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Freiraum für Studenten : Gebt uns mehr Zeit für den Bachelor

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Wichtig ist die Regelstudienzeit aber auch für Studenten, die Bafög bekommen. Denn die staatlich finanzierte Förderung der Studienausbildung wird in der Regel nur bis zum Ende der in den Prüfungsordnungen angesetzten Regelstudiendauer gezahlt. Wer darüber hinaus gefördert werden will, muss einen Antrag stellen, in dem triftige Gründe wie Krankheit oder Schwangerschaft für die Überziehung der Regelstudienzeit nicht nur genannt, sondern auch belegt werden müssen. Hat die Verzögerung einen anderen Grund gehabt oder lässt sich ein gesetzlich anerkannter Grund nicht nachweisen, so besteht nur die Möglichkeit, Studienabschlusshilfe zu beantragen und auf Basis eines Volldarlehens gefördert zu werden. Auch bei einem Rückzahlungserlass spielt die Regelstudienzeit eine Rolle: Je schneller ein Studium beendet wurde, desto weniger muss ein Absolvent von dem teils als Darlehen, teils als Zuschuss gezahlten Bafög-Betrag zurückzahlen. Angesichts der aktuellen Zahlen, nach denen eine Überschreitung der Regelstudienzeit den Normalfall darstelle, fordert der Freie Zusammenschluss der Studentinnenschaften eine Überarbeitung der Bafög-Regularien: „Die maximale Förderung des Bafög muss von der Regelstudienzeit losgelöst werden, weil Studierende sonst gegen Ende ihres Studiums unverschuldet in finanzielle Notlage geraten“, fordert FZS-Vorstand Jan Cloppenburg.

Für Achim Meyer auf der Heyde, den Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, wäre schon mit der Verlängerung des Bachelor-Studiums von sechs auf acht Semester ein vernünftiger Anfang getan. „Die Stofffülle und der Ablauf von Modulen muss so organisiert sein, dass das Studium studierbar bleibt.“ Grundsätzlich offenbarten die aktuellen Zahlen zur Studiendauer einen Zustand der Fehlorganisation an den deutschen Hochschulen, viele Lehrpläne seien überfrachtet, sagt Meyer auf der Heyde.

Auch nach Meinung der Studierenden liegt das Hauptproblem an der Überschreitung von Regelstudienzeiten in mangelhaften Lehrplänen, die überarbeitet werden müssen. Da in der Statistik die Hochschulen in Thüringen besonders schlecht abschneiden, sahen sich dort ansässige Studierendenschaften veranlasst, die Fehlplanungen ihrer Hochschulen offenzulegen. Danach sei die Arbeitsbelastung mit Pflichtveranstaltungen und Praktika in Thüringen derart hoch, dass das verlangte Pensum in der Regelstudienzeit einfach nicht zu schaffen sei. „Das Konzept der genormten Studiendauer ist aus unserer Sicht überholt“, sagt Christian Schaft, Sprecher der Konferenz Thüringer Studierendenschaften. Es werde weder den Studierenden gerecht, noch könnten die Hochschulen die notwendigen Rahmenbedingungen zur Einhaltung der Zeit bieten. Meyer auf der Heyde sieht die Hochschulen deshalb nun in der Pflicht, ihre Lehrpläne zu verlängern und auch durch mehr Personal die individuelle Betreuung der Studierenden auszubauen.

Auch aus Sicht des Hochschulverbandes wurden die Vorgaben der Bologna-Reform an den Hochschulen allzu bürokratisch umgesetzt und durch den Verwaltungsapparat aufgepfropft, ohne die Realität der Studierenden zu berücksichtigen. „Bislang wurden Probleme als Kinderkrankheiten bagatellisiert. Die Zahlen zeigen jedoch, dass hier etwas geändert werden muss“, sagt Jaroch, der ebenfalls die Befreiung des Bachelors aus dem „Sechs-Semester-Korsett“ für sinnvoll hält.

Keinen Grund für Schwarzmalerei sieht hingegen der CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Für ihn ist das Hochschulsystem insgesamt auf einem guten Weg. „Insgesamt liegen die durchschnittlichen Studienzeiten heute weit unter den Zahlen, die wir noch zu Zeiten des Diploms hatten“, sagt Ziegele und verweist darauf, dass der Anteil der Studienabschlüsse innerhalb der Regelstudienzeit auf 77 Prozent steige, wenn man zur Regelstudienzeit noch zwei Folgesemester hinzuzähle. „Das ist ein relativ hoher Wert, der belegt, dass Studieren in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr viel effizienter geworden ist.“

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