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Leuphana-Uni in Lüneburg : Die grüne Kaderschmiede

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Durch die Kostenexplosion beim Hauptgebäude drohe „eine finanzielle Überlastung, die alle positiven Aspekte (der Leuphana-Universität) überlagert und in ihrem Kern gefährdet“. Der Präsident sei deshalb nicht mehr tragbar. Präsident Spoun begegnet seinen Kritikern mit Gelassenheit: „Bei einem öffentlichen Bau dieser Größe muss man Kritik aushalten.“ Das Geld sei gut investiert, „Das neue Zentralgebäude hat einen großen Wert für die Universität und die Stadt“, verteidigt der Präsident das Bauvorhaben. „Wir wollten nicht nur ein funktionales Gebäude bauen, sondern ein Bauwerk, für das es sich einzustehen lohnt und das Studierende wie Forschende über Fachgrenzen hinweg auf dem Campus zusammenführt.“

Spoun spricht von einem Lernprozess: „Manche Umwege hätten wir vielleicht vermeiden können, anderes sind typische Probleme, die bei jedem Großbauprojekt auftreten können.“ Etwa Schwierigkeiten mit Zulieferern. Ganz unrecht werden Spouns Kritiker aber auch nicht haben. Das Land verdonnerte die Universität kürzlich dazu, am Bau zu sparen und nachhaltige Systeme etwa in der Lüftungstechnik zu vereinfachen. „Das ist bedauerlich“, meint Spoun. Ein Dämpfer für das Nachhaltigkeitskonzept der Universität ist es allemal.

Nicht nur Theorie, sondern auch viel Praxis

Dabei endet der Veränderungswille, den Spoun vor gut acht Jahren entfachte, nicht bei der Nachhaltigkeit. So geht die Universität etwa in der Lehrerausbildung neue Wege. Sie berücksichtigt im Auswahlverfahren für Lehramts-Studienplätze nicht nur Abiturnote und Wartezeit, sondern auch die Ergebnisse von Auswahlgesprächen. Seit Jahren pflegt sie engen Kontakt zu Schulen in der Region, um Lehramtsstudenten mehr Praxis im Studium zu ermöglichen. Im Zukunftszentrum Lehrerbildung der Leuphana tüfteln Wissenschaftler darüber hinaus daran, neue Unterrichtskonzepte in Schulen einzuführen. Allerdings nicht nur in der Theorie, sondern gemeinsam mit Lehrern der Oberschule Jesteburg.

Der alte Campus der Leuphana-Universität wird wohl länger genutzt werden müssen, als gedacht.

Für den Einsatz für die Praxisnähe in der Lehrerbildung bekam die Uni im vergangenen Jahr einen Preis des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Nixdorf-Stiftung. Die Leuphana-Universität setzte sich bereits mehrfach dafür ein, neue Konzepte zu entwickeln, um Studenten Praxisnähe zu vermitteln. So ist das Lehrmodell dem amerikanischer Colleges nachempfunden, Studenten können verschiedene Fachrichtungen in je einem Major- und einem Minor-Fach kombinieren. Zusätzlich muss jeder Student ein Komplementärstudium absolvieren, das einen wesentlichen Teil ihres Bachelors einnimmt.

Dabei können Studenten praktische Erfahrungen für den späteren Berufsalltag sammeln. Etwa im Projektmanagement, indem sie bei Planung und Umsetzung des Lunatic-Festivals, einer Musik- und Kulturveranstaltung auf der Mensawiese, mitwirken, oder sie entwickeln Problemanalysen für Firmen aus der Region. Statt sich nur einem einzigen Fach zu widmen wie an vielen deutschen Universitäten der Fall, besteht ein Großteil des Studiums an der Lüneburger Universität darin, über den Tellerrand hinauszuschauen. „Wir wollen Universität als Ort verstehen, der Forschung und Analyse von Praxisfeldern verbindet“, sagt Leuphana-Semester-Dozent von Müller. „Nicht als akademischen Durchlauferhitzer.“

Für Frieden und Effizienz: Studienangebote der Leuphana-Uni In den Leitlinien der Leuphana-Universität steht, sie treibe den Nachhaltigkeitsprozess in Gesellschaft und Wirtschaft voran: „In diesem Sinne sollen Lehre, Forschung und Studium an der Universität friedlichen Zwecken dienen.“ Das geschieht in Form verschiedener Bachelor- und Masterstudiengänge. Viele davon führen zu klassischen Abschlüssen, etwa in Volkswirtschaftslehre, Philosophie oder Politologie. Manche Abschlüsse tragen aber auch die Nachhaltigkeit im Namen. Etwa der des Bachelorstudiengangs „Environmental and Sustainability Studies“. Absolventen könnten damit etwa „in Ihrem beruflichen Umfeld als Change Agent agieren“, heißt es auf den Seiten der Hochschule, „dabei spielen nicht nur Ihre fachlichen, sondern auch Ihre überfachlichen Qualifikationen eine wichtige Rolle“. Weitere Bachelor-Studiengänge sind Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften oder „Soziale Medien und Informationssysteme“. Im Angebot befinden sich ferner die Nachhaltigkeitshumanwissenschaften, in den Nebenfächern aber auch solche aus den Ingenieurswissenschaften wie etwa Automatisierungstechnik. Ingenieure der Hochschule wurden für ihre Thermische Batterie kürzlich für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Eine betriebswirtschaftliche Spezialisierung lässt sich etwa mit dem Nebenfach „Electronic Business“ wählen. Es gibt auch berufsbegleitende Studiengänge, wie etwa für Erzieher den Bachelor „Musik in der Kindheit“. Auch gibt es ein reichhaltiges Vortrags- und Seminarangebot. Zuletzt etwa wies Leuphana auf ihrer Twitter-Seite auf die Veranstaltung „gesellschaft.macht.geschlecht“ hin, die „Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie“ des „freien Zusammenschlusses von Student*innenschaften“. jagr.

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