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Wachsende Beliebtheit : Zahl der Privatschulen stark gestiegen

Lernen jenseits staatlicher Institutionen: Unterrichtsszene aus einer privaten Realschule in Frankfurt. Bild: Maria Klenner

Vor allem Akademiker schicken ihre Kinder immer häufiger in private Schulen - das zeigen neue Zahlen. Aber sind die Absolventen privater Schulen wirklich erfolgreicher?

          Die Zahl der Privatschulen in Deutschland hat eine Rekordmarke erreicht. Im Schuljahr 2017/2018 gab es hierzulande 5839 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen. Das waren 81 Prozent mehr als 1992/1993, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit. Zum Teil spiegelt sich in diesem enormen Anstieg ein Aufholprozess in Ostdeutschland, doch auch in den vergangenen Jahren ist die Zahl kontinuierlich angestiegen. Entsprechend nimmt der Anteil der Kinder zu, die eine Privatschule besuchen – dieser hat sich seit Beginn der neunziger Jahre fast verdoppelt, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach gehen heute 9 Prozent aller Schüler in Deutschland auf eine Privatschule.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Ob hinter dem Anstieg eine wachsende Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem steckt oder andere Gründe eine dominierende Rolle spielen, ist nicht eindeutig belegt. Klar ist jedoch, dass bestimmte Elterngruppen ihren Nachwuchs immer häufiger in private Einrichtungen schicken. „Noch 1995 waren die Unterschiede nach elterlichem Bildungshintergrund gering, das heißt, die Anteile an Privatschülern unter den Akademikerkindern haben sich nicht groß von denen anderer Bildungsgruppen unterschieden“, sagt DIW-Bildungsökonomin Katharina Spieß. „Seitdem aber hat der Anteil von Kindern aus Akademikerhaushalten, die eine Privatschule besuchen, stark zugenommen, vor allem in Ostdeutschland.“

          Im Osten besuchen ihrer Studie zufolge gut 23 Prozent der Kinder aus Akademikerelternhäusern eine Privatschule, im Westen knapp 17 Prozent – das seien rund 20 beziehungsweise 13 Prozentpunkte mehr als 1995. Kaum überraschend verdienen die Eltern von Privatschülern, für deren Schulbesuch im Schnitt mehr als 100 Euro im Monat fällig werden, auch mehr. Allerdings gibt es zumindest im Westen hier kein weiteres Auseinanderdriften.

          Wollen die Eltern ihre Kinder abgrenzen?

          Forscherin Spieß vermutet hinter der Zunahme der Privatschüler unter anderem den Wunsch von Akademikereltern, ihre Kinder von anderen Schülern abzugrenzen. „Der Anteil an Gymnasiasten hat insgesamt zugenommen. Privatschulen sind da eine Möglichkeit, sich von anderen abzuheben“, sagt Spieß. Privatschulen sind für die Ökonomin ein Teil der wachsenden Segregation im Bildungsbereich: „Die Akademikereltern finanzieren ihren Kindern zum Beispiel auch immer häufiger bildungsnahe Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel Musikunterricht.“

          Viele Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, dürften dies in der Erwartung tun, dass diese dort mehr lernen als an öffentlichen Schulen. Schließlich haben die Schulen mit zahlreichen Problemen zu kämpfen – von Unterrichtsausfall bis zu teils schwieriger Integration von Flüchtlingen und Migranten.

          Eine von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebene Studie zeigt jedoch, dass die Hoffnung auf eine bessere Privatschule oft nicht begründet ist. Die Autoren verglichen die Kompetenzen von Schülern öffentlicher und privater Schulen. Berücksichtigt man die unterschiedliche Zusammensetzung der Schülerschaft, gebe es kaum Unterschiede im Lernerfolg.

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