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Reaktion auf den Mangel : Volkswagen bildet Software-Entwickler selbst aus

Hubertus Heil in der Ausbildungswerkstatt von Volkswagen: Der Konzern will demnächst selbst Entwickler qualifizieren. Bild: dpa

Alle suchen Software-Entwickler, Volkswagen reagiert jetzt mit einem radikalen Schritt und nimmt die Ausbildung selbst in die Hand. Das Projekt richtet sich an Mitarbeiter und Studienabbrecher.

          Volkswagen will in den nächsten Jahren Hunderte von Software-Entwicklern selbst ausbilden. „Die Wirtschaft benötigt in den nächsten Jahren mehr Software-Entwickler als der Arbeitsmarkt und die Ausbildungseinrichtungen bieten“, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian am Freitag in Wolfsburg. „Wir wollen neue Wege mit neuen Personalinstrumenten gehen.“ Vom Frühjahr 2019 an sollen an einer neu geschaffenen „Fakultät 73“ der Auto-Uni von VW die ersten 100 Software-Entwickler ausgebildet werden. Die Bewerbungs- und Auswahlphase für den ersten Studiengang beginnt im Oktober dieses Jahres. Mit der Wende zur Elektromobilität, mit der Digitalisierung und dem Trend zum vernetzten Auto wächst der Bedarf der Automobilunternehmen nach Software-Entwicklern rasant.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der erste Jahrgang der von Volkswagen in Wolfsburg ausgebildeten Software-Entwickler soll bei erfolgreichem Abschluss Anfang 2021 fest im Unternehmen eingestellt werden. Die Kernmarke VW hat derzeit rund 2400 IT-Beschäftigte, baut die Software-Entwicklung aber seit einiger Zeit massiv aus. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen an seinen Standorten global rund 11.000 IT-Spezialisten.

          Allein im nächsten Jahr will VW in der IT in Deutschland rund 400 neue Stellen besetzen. Die Ausbildung im neuen Weiterbildungsprogramm dauert zwei Jahre und endet mit dem IHK-Abschluss eines geprüften IT-Entwicklers. Das Unternehmen lässt sich die Ausbildung eines Jahrgangs rund 20 Millionen Euro kosten. „Software-Entwickler fehlen schon einen längeren Zeitraum“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bereits in der Vergangenheit habe das Unternehmen gezielt Mitarbeiter zu Softwareentwicklern fortgebildet. Es sei gut, dass „wir das bei VW jetzt formalisiert haben“.

          Angebot für interne und externe Bewerber

          Kilian zufolge richtet sich das Angebot an interne und externe Bewerber. Im Blick hat VW dabei neben der Weiterbildung der eigenen Beschäftigten, die sich für IT interessieren und Vorkenntnisse mitbringen, vor allem auch die vielen Studienabbrecher an den Universitäten. Während das Unternehmen intern auf die Weiterbildung seiner Mechatroniker, Fachinformatiker oder technischen Produktdesigner setzt, richtet sich das Programm extern vor allem an junge Menschen, die ihr Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Mathematik oder Physik abgebrochen haben. Sie bekommen – wie die jungen Auszubildenden im dualen Studium – 1135 Euro Gehalt im Monat. Auch mit Jobcentern spricht VW auf der Suche nach geeigneten Bewerbern.

          Jeder Studierende bekommt zuerst ein Jahr lang eine Grundlagenausbildung, die je nach persönlichem Wissensstand auch verkürzt werden kann. Daran schließt sich ein weiteres Jahr mit vertiefter praxisnaher Programmierung im Unternehmen an. Kilian geht davon aus, dass jeweils etwa die Hälfte der Bewerber intern und extern sein wird. Einen festen Schlüssel gibt es allerdings nicht. Die Bewerber müssen ihr Interesse und ihre Kenntnisse in einem gründlichen Auswahlverfahren nachweisen, bevor sie an der „Fakultät 73“ von VW angenommen werden. Am Ende könne das Verhältnis auch anders aussehen. „Wir wollen wirklich die Talentiertesten herausfinden“, sagte Kilian.

          Volkswagen ist derzeit in Gesprächen mit Hochschulen und Weiterbildungsanbietern, die das Programm als Partner unterstützen wollen. Neben der Wolfsburger Ostfalia – an der jährlich bereits zwölf junge Beschäftigte ihr duales Studium absolvieren – spricht VW dabei mit der Steinbeis-Hochschule und mit zwei privaten Bildungsanbietern aus Berlin. Vorerst ist das Programm auf drei Jahrgänge befristet, soll im Erfolgsfall aber fortgeführt und ausgebaut werden.

          Lob für seine Pläne bekam VW vom Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Volkswagen gehe mit gutem Beispiel voran und zeige mit seinem Programm „Fakultät 73“ zugleich „unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung“, sagte er bei der Vorstellung des Programms in Wolfsburg. Digitalisierung bedeute nicht nur Investition in digitale Technik und Maschinen. „Digitalisierung bedeutet auch Investition in Menschen und ihre Kompetenzen.“

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