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Lerntechniken : Selberdenken ist manchmal gar nicht so gut

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Mehrmaliges Lesen und schriftliches Memorieren - entgegen aller Vorurteile keine unterlegene Lernmethode Bild: Lucas Wahl / F.A.Z.

Ein bloßes Speichern von Informationen, das kein aktives Wissen erzeugt - dieser Ruf hängt dem Auswendiglernen an. Deshalb gilt es oftmals als verpönt. Doch eine neue Studie zeigt: Gegenüber anderen Lernmethoden ist das Auswendiglernen sogar überlegen.

          Dem Auswendiglernen wird nachgesagt, dass dadurch zwar Informationen im Gehirn gespeichert werden, dass dieser Prozess aber kein aktives Wissen erzeugt. Jeffrey Karpicke und Janell Blunt von der Purdue-Universität in West Lafayette zeigen im neuen „Science“, dass das Auswendiglernen weit besser ist als sein Ruf (10.1126/science.1199327).

          Studenten der Naturwissenschaften, die Kernaussagen eines Fachbeitrags durch mehrmaliges Lesen und schriftliches Memorieren gelernt hatten, schnitten in einem Test besser ab als Studenten, die sich die Inhalte mit einer selbstentwickelten Skizze von Zusammenhängen und Hintergründen gemerkt hatten. Dabei spielte es keine Rolle, was in dem Test gefragt wurde. Die Studenten, die den Stoff auswendig gelernt hatten, konnten den Inhalt des Textes besser wiedergeben und auch besser auf Fragen antworten, bei denen Schlussfolgerungen aus dem Gelernten gezogen werden mussten. Der Test fand eine Woche nach der Lerneinheit statt, so dass er im Langzeitgedächtnis gespeichertes Wissen erfasste.

          Wie wirkt sich die sprachliche Form der Lernquelle aus?

          In einem zweiten Experiment wurde überprüft, wie sich die sprachliche Form der Lernquelle auf das Ergebnis auswirkt und ob das strukturierte Lernen vorteilhafter ist, wenn in der Prüfung auch nach einer strukturierten Darstellung der Antworten gefragt wird. Eine Quelle wurde zudem als Prosatext angeboten, die andere als gegliederter Text. Außerdem sollten sich alle Teilnehmer mit beiden Methoden beschäftigen.

          84 Prozent erreichten nach dem mehrmaligen Lesen und Memorieren ein besseres Testergebnis als nach dem strukturierten Lernen mit einer elaborierten Skizze, auch wenn es darum ging, die Fragen grafisch zu beantworten. Die sprachliche Form der Lernquelle änderte nichts an der Überlegenheit des Auswendiglernens. Allerdings war das Ergebnis genau umgekehrt, wenn die Studenten angeben sollten, welcher Methode sie bessere Erfolgschancen einräumten. Drei Viertel nahmen an, sie würden mit dem strukturierten Lernen besser bestehen.

          Karpicke und Blunt schließen daraus, dass jedes Nachvollziehen von Lerninhalten das Gedächtnis verändert und ein wichtiger Lernprozess ist. Beim Auswendiglernen würden Kategorien für die einzelnen Informationen gebildet, die bei jedem Wiederholen geprüft und verfeinert werden. Lässt sich der Lerninhalt unter einer bestimmten Kategorie nicht mehr wiederfinden, werden neue und bessere Einteilungen gebildet. Dadurch entsteht eine Organisationsstruktur im Gehirn, mit der die Inhalte zuverlässig aufgerufen werden können. Das strukturierte Lernen vergrößere die Zahl der im Gedächtnis gespeicherten Zusammenhänge. Das Auswendiglernen schärft die Kategorien für das Wiederfinden.

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