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Partnerhochschulen : Ein doppelter Abschluss hält besser

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

An zwei Abschlüssen gleichzeitig arbeiten - ausländische Partneruniversitäten machen es möglich. Die Nachfrage der Studenten ist hoch. Viele Angebote der Hochschulen sind jedoch nicht dauerhaft gesichert.

          Als Christine Heil vor drei Jahren mit ihrem Studium begann, hatte sie ein klares Ziel vor Augen: „Ich wollte unbedingt für längere Zeit ins Ausland - aber mir auf gar keinen Fall viele Gedanken darum machen müssen“, erzählt die heute Zweiundzwanzigjährige rückblickend. Von Kommilitonen, die mit einem üblichen Austauschprogramm wie Erasmus in der Ferne studiert hatten, hörte Christine Heil abschreckende Berichte. Von Schwierigkeiten bei der nachträglichen Anerkennung von Prüfungsleistungen war die Rede, und von überlappenden Semestern, die den Studierenden wertvolle Studienzeit stahlen. „Da kam es wie gerufen, dass an meiner Hochschule ein neues Doppelprogramm angeboten wurde.“

          Heute ist Christine Heil stolze Teilnehmerin des Bachelor-Studiengangs „International Business Administration“ an der Hochschule München, der mit Partnerhochschulen in Großbritannien entwickelt wurde. Die Studierenden absolvieren vier Semester in München, bevor sie für ein Jahr an eine ausländische Partnerhochschule wechseln, wo sie sechzig Leistungspunkte (ECTS) erbringen müssen. Christine Heil wird nach ihrem Abschluss an der University of Glamorgan in Wales gleich zwei Titel tragen: den „Bachelor of Arts in Business Excellence“ der University of Glamorgan sowie den „Bachelor of Arts International Business Administration“ der Hochschule München. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich Auslandserfahrung sammeln konnte und trotzdem in der Regelstudienzeit fertig werde“, sagt die junge Frau, die voraussichtlich im kommenden Frühjahr ihr Studium abschließen wird.

          Immer öfter setzen deutsche Hochschulen auf gemeinsame Studiengänge mit ausländischen Partnern. Inzwischen gibt es rund fünfhundert Joint- oder Double-Degree-Programme, Tendenz steigend. Die Teilnehmer erhalten entweder ein gemeinsames Abschlusszeugnis (Joint Degree) oder je eines von jeder Hochschule (Double Degree). Die Programme gelten als wichtige Bausteine für die allseits geforderte Internationalisierung von Universitäten und Fachhochschulen. „Das Thema erlebt derzeit einen regelrechten Hype“, bestätigt Matthias Kuder vom Center for International Cooperation der Freien Universität Berlin, der die Entwicklung von Doppelstudiengängen auf der ganzen Welt untersucht hat. „Wir rechnen damit, dass in den kommenden Jahren noch mehr Hochschulen Joint- und Double-Degree-Programme einführen werden.“

          Politische Unterstützung

          Die ersten Doppelstudiengänge in Europa entstanden vor gut zwanzig Jahren zwischen Frankreich, Deutschland und Italien. Mit den Förderprogrammen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nahm die Entwicklung Fahrt auf. Die meisten der heute existierenden Programme begannen zwischen 2001 und 2009.

          Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), heißt diese Entwicklung gut. „Derartige Partnerprogramme können eine Lösung für die Anerkennungsprobleme sein, die viele Studierende derzeit noch haben“, sagt Meyer auf der Heyde. Außerdem beförderten sie die internationale Mobilität von Studierenden, die durch den Bologna-Prozess deutlich gesteigert werden sollte, was bisher aber noch nicht erreicht worden sei. „Zudem verfügen Teilnehmer am Ende über eine Doppelqualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft noch stärker gefragt sein wird“, sagt der DWS-Generalsekretär.

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