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Promotion an Fachhochschulen : Herr Prof. Dr. (FH)

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Bislang muss der erste Betreuer immer noch ein Uni-Professor sein, der zweite kann dann auch von der FH kommen. Zusätzliche Prüfungsleistungen für FH-Absolventen sollten ad acta gelegt werden, fordert Schinke, der an der Hochschule Mannheim Verfahrens- und Chemietechnik lehrt. Schließlich würden FH-Masterstudiengänge inzwischen genauso zur Promotion berechtigen wie die an Universitäten erworbenen Abschlüsse. Dazu müssten vielerorts aber die Promotionsordnungen umgeschrieben werden.

Mit einem solchen Kompromiss könnte auch Manfred Hampe gut leben. Der Darmstädter Maschinenbauer ist Vorsitzender des Dachvereins „Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten“ (4ING) und wehrt sich mit seinen Kollegen vehement gegen den kollektiven Dammbruch. „Universitäten und Fachhochschulen haben verschiedene Bildungsaufträge. Unis haben den Auftrag, den wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Dieser Bildungsauftrag fehlt den Fachhochschulen.“ Entsprechend ergäben sich auch unterschiedliche Qualifikationsvoraussetzungen bei den Berufungen: „Wir suchen für die Unis zwar auch Experten mit Industrieerfahrung. Aber diese Experten müssen dann auch schon während ihrer Tätigkeit in der Industrie wissenschaftlich überzeugt haben. Eine solche Berufungsvoraussetzung gibt es bei Fachhochschul-Professoren nicht.“ Die Mehrheit der FH-Professoren zeige „keine wissenschaftlichen Ambitionen“, sagt Hampe.

„Nicht jedem Kollegen“ würde sie eine Promotionsbetreuung anvertrauen, sagt auch Uta Bohnebeck, Konrektorin Forschung an der Hochschule Bremen. Dennoch: Forschungsstarke FH-Professoren sollten das Promotionsrecht bekommen, fordert die Informatikerin. Ihre Fachhochschule hat schriftliche Kooperationsverträge mit den Universitäten Oldenburg, Vechta und mit der privaten Bremer Jacobs University. Das würde Promotionen für hauseigene Absolventen zwar erleichtern, „aber im Promotionsausschuss sitzen nach wie vor nur Uni-Leute“, kritisiert sie. Es sei dann eine „Frage des Klimas und der Kultur, wie das gelebt“ werde. Aus der „Bittsteller-Rolle“ sei man zwar raus, aber man müsse sich nach wie vor auf „Partnersuche“ an den Unis begeben.

Für Annika Worpenberg, 29, hat die Partnersuche geklappt. Sie wird demnächst ihre Doktorarbeit im Bereich Designwissenschaften mit Bezug zur Medieninformatik abschließen. Ihr bunter Bildungsweg ganz im Sinne von Bologna sieht so aus: Bachelor in Erziehungswissenschaft und Designpädagogik an der Uni Vechta, Master an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, drei Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Bremen, zurzeit Teilnahme am Graduiertenkolleg „Digitale Medien“ der Bremer Uni. „Im Kolleg treffen wir uns alle zwei Wochen, diskutieren, hören Vorträge oder machen auch mal eine Wochenendfahrt“, erzählt Worpenberg. Gefühlte Unterschiede zwischen Uni- und FH-Doktoranden gebe es keine. „Wir haben alle die gleichen Probleme: Welche Methoden wenden wir an? Welche Daten werten wir aus? Wie schreiben wir?“ Der einzige Unterschied: Ihr Doktorvater befindet sich nicht in Bremen, sondern in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste, die für ihr Fachgebiet den Universitätsstatus genießt. Die Doktorandin trifft ihn aber nur sehr selten, etwa einmal im Jahr. Faktisch erste Betreuerin sei daher eine Professorin der Bremer Hochschule.

Für Annika Worpenberg steht fest: Besäße die Bremer Hochschule das Promotionsrecht, hätte sie nicht den Braunschweiger Doktorvater, sondern eine Doktormutter vor Ort. Doch dagegen wehrt sich auch die Bremer Uni genau wie alle anderen Unis in Deutschland mit Händen und Füßen. Man vertrete „grundsätzlich die Position, dass das Promotionsrecht nicht an Fachhochschulen vergeben werden sollte - weder im Land Bremen noch in anderen Bundesländern“, teilt der Pressesprecher mit. Bleibt abzuwarten, wie lange dieser Wunsch noch Wirklichkeit bleibt.

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