sich am „Gemeinwohl-Atlas“ ablesen, einer Arbeit der Business School Leipzig, abgekürzt HHL. Es war die erste Untersuchung dieser Art in Deutschland, und ihr Kern war die Frage, welche Unternehmen oder Institutionen für die Gesellschaft wichtig sind. 7000 Personen wurden befragt, 127 Kandidaten standen zur Wahl, und am Ende war Volkswagen die Nummer eins unter allen Unternehmen, die zur Wahl standen. Platz 22, einen Rang hinter Brot für die Welt, das war die gute alte Zeit. Aber weil sich die Ereignisse in Wolfsburg überschlugen, setzten die Leipziger um Studienleiter Timo Meynhardt eine Nachuntersuchung an. Danach stand VW nur noch auf Platz 62 von 89 Unternehmen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie sehr Skandale das Image ramponieren, dürfen auch andere renommierte Adressen durch die Studie der HHL erfahren. Diese schaute in vier Kategorien - Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt, Lebensqualität, Moral - genauer hin und fand heraus, dass eine gewisse Skepsis stark verbreitet ist. So seien 85 Prozent der Befragten besorgt, dass dem Gemeinwohl in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Gleichzeitig sei mehrheitsfähig, dass auch Wirtschaftsunternehmen einen wichtigen Gemeinwohlbeitrag leisten. Oder eben auch nicht, weshalb einige von den Befragten regelrecht abgestraft wurden. Auf Platz 126 landete die ebenfalls skandalgeplagte Deutsche Bank, noch dahinter, als Letzter des kompletten Rankings, die „Bild“-Zeitung.

          Am anderen Ende, auf den Plätzen 1 bis 3: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Weißer Ring. Aber die stehen eben auch nicht für „polarisierenden Boulevardjournalismus“, wie es über den Tabellenletzten hieß. Defizite in den „Anstandsdimensionen“ plagen aber auch andere, weshalb zum Beispiel der FC Bayern München unter den Fußballklubs deutlich hinter Borussia Dortmund rangiert. Der an der Börse notierte BVB kommt sogar unter die besten 10 bei den Unternehmen, auf Gesamtplatz 38 liegt er vier Ränge vor der Bundesregierung - und elf vor den Bayern. Dabei leisteten die im Kerngeschäft unbestritten die beste Arbeit.

          Abgestraft, aber nicht fallengelassen

          In dieser Kategorie liefere die Studie auch für viele andere positive Nachrichten, sagt Timo Meynhardt. „Die meisten Organisationen erzielen im Bereich Aufgabenerfüllung die höchsten Werte.“ Damit werde deutlich, „dass Gemeinwohl eben nicht auf Moral, Lebensqualität und Zusammenhalt beschränkt ist, sondern in den Augen der Bevölkerung wesentlich durch den Unternehmenszweck im engeren Sinne bestimmt wird“. Das Gute daran: „Das Entscheidende ist die gesellschaftliche Akzeptanz des Kerngeschäfts.“

          Natürlich spielten Skandale eine große Rolle, und der Deutsche Fußball-Bund (Platz 49) hatte wohl Glück, dass die Befragung erst nach den Eruptionen um die vermeintlich gekaufte WM 2006 erfolgte. Andererseits gebe es auch in der Düsternis noch Licht. Beispiel Volkswagen: „Die Bevölkerung sieht VW heute kritischer als vor dem Skandal“, sagt Meynhardt. „Ja, VW wird abgestraft, aber nicht fallengelassen. 67 von 100 Befragten finden, VW ist und bleibt ein deutsches Vorzeigeunternehmen. Und neun von zehn Befragten meinen, dass Deutschland ohne VW etwas fehlen würde.“

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