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Lehrerbildung : Ehrenrunde an der Landesgrenze

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Genaue Zahlen kennt selbst die Kultusministerkonferenz nicht, die sich die Lösung des Problems auf die Fahne geschrieben hat. Außer dass jährlich schätzungsweise zwischen 6000 und 9000 angehende Lehrer in ein anderes Bundesland auswandern. Die ungleiche Verteilung hat ihren Grund ebenfalls im Föderalismus. Nicht überall gibt es schließlich gleich viele offene Stellen, in einigen Bundesländern werden Lehrer nicht mehr verbeamtet und mancherorts gibt es einen Zuschlag für Pädagogen, die Mangelfächer unterrichten.

Das Studium ist überall anders

Kooperative Gesamtschule, integrierte Sekundarschule und regionale Schule. Diese Namen sind nur Beispiele für die mehr als 23 Schularten, die den Umzug von Schleswig-Holstein nach Bayern, von Sachsen nach Thüringen oder von Hessen nach Nordrhein-Westfalen zusätzlich erschweren können. In einer Broschüre erklärt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Bewerbungsverfahren und Einstellungschancen in den einzelnen Bundesländern. „In manchen Ländern bewirbt man sich zentral, in anderen bei den Städten oder sogar direkt auf Stellenanzeigen einzelner Schulen“, erläutert Ilka Hoffmann, Leiterin des Organisationsbereichs Schule der GEW.

Und jedes Bundesland hat das Lehramtsstudium anders gestaltet: So studiert ein Kölner Student unter Umständen eine Fächerkombination, die es in Stuttgart gar nicht gibt. Hält Bayern in modularisierter Form auch nach der Bologna-Reform am Staatsexamen fest, treten in Berlin Absolventen mit Master-Abschluss den Vorbereitungsdienst für die Arbeit als Lehrer an. Und auch das Referendariat ist alles andere als einheitlich, dauert es mancherorts ein und andernorts zwei Jahre.

Ein paar Hindernisse werden bleiben

Nun versucht die Runde der Kultusminister in Bonn beim Thema Lehrermobilität ihr Glück, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Im März verfasste sie einen fünf Seiten langen Beschluss, der ein Hoffnungsschimmer für all jene sein könnte, die in Zukunft jenseits der Ländergrenzen lehren wollen. Es hatte in der Vergangenheit schon viele derartige Versuche gegeben. Doch alle Beschlüsse hatten es den aufnehmenden Ländern erlaubt, die Wechsler zu prüfen. Nun aber einigte sich die Ministerrunde auf eine bundesweite, bedingungslose Anerkennung aller Abschlüsse und Referendariate. Nachprüfungen dürfte es dann nicht mehr geben. Landeseigene Regeln sollen keine Hindernisse mehr sein. Doch ein paar Hintertürchen bleiben dennoch offen: So wollen Bayern und Hessen auswärtige Kandidaten nur dann zum Vorbereitungsdienst zulassen, wenn diese eine zulässige Fächerkombination studiert haben. Und Sachsen will weiterhin nur Grundschullehrer einstellen, die Deutsch und Mathematik unterrichten dürfen. Für das Fach „Islamischer Religionsunterricht“ werden nur in einigen Ländern wie Niedersachsen und Hessen Lehrer ausgebildet. Bis Ende des Jahres haben die Kultusminister Zeit, den Beschluss umzusetzen.

Aber ist es wirklich gerecht, wenn ungleiche Abschlüsse als gleichwertig angesehen werden? Rolf Busch, stellvertretender Vorstand des Verbands Bildung und Erziehung, ist skeptisch. Die bayerische sowie viele andere Zulassungsstellen in Deutschland versuchen derweil weiterhin eine Balance zwischen Gleichbehandlung und Fairness zu finden. Sie wollen die inländischen Absolventen nicht benachteiligen und dennoch Lehrer aus anderen Bundesländern aufnehmen.

Seltsame Freizügigkeit: Für Lehrer ist es einfacher, ins Ausland zu wechseln als in ein anderes Bundesland.

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