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Uni Passau : Kann denn Fensterln Sünde sein?

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Symbolisch ans Fenster der Geliebten klettern: Spaßig oder sexistisch? Bild: Picture-Alliance

Passauer Sportstudenten wollten in einem Spaß-Wettbewerb Männer in Lederhosen eine Leiter zu ihren Herzdamen hochklettern lassen. Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität fand das „Fensterln“ aber sexistisch. Nun mischt sich sogar Bayerns Ministerpräsident ein.

          Alles hatte so vermeintlich harmlos begonnen: Passauer Sportstudenten wollten am morgigen Donnerstag ein Sportfest veranstalten, die so genannten “Campus Games“. Jede Menge Spaß-Wettkämpfe in absurden oder ausgefallenen Disziplinen sollten stattfinden. Mittlerweile allerdings finden sich die Studenten unter dem Twitter-Hashtag #fensterlgate im Zentrum einer hitzigen Sexismus-Debatte in den sozialen Medien wieder. Und darüber hinaus: Sogar der bayerische Ministerpräsident Horst Seeehofer (CSU) hat sich schon zu Wort gemeldet.

          Das Ganze kam so: Die Studenten wollten im Zuge ihrer sportlichen Wettbewerbe auch eine alte bayerische Tradition, das so genannte „Fensterln“, wieder aufleben lassen. Dabei klettern Männer eine wackelige Leiter zu einem Fenster oder Balkon hinauf, wo ihre Liebste auf sie wartet, um geküsst zu werden. Bei den Passauer „Campus Games“ sollten die männlichen Teilnehmer in Lederhosen um die Wette klettern; am Ende sollte der „Fensterl-König“ gekürt werden.

          Das fand die Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule gar nicht so witzig und monierte, der geplante Wettbewerb sei sexistisch. Daraufhin wurde das „Fensterlkönig-Event“ erst einmal aus dem Programm genommen - und im Internet eine hitzige Debatte losgetreten. Die Sportstudenten schreiben auf ihrer Facebook-Seite, ihnen sei klar gemacht worden, „dass wir damit gegen „das Gleichstellungskonzept“ der Universität Passau verstoßen und die Frau „zum Objekt degradieren“. Wir sind zwar der Meinung, dass das Fensterln eine Ur-Bayerische Sportart ist, die sich den neumodischen Zwängen des andauernden Gender-Wahnsinn nicht zu unterwerfen braucht, beugen uns aber vorerst dem Willen der Verwaltung.“

          Hochschul-Präsident fordert „hohes Maß an Sensibilität“

          Der Präsident der Hochschule dagegen springt der Gleichstellungsbeauftragten bei: Es sei nicht immer einfach, Gewohntes und vermutlich gar nicht diskriminierend Gemeintes mit einem modernen Menschen- und Lebensbild in Einklang zu bringen, schreibt er in einer Stellungnahme auf der Uni-Homepage. Das erfordere „ein hohes Maß an Sensibilität“. Gerade in einer solchen Situation setze aber die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten an. „Sie soll auf mögliche Probleme aufmerksam machen und kann idealerweise Kompromisse vorschlagen. Dies hat sie getan, und dafür darf sie Respekt erwarten.“

          Gleichwohl schlägt der Streit mittlerweile so hohe Wellen, dass sich über die Internet-Debatte hinaus sogar die bayerische Landesregierung eingemischt hat. Wie die „Passauer Neue Presse“ berichtet, teilte Horst Seehofer der Universität mit, dass in Bayern noch immer die Regel gelte: „Leben und leben lassen.“ Und auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) soll den Studenten beigesprungen sein und das Fensterln als „charmante“ Tradition bezeichnet haben.

          Trotz solcher unterstützender Worte ist die ganze Debatte nun aber sogar den Sportstudenten selbst unheimlich geworden, nimmt sie doch im Netz zum Teil ungeahnte Wendungen. „Unter den 448 Personen, die unsere Absage geteilt und teilweise politisch sehr eindeutig kommentiert haben, finden sich leider auch vermehrt Einzelpersonen, denen eine gewisse Nähe zu extremen und extremistischen Szenen unterstellt werden kann“, schreiben die Studenten auf ihrer Facebook-Seite. „Wir Sportstudenten Passau möchten nicht als Politikum missbraucht werden und distanzieren uns hiermit von dieser Diskussionsrichtung.“

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