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Studium in Ostdeutschland : Auf nach Chemnitz, Wismar oder Merseburg!

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Ja, in dieser Vorlesung an der TU Chemnitz gibt es noch leere Stühle. Trotzdem ist der Gesamttrend für die ostdeutschen Unis positiv. Bild: dpa

Zum Studium nach Ostdeutschland? Noch vor zehn Jahren war das für viele westdeutsche Abiturienten undenkbar. Das hat sich geändert, wie das Bildungsministerium nun mit Zahlen belegt. Aber ist daran wirklich vor allem eine Marketingkampagne schuld?

          Jeder dritte Studienanfänger in Ostdeutschland stammt heute aus Westdeutschland. Das teilte das Bundesbildungsministerium am Dienstag unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit. Offensichtlich hat sich der Ruf der neuen Bundesländer als Studienort stark verbessert: Vor zehn Jahren stammte gerade mal jeder sechste Studienanfänger in Ostdeutschland aus den alten Bundesländern. Abiturienten aus Ostdeutschland zieht es zum Studium auch nicht mehr so stark in den Westen, wie das früher der Fall war: Heute kommen für zwei ostdeutsche Schulabsolventen, die den Westen als Studienort wählen, drei westdeutsche Studienanfänger in den Osten.

          Das Ministerium zog mit diesen Zahlen Bilanz zum Ende einer aufwendigen Marketingkampagne, die jungen Menschen das Studieren in den neuen Bundesländern schmackhaft machen sollte: Acht Jahre lang haben ostdeutsche Hochschulen im Rahmen von “Studieren in Fernost“ um Studenten geworben. Mit unterhaltenden und informativen Angeboten sollte die Kampagne zeigen, dass die Wunschhochschule auch in Ostdeutschland liegen kann - in Chemnitz, Wismar oder Merseburg. Mehr als 40 ostdeutsche Einrichtungen beteiligten sich. Leben, Wohnen und Arbeiten sollten dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Hochschule selbst. Die Kampagne nutzte provokante Sprüche, die die Zielgruppe aufrütteln sollten und verbreitete sie auch stark in den sozialen Medien, zum Beispiel über Facebook und Whatsapp.

          Doppelte Abiturjahrgänge, günstige Mieten

          Mehr Studienanfänger zu gewinnen ist für die ostdeutschen Bundesländer ein ganz entscheidendes Ziel: Seit 1990 sinken die Geburtenzahlen in der Region rapide. Im Hochschulpakt haben sich die ostdeutschen Länder aber verpflichtet, die Studienanfängerzahlen dennoch auf dem Niveau von 2005 zu halten. Das ist dem Bildungsministerium zufolge gut gelungen: Zum Wintersemester 2014/15 begannen in Ostdeutschland sogar mehr junge Menschen ein Studium als im Wintersemester 2005/06 - obwohl mittlerweile aufgrund des demographischen Wandels viel weniger Abiturienten die ostdeutschen Schulen verlassen.

          Allerdings geht die Entwicklung keineswegs nur auf die Werbekampagne für die ostdeutschen Hochschulen zurück: Doppelte Abiturjahrgänge, die Abschaffung der Wehrpflicht und vorübergehend in Westdeutschland eingeführte Studiengebühren sorgten ebenfalls dafür, dass ostdeutsche Unis und Fachhochschulen Studienanfänger gewannen.

          Auch haben einzelne Hochschulen in Ostdeutschland in den vergangenen Jahren vermehrt versucht, junge Menschen mit Vergünstigungen, wie etwa kleinen Geschenken für Erstsemester zu locken. Zudem profitieren Studenten in Ostdeutschland häufig von günstigeren Lebenshaltungskosten, insbesondere von billigerem Wohnraum. Seit die Situation auf dem studentischen Wohnungsmarkt zunehmend angespannt ist, können die ostdeutschen Städte mit günstigeren Mieten durchaus punkten.

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