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Mittler zwischen den Welten : Erklär' mir die Technik

  • -Aktualisiert am

Gebrauchsanleitung aus dem Jahr 1660 - man bemerkt Technische Redakteure erst, wenn sie fehlen Bild: Ketterer

Die Hochschulausbildung zum Technischen Redakteur gibt es noch nicht sehr lange, und die Absolventenzahlen sind überschaubar. Noch. Denn die Industrie sucht händeringend Redakteure, die technische Vorgänge verständlich beschreiben können.

          Bizarre Bedienungsanleitungen, kryptische Produktspezifikationen, komplizierte Online-Hilfen: Technische Redakteure bemerkt man fast immer nur, wenn sie fehlen. Sie bereiten quer durch alle Branchen technische Informationen und Dokumentationen so auf, dass man sie versteht und komplexe Produkte wie beispielsweise Software überhaupt nutzen kann.

          „Technischer Redakteur ist ein spannender Beruf, der sehr vielfältig ist und in dem, unabhängig von der Konjunktur, der Bedarf von Jahr zu Jahr wächst“, sagt Michael Fritz, Geschäftsführer der Gesellschaft für Technische Kommunikation e.V. (Tekom), dem Fachverband für Technische Kommunikation, über die etwas anderen Dolmetscher. „Unser einziges Problem ist, dass der Beruf in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt ist, oft fälschlicherweise auf das Handbücherschreiben reduziert wird und wir zu wenige Interessenten haben, die diesen Beruf ergreifen wollen.“ So übersteigt die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich das Angebot: Die Unternehmen suchen händeringend nach geeigneten Mitarbeitern. Eine Tekom-Umfrage ergab, dass der Markt sechsfach überbucht ist. „Es hängen sechsmal mehr Stellenangebote auf den Fluren der Hochschulen, als es Absolventen gibt“, sagt Fritz. „Der Markt ist derzeit total leergefegt.“

          Bei den Verdienstmöglichkeiten schlägt sich das allerdings nicht so deutlich nieder: Gut die Hälfte der Technischen Redakteure verdient einer Tekom-Umfrage zufolge zwischen 2500 und 4000 Euro brutto; ein gutes Viertel zwischen 4000 und 5500 Euro. "Der Beruf ist grundsätzlich sicher keiner, bei dem man einen Porsche fahren kann", sagt Professor Rainer Bernd Voges von der Fachhochschule Gießen-Friedberg, der die bewusst multimediale Ausrichtung des Studiengangs in Gießen auch gerne als Dokumentationsbetriebslehre bezeichnet. „Aber abgesehen davon, dass uns die Leute quasi aus den Händen gerissen werden, ist der Job bei aller Abwechslung grundsolide, und man hat seine Arbeitsstelle in aller Regel eine lange Zeit.“

          Die meisten sind Seiteneinsteiger
          Grundsätzlich ist der Beruf nicht gesetzlich geregelt, ein jeder kann sich Technischer Redakteur nennen. Weil das Berufsbild noch vergleichsweise jung ist - die Fachhochschule Hannover machte im Wintersemester 1991/92 in Deutschland den Anfang mit der systematischen akademischen Ausbildung zum Technischen Redakteur -, sind die meisten der geschätzten 70 000 Technischen Redakteure in Deutschland Seiteneinsteiger. Die Ausbildung zum Technischen Redakteur ist in erster Linie ein Erwachsenenberuf, wie Michael Fritz sagt: „In aller Regel lernt man diesen Beruf nicht als Jugendlicher, sondern bildet sich weiter, nachdem man ein anderes Studium oder eine andere Ausbildung absolviert hat.“

          Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Technischen Redaktionsvolontariats in Unternehmen für die Tätigkeit zu qualifizieren, wobei externe Seminare das theoretische Rüstzeug vermitteln. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Bildungsveranstaltern, die Weiterbildungsangebote im Programm haben. Diese Angebote richten sich in erster Linie an Meister, Techniker, Ingenieure sowie Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler.

          Und schließlich ist es möglich, an Hochschulen zu studieren, das Fach als Schwerpunkt im Rahmen von Journalistik- und Ingenieur-Studiengängen oder als Zusatz- oder Aufbaustudiengang zu belegen. Dabei bereitet den Beteiligten nicht gerade viel Freude, dass sie sich vom Diplomabschluss zugunsten des Bachelor oder Master verabschieden müssen, denn meist geht dies deutlich zu Lasten des so wichtigen Praxisanteils im Studium.

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