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Atomausstieg : Kerntechniker in der Klemme

  • -Aktualisiert am

„In manchen Jahren meldet sich gar kein Student an“

Die Technische Universität in Clausthal hat sich bereits vor einigen Jahren auf das Thema Endlagerung spezialisiert und vermeldet trotzdem deutlich niedrigere Studentenzahlen. Das Interesse am Studiengang „Management und Entsorgung radioaktiver Stoffe“ hält sich in Grenzen: „Wir haben weniger als zehn Studierende pro Jahr. In manchen Jahren meldet sich auch gar kein Student an“, berichtet Klaus-Jürgen Röhlig, Professor für Endlagerforschung in Clausthal. „Da steht man natürlich schon unter einem gewissen Druck. Wir müssen der Universität ja auch Leistungsnachweise bringen.“ Darum habe man sich an die Geo- und Umwelttechnischen Studiengänge angeschlossen und biete die Inhalte zur Endlagerung als Vertiefung im Master „Geoenvironmental Engineering“ an, nicht als eigenständigen Studiengang.

Joachim Knebel, Bereichsleiter an einem der wichtigsten deutschen Zentren für kerntechnische Forschung, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), beunruhigt die Entwicklung bei den spezialisierten Kerntechnik- und Endlagerungs-Studiengängen nicht. „Insgesamt gibt es zwar nur wenige kerntechnische Lehrstühle. Die relevanten Inhalte werden aber trotzdem vielerorts gelehrt“, sagt Knebel. Insgesamt hätten in Deutschland im Jahr 2015 rund 1700 Studenten im Rahmen ihrer allgemeiner angelegten Studiengänge, etwa im Bereich Maschinenbau oder Energietechnik, Vorlesungen oder Seminare belegt, die in irgendeiner Form mit dem Thema Kerntechnik zu tun hätten, berichtet Knebel. „Aus unserer Sicht ist es ohnehin am sinnvollsten, breit aufgestellte Energietechnik-Experten auszubilden“, sagt er. „Ein guter Ingenieur sollte in einem Kernkraftwerk ebenso einsetzbar sein wie in anderen Kraftwerkstypen.“

Wichtig sei nur, dass die kerntechnischen Inhalte jetzt nicht vollständig aus den Lehrplänen gestrichen werden. „Die Gefahr besteht meiner Einschätzung nach auch nicht“, sagt Knebel. Zwar fließe der Großteil der Forschungsgelder inzwischen in Forschung zu Rückbau und Entsorgung. „Ein Drittel der staatlichen Forschungsgelder wird aber weiter in die Sicherheitsforschung gehen. An vielen Standorten wie etwa hier in Karlsruhe, in München und Dresden wird weiter intensiv und auf höchstem Niveau zu kerntechnischen Sicherheitsfragen geforscht.“ Wer sich indes an der Entwicklung neuer, moderner Kernkraftwerke beteiligen will, muss zum Studieren und Forschen ins Ausland gehen - und sich darauf einstellen, sein Berufsleben außerhalb Deutschlands zu verbringen.

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