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Serie „Cum tempore“ : Mit Mitte 30 zurück an die Hochschule

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So voll ist es im Hörsaal nicht immer. Bild: dpa

Im Studium hangelt man sich teilweise von Abgabefrist zu Abgabefrist. Stressig kann es aber schon bei der Bewerbung um den Studienplatz werden – erst recht, wenn der Uni-Server streikt.

          Seit ich wieder studiere, habe ich oft das Gefühl, beständig am Rande eines mittelschweren Chaos zu wandeln. Da ich auch noch arbeite, erledige ich vieles, was das Studium betrifft, leider allzu oft nebenbei und auf den letzten Drücker. Das ging mit der Bewerbung um den Studienplatz los. Schon länger hatte ich mit dem Gedanken gespielt, noch einmal Lehramt zu studieren, konnte mich aber nie so recht dazu durchringen. Den bisherigen Beruf aufgeben, sich wieder dem Stress von ständigen Abgabe- und Belegfristen, Blockseminaren an Wochenenden, Klausurphasen und Praktika in den Semesterferien aussetzen – musste das wirklich noch mal sein? Da ich aber die Maxime „Jetzt oder nie!“ schon immer zu schätzen wusste, entschloss ich mich am Tag der Abgabefrist, einen Studienplatz zu beantragen – was einem Bewerbungsmarathon im Arbeitsleben nahekam, nur ohne Vorstellungsgespräch.

          Denn nur fünf Prozent der Studienplätze im Lehramt gehen an meiner Wunsch-Uni an Zweitstudierende. Folglich wird neben dem Numerus clausus (der in meinem Jahrgang bei 2,7 lag) deren „Bedürftigkeit“, wie es furchtbar bürokratisch in der Studienordnung heißt, genau geprüft. Denn trotz mancher Horrornachricht in den Medien von renitenten Schülern, Helikopter-Eltern oder Burnout-Gefahr ist das Lehramtsstudium sehr beliebt, und die Nachfrage übersteigt das Angebot. Meine Hochschule hat zwar mit einer Erhöhung der Studienplätze reagiert, das führt allerdings zu absurd vollen Hörsälen und Seminaren – dazu mehr in einer der nächsten Folgen dieser Kolumne.

          Ein bisschen Übertreiben muss sein

          Eine richtig harte Nuss war jedoch das Motivationsschreiben, das verlangt wurde. Von Bewerbungen im Berufsleben war ich es gewohnt, Engagement und Begeisterungsfähigkeit zu betonen. Völlig falsch, wie eine Bekannte, die das Prozedere ein Jahr zuvor durchlaufen hatte, wenige Stunden vor der Deadline aufklärte! Hier ging es eher darum, die wirtschaftliche Notwendigkeit des Zweitstudiums darzulegen, also indirekt die verfehlte erste Studienwahl oder das Scheitern im Berufsleben in der ersten Profession zu untermauern.

          Also fing ich völlig neu an mit dem Bedürftigkeitsschreiben, wie ich es insgeheim getauft hatte, getreu der Prämisse, dass jeder Bewerber hier und da ein wenig übertreibt. Danach scannte ich alle Abschlusszeugnisse ein (drei an der Zahl), meinen drei Seiten füllenden bisherigen Studienverlauf, Exmatrikulationsbescheinigungen (ebenfalls drei) und füllte online den fünfseitigen Studienantrag aus – was einem Drahtseilakt auf der Datenautobahn gleichkam.

          Denn der Uni-Server war heillos überlastet, die Seite stürzte immer wieder ab und brauchte ewig, um neu zu laden, da ich nicht die Einzige war, die sich fünf vor zwölf noch ihre Bewerbung abrang – um dann festzustellen, dass ich alles doch ausdrucken und in Papierform einsenden musste. Zum Glück wohne ich unweit der Uni und konnte den Antrag noch in der Nacht in den Briefkasten werfen. Das Karma rächte sich für diese Kamikaze-Aktion auf seine Weise: Erst zwei Wochen vor Studienbeginn erhielt ich nach acht Wochen Wartezeit den Zulassungsbescheid.

          Unsere Autorin geht mit Mitte 30 noch mal zur Uni. Hier berichtet sie regelmäßig von ihrem Leben als Lehramtsstudentin – unter Kommilitonen, die zum Teil halb so alt sind wie sie.

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