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Sonderweg : Ohne Abi an die Uni

Erstsemester im Hörsaal: Hier sitzen noch immer vor allem Abiturienten. Bild: dpa

Schon seit Jahren ist es in Deutschland möglich, auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife zu studieren. Doch warum wird der Sonderweg kaum beschritten?

          Schon seit Jahren ist es in Deutschland möglich, auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife zu studieren - etwa für Handwerksmeister oder andere beruflich Qualifizierte mit vergleichbaren Abschlüssen. Trotzdem haben neue Zahlen gerade wieder gezeigt: Diese Art des Hochschulzugangs bleibt in Deutschland recht selten. Gerade einmal 2,5 Prozent der Erstsemester im Jahr 2012 hatten weder Abitur noch Fachhochschulreife - und das ist schon ein großer Fortschritt, vergleicht man die Zahlen mit denen von 2010.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Woran das liegen könnte, hat nun das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer aktuellen Studie untersucht und dabei herausgefunden: Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind nach wie vor sehr groß. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin schaffen es mehr als 3,5 Prozent der Studienanfänger ohne Abitur an die Uni; in Baden-Württemberg, Bremen, im Saarland und in Sachsen sind es dagegen weniger als ein Prozent. Das CHE folgert: Einige Länder machen Studierwilligen ohne Abitur das Leben leichter als andere. Das habe mit rechtlichen Rahmenbedingungen zu tun, glauben die Forscher, aber auch damit, ob in den jeweiligen Bundesländern Hochschulen angesiedelt sind, die der besonderen Zielgruppe die nötige Flexibilität bieten. Das frappierendste Beispiel ist dabei Nordrhein-Westfalen: Die dort befindliche Fernuniversität Hagen kann aktuell mehr als die Hälfte aller deutschen Studierenden ohne Abitur oder Fachhochschulreife für sich reklamieren.

          Flexible Zeiten, möglichst wenig Präsenz

          Auch dafür hat das CHE Gründe identifiziert: „Studierende ohne Abitur und Fachhochschulreife brauchen häufig Studienangebote mit flexiblen Studienzeiten“, sagt der CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Diese Gruppe von Studenten sei im Durchschnitt älter als klassische Abiturienten und häufiger von Mehrfachbelastungen durch Beruf und Familie betroffen, so steht es in der Studie. „Studiengänge mit hohem Anteil an Präsenzzeiten und wenig Teilzeitangeboten machen es Studieninteressierten schwerer, sich aus dem Beruf heraus akademisch weiterzubilden“, glaubt Ziegele.

          Weiterhin zeigt das CHE-Papier, dass beruflich qualifizierte Studenten viel lieber an die Fachhochschulen gehen als an die Universitäten. Offensichtlich finden sie dort eher Studiengänge, die sie aufgrund ihrer im Beruf schon erworbenen Qualifikationen als geeignete Weiterbildungsoption empfinden. Und wer glaubte, dass Handwerksmeister und ähnlich Qualifizierte am ehesten technische Fächer wählten, wird vom Gegenteil überzeugt: 45 Prozent der Studienanfänger ohne Abitur und Fachhochschulreife entschieden sich 2012 für die Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften. Ein so genanntes Mint-Fach (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften oder Technik) wählte dagegen nur etwa ein Viertel. Zum Vergleich: Nach Daten des Statistischen Bundesamtes wählten 2012/2013 rund 40 Prozent aller Studienanfänger Mint-Fächer.

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