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Soziale Undurchlässigkeit : Immer mehr Akademiker-Kinder an Universitäten

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Soziale Herkunft entscheidet über Bildungschancen Bild: Bedridin Avdyli, fotolia.de

An deutschen Universitäten studieren immer mehr Kinder von Akademikern: Fast zwei Drittel stammen aus solchen Familien, vor 15 Jahren war es noch die Hälfte. Am ausgeprägtesten ist diese „Bildungsvererbung“ in der Medizin.

          An den Hochschulen in Deutschland geht die Schere der sozialen Herkunft immer weiter auseinander: Von 1993 bis 2007 ist der Anteil der Studierenden, die aus einem Akademiker-Haushalt kommen, von 49 auf 60 Prozent gestiegen. Das zeigt der 10. Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriums. Am ausgeprägtesten ist diese „Bildungsvererbung“ laut Studie in der Medizin, wo bei 66 Prozent der Studenten mindestens ein Elternteil einen Universitätsabschluss hat. Generell sind die Studierenden mit der Qualität des Studiums zunehmend zufrieden, sie wünschen sich aber vor allem eine bessere Betreuung.

          Für die Untersuchung „Studiensituation und studentische Orientierungen“, die seit 25 Jahren alle drei Jahre durchgeführt wird, befragten Forscher der Universität Konstanz im Wintersemester 2006/2007 rund 8.350 Studierende von Universitäten und Fachhochschulen. Laut Ministerium überwiegen in der Bilanz erstmals die positiven Bewertungen zu allen vier Grundelementen der Studienqualität: inhaltliche Qualität, Aufbau des Studienganges, Durchführung der Lehrveranstaltungen sowie Beratung und Betreuung durch die Lehrenden. Nach wie vor schneide die Betreuung aber weniger gut ab: Viele wünschen sich demnach eine bessere Betreuung im Studium und beim Übergang in den Arbeitsmarkt sowie mehr Praxisbezug.

          Keine weitere Öffnung für Bildungsaufsteiger

          Die Studie zeigt zudem, dass die „akademische Reproduktion“ - also Studierende, bei denen bereits mindestens ein Elternteil studiert hat - in den 90er Jahren zugenommen hat und seit dem neuen Jahrtausend stagniert. Es sei keine weitere Öffnung für neue Kreise der Bildungsaufsteiger festzustellen. Die Schulen müssten verstärkt dafür sorgen, dass die Chancen für einen höheren Schulabschluss ausschließlich von der Leistung der Schüler und nicht von ihrer sozialen Herkunft abhängig seien, hieß es. Dazu gehöre auch, leistungsstarke Kinder aus bildungsfernen Schichten und deren Eltern beim Zugang zur gymnasialen Oberstufe aktiv zu unterstützen. „Wir wollen junge Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten für ein Hochschulstudium motivieren“, sagte Schavan. „Deshalb müssen wir die starren Zugangsbeschränkungen für ein Hochschulstudium überdenken und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöhen.“

          Nur wenig Frauen in Naturwissenschaften

          Noch in den 60er Jahren galten die Universitäten „als Domäne der Männer“, heißt es in der Studie weiter. Heute dagegen sind rund 50 Prozent der Studierenden junge Frauen. Während geschlechtsspezifische Benachteiligungen ausgeglichen werden konnten, folge die Wahl des Studienfachs noch immer traditionellen Bahnen: Nach wie vor gibt es wenige Studentinnen in mathematischen, informationstechnischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Studiengängen. Eine Ursache dafür sei bereits die Wahl entsprechender Leistungskurse im Gymnasium. Um verstärkt junge Frauen für diese Fächer zu gewinnen, müssten Mädchen also bereits in der Schule für die mathematisch- und naturwissenschaftlichen Leistungskurse gewonnen werden.

          Der Studie zufolge wollen die Studierenden ihr Studium effizienter gestalten als noch vor wenigen Jahren, sei es durch einen zügigen Studienablauf, hohe Arbeitsintensität oder ein besonders gutes Examen. Auch die geplante Studiendauer hat sich weiter verringert, was aber fast vollständig auf den gestiegenen Anteil an Bachelor-Studierenden zurückzuführen ist.

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