https://www.faz.net/-gyl-8zjas

Hochschulen : Hauptsache international

  • -Aktualisiert am

Gesichter des Wandels: Auch an der Fachhochschule Frankfurt wird die Studentenschaft immer internationaler. Bild: Wolfgang Eilmes

Ob Kooperationen, Professoren oder Studienfächer: Viele Hochschulen wollen weltoffener werden. Nur: Was haben die Studenten davon?

          Deutsche Universitäten stellen gerne ihre Internationalität heraus: Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster? Hat alles in allem 827 wissenschaftliche Kooperationen. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn? Nennt nicht ohne Stolz mehr als 300 europäische Partneruniversitäten. Die Humboldt-Universität in Berlin? Hat 14 Prozent Fachkräfte aus dem Ausland. Es sind drei von unzähligen Beispielen. Denn Internationalität ist gefragt. Hochschulen wollen Wissenschaftler, Dozenten, Forschungsprojekte und Studenten aus aller Welt. Es wirkt so, als könnten sie gar nicht international genug sein. Und immer wieder ist zu hören, dass im Vergleich zwischen einzelnen Unis – ob national oder international – der Grad der Internationalisierung den Ausschlag gebe. Aber was haben deutsche Studenten davon? Wo diese doch vermeintlich selbst alle zum Studieren ins Ausland gehen. Wozu also die Welt nach Hause holen?

          Kai Sicks, Leiter des internationalen Dezernats an der Universität Bonn, hält dagegen. „Je internationaler eine Uni vernetzt ist“, sagt er, „desto mehr Chancen ergeben sich daraus für die Studenten.“ Universitäten, die international gut vernetzt sind, können zum Beispiel komplett englischsprachige Studienprogramme anbieten. Das bedeutet an manchen Universitäten nicht nur englischsprachigen Unterricht: Studenten können oftmals auch gleich an zwei Hochschulen einen Abschluss machen: den Doppelabschluss, in internationaler Hochschul-Sprache „Double Degree“ oder „Joint Degree“ genannt. Dann ist das Studium im Ausland nicht nur ein freiwilliger Zusatz wie ein Austausch, den der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) anbietet, oder wie ein Semester im Erasmus-Programm. Es ist vielmehr ein wesentlicher Teil der Ausbildung.

          Eine Studie des Institute of International Education und der Freien Universität Berlin zeigt, dass die meisten Universitäten Doppelabschlüsse im Masterbereich anbieten – und dort besonders häufig in Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Man kann aber auch Renaissance-Studien in Bonn und Florenz studieren oder Deutsch-Spanische Studien in Bonn und Salamanca. Der Großteil der Partnerhochschulen ist in Frankreich, China, Deutschland, Spanien und den Vereinigten Staaten ausgesiedelt. „Die Studenten eignen sich neben Sprachkenntnissen auch interkulturelle Erfahrung und Flexibilität an“, sagt Kai Sicks von der Universität Bonn. „Sie lernen nicht nur das Partnerland kennen, sondern auch dessen Wissenschaft und Denkweise.“ Studenten bekommen auf diesem Weg die Gelegenheit, sich in der Geschäftskultur zweier Länder schon vor dem Eintritt ins Berufsleben zurechtzufinden.

          Interkulturell und sprachlich sehr gut ausgebildete Mitarbeiter sind gefragt

          Das ist ein erheblicher Vorteil bei der späteren Suche nach einem Arbeitsplatz. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln und DAAD suchen gerade Unternehmen ab 250 Mitarbeitern interkulturell und sprachlich sehr gut ausgebildete Absolventen. Der einzige Haken der Doppelabschlüsse: Die Auswahlverfahren sind oft hart, da es nicht so viele Plätze zu vergeben gibt wie beispielsweise beim Erasmus-Programm. Sogar Triple-Abschlüsse gehören an manchen Universitäten in Deutschland inzwischen zum Repertoire. So können Studenten mit DAAD-Stipendium etwa in Bonn den sogenannten Teach-Master absolvieren. Sie studieren dann in Bonn, Japan und Korea. Teach steht für „Transnational European and Eastern Asian Culture and History“.

          Weitere Themen

          „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“

          Bulmahn über 20 Jahre Bologna : „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“

          Edelgard Bulmahn war federführend beteiligt, als vor 20 Jahren Bachelor und Master in die deutschen Universitäten einzogen. Im FAZ.NET-Interview spricht die frühere Bildungsministerin über die Freiheit der Wissenschaft und das Humboldtsche Bildungsideal.

          Die neue Flower-Power Video-Seite öffnen

          Parfumstadt Grasse : Die neue Flower-Power

          Das französische Grasse war als Weltstadt der Parfumindustrie bedroht. Es brauchte einen deutschen Roman, um an die Tradition zu erinnern. Nun aber kehren junge Leute, die großen Konzerne und die Duftmeister der Branche zurück.

          Topmeldungen

          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.
          Das Smartphone-Spiel Harry Potter: Wizards Unite soll schon Ende der Woche veröffentlicht werden. Allerdings noch nicht in Deutschland.

          Harry-Potter-Pokemon-Go : Zaubert bald die ganze Welt?

          Pokemon Go kriegt einen Nachfolger. Am Freitag startet „Harry Potter: Wizards Unite“. Die Spieler sollen die Zauberei vor den Muggeln retten. Das Spiel könnte den nächsten Hype auslösen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.