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Managementschmieden : Bildungsluxus am Bodensee

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Bild: F.A.Z. - Tresckow

Vom Bologna-Prozess halten sie nicht viel in Friedrichshafen, von Humboldts Idealen umso mehr. Die private Zeppelin University am Südrand der Republik sucht ihren eigenen Weg für die Ausbildung von Managern.

          Sie nennt sich zwar „University“, aber man spricht Deutsch an der kleinen Privathochschule am Ufer des Bodensees. Ohne Deutsch gibt es keinen der internationalen Abschlüsse in „Economics“, „Communication & Cultural Management“ und „Public Management & Governance“, denn Deutsch ist an der Zeppelin University in Friedrichshafen allen Moden zum Trotz die Lingua franca. Selbst Muttersprachler müssen sich deshalb darin testen lassen. „Wir müssen präzise sein können“, erklärt Tim Göbel die Strategie, der mit 30 Jahren schon Marketing-Chef der Uni und Mitglied ihres Präsidiums ist.

          Der englische Name der Hochschule ist dagegen einem Gesetz des Landes Baden-Württemberg geschuldet, das es ihr trotz staatlicher Anerkennung nicht erlaubt, sich offiziell Universität zu nennen. Vor fünfeinhalb Jahren wurde die Uni gegründet, ihre Kinderzeit erlebte sie mitten im Bologna-Umbauprozess. Gegen vieles, was er in Gang gesetzt hat, wehrt sie sich vehement. „Wir machen hier Old School“, sagt Göbel. Um Schlüsselqualifikationen zu vermitteln, werden zum Beispiel keine Rhetorik- und Präsentationstechnik-Seminare obendrauf gepackt. „Das lernen die Studenten beim Studieren der Fachinhalte.“ Die Hochschule beruft sich dabei auf Humboldtsche Prinzipien: Grundlagen legen, lernen um des Lernens willen. „Am Ende sollen hier Generalisten rausgehen.“ Rückwärtsgewandt sei das nicht. „Wir nennen es Humboldt 2.0. Denn wir erweitern die Grundidee von Lehre und Forschung an der Universität um den Bereich der wissenschaftlichen Dienstleistung.“

          Der Kontakt nach außen prägt das Studium

          Angewandt wird das gleich an Ort und Stelle. Der Kontakt nach außen, die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Unternehmen der Region prägt das Studium. Auch wenn die Uni manchem Bürger der ländlich geprägten Industriestadt noch immer exotisch vorkommt, profitieren viele von ihr. Sie bietet beispielsweise den Entscheidungsträgern des Mittelstands neuestes Knowhow, auch der Oberbürgermeister saß hier schon im Seminar. Für die Nachbarstadt Konstanz erarbeitete eine Gruppe von Erstsemestern jüngst ein Betreibermodell für eine ausgemusterte Autofähre. Das Konzept der Studenten will aus dem Schiff eine mit Solar- und Windkraft betriebene, energieautarke Insel mit Platz für kleine Labore und Vortragsräume machen. Die Stadt will das Konzept umsetzen.

          Mit Hauptschülern aus Friedrichshafen selbst haben Studenten die Aktion „Rock your Life“ begonnen. Aus einer öffentlichen Diskussion auf dem Campus am Seestrand mit Finanzminister Peer Steinbrück im vergangenen Herbst hat sich die Idee dazu entwickelt. 48 Studenten, erklärt Linn Rampl, die im vierten Semester für den Masterstudiengang Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben ist, coachten im Verhältnis von eins zu eins Acht- und Neuntklässler bei ihrer Vorbereitung auf das Berufsleben. Ziel ist es, bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu helfen und das Hartz-IV-Risiko zu minimieren. Die Studenten haben ein umfassendes Konzept mit Finanzplan aufgestellt, Banken und Unternehmen sponsern das Projekt.

          Die Studenten wollen aus ihrem Probelauf ein festes Programm machen, das auf andere Städte übertragen werden kann. Für 2010 haben sie sich Berlin vorgenommen, ab 2011 soll „Rock your Life“ als „Social Franchise“ in ganz Deutschland präsent sein.

          Zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik

          Die besondere Mischung aus „gleichermaßen theoriebasierter wie systematisch berufsorientierter Ausbildung“ hat auch Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, in seiner Begründung der Akkreditierung der Zeppelin University gelobt. Die multidisziplinäre Perspektive zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik sei außergewöhnlich. „Mit diesem innovativen Ansatz hebt sie sich vom bestehenden Angebot anderer Hochschulen deutlich ab.“ Auch der seriöse finanzielle Boden, auf dem die Uni steht, hat dem Wissenschaftsrat gefallen. Ein Drittel des Etats zahlen die Studenten mit ihren Gebühren, das zweite kommt aus langfristigen Sponsoringverträgen, das letzte sind Drittmittel und Erlöse der Uni als Unternehmen.

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