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Medien : Mainzer Forscher auf den Spuren des Populismus

  • -Aktualisiert am

Ist das Ignorieren der Alternative für Deutschland eine Alternative für deutsche Medien? Bild: AFP

Sollten Medien überhaupt so viel über Populismus berichten? Oder stärkt allein das schon die Populisten? Forscher an der Uni Mainz sind solchen Fragen nachgegangen. Mit überraschendem Ergebnis.

          Tauchen in den Medien viele Beiträge mit populistischem Inhalt auf, stärkt das die Populisten – dieser Zusammenhang gilt als naheliegend. Die Universitäten Mainz und Zürich wollten wissen: Stimmt das, und wenn ja, wie funktioniert das genau?

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Also werteten Wissenschaftler beider Hochschulen in einer gemeinsamen Studie mehr als 7000 Artikel aus Printmedien aus und befragten mehr als 2000 Leser in vier europäischen Großstädten – Berlin, Zürich, Paris und London. „Wir gingen davon aus, dass die Zustimmung zu populistischem Gedankengut generell zunimmt, je mehr diese Ideen in den Medien vorkommen“, sagt Philipp Müller vom Institut für Publizistik der Universität Mainz. Tatsächlich aber gebe es einen Effekt in beide Richtungen: Wer populistischen Ideen, so wie sie die deutsch-schweizerische Kooperation definiert – Elitenkritik, eine Betonung des Volks, Forderungen nach einer Wiederherstellung der Volkssouveränität – zugeneigt sei, der werde zwar bestärkt; seine Auffassungen verfestigen sich. Aber gleichzeitig gebe es einen Abwehrreflex bei denjenigen, die Populismus kritisch sehen. Auch ihre Haltung verfestige sich. Das sei zwar positiv, führe im Ergebnis aber zu einer „Spaltung der Bevölkerungsmeinung zum Populismus“.

          „Bisher ging man in der Forschung davon aus, dass Medienberichterstattung vor allem hilft, Populismus salonfähig zu machen und in der Bevölkerung zu verbreiten“, sagt Müller. Deshalb wurden er und seine Forscherkollegen überrascht, denn: „Unsere Daten zeigen, dass die abschreckende Wirkung populistischer Medienaussagen sogar die stärkere und deutlichere Medienwirkung darstellt“ – wenn auch nur bei jenen, die Populismus gegenüber ohnehin kritisch eingestellt sind.

          Bei den untersuchten Artikeln kam es den Autoren nicht darauf an, ob diese nachrichtlich oder kommentierend geschrieben waren. Entscheidend war, „ob populistischen Aussagen innerhalb eines Artikels explizit widersprochen wurde“. Nur diese gingen dann in die Analyse ein – in der die vier untersuchten Städte unterschiedlich abgeschnitten haben: Während von den rund 7000 untersuchten Artikeln insgesamt 14 Prozent populistisches Gedankengut enthielten, waren es in Paris 20 Prozent, in London 15, in Zürich 13 und in Berlin knapp 9 Prozent.

          Das klingt aus deutscher Sicht zunächst erfreulich. Und Müller sagt auch: „Wir haben in Deutschland vor allem deutliche Effekte auf die Ablehnung von Populismus gefunden.“ Allerdings ist die Studie stark vom Untersuchungszeitraum abhängig.

          Eine Befragungswelle fand 2014 statt, die zweite im März 2015 – also vor dem Beginn der Flüchtlingsdebatten hierzulande. Mit anderen Worten: Während in Frankreich mit dem Front National und in der Schweiz mit der SVP seit längerem populistische Parteien etabliert waren, sei Deutschland mit der AfD ein „Nachzüglerland“. Deshalb ist Müller auch sicher: „Bei einer Wiederholung der Studie in den Jahren 2016 und 2017 hätten wir mehr populistische Aussagen gefunden – und entsprechend auch eine deutlichere Wirkung dieser Aussagen auf die Zustimmung zum populistischen Weltbild in der Bevölkerung.“

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