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Lehramtsstudenten : Lernen, wie Schule funktioniert

Keine Angst vor dem Klassenzimmer Bild: dpa

Zu oft wissen Lehramtsstudenten nicht, was später auf sie zukommt. Eine Studenteninitiative hilft, praktische Erfahrungen zu sammeln.

          Der Lehrerberuf ist anspruchsvoll. Doch Untersuchungen zeigen, dass viele Lehrkräfte den Anforderungen nicht gewachsen sind. Zu oft würden Menschen Lehrer, die nicht dafür geeignet seien, bemängeln Pädagogikprofessoren. Sie hätten bei der Berufswahl zu sehr auf die Arbeitszeiten geschaut und die Belastungen unterschätzt. Einen realistischeren Blick bekommt, wer schon im Studium viel unterrichtet. Allerdings bezweifeln Fachleute, dass die im Studium vorgesehenen Praktika dafür ausreichen.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          „Man kann im Studium gar nicht genug praktische Erfahrungen sammeln“, sagt Katharina Hörth. Die Zweiundzwanzigjährige studiert in Darmstadt und will Gymnasiallehrerin werden. Um das Unterrichten zu üben, hat sie sich um einen der Plätze beworben, die die Initiative „Studenten machen Schule“ anbietet. Lehramtsstudenten haben die Organisation vor vier Jahren in Berlin gegründet. Ihre Idee: Studierende halten in Schulen Workshops, zu Themen wie Präsentationstechniken und Nutzung elektronischer Medien. Dieses Vorhaben stieß auf so große Resonanz, dass „Studenten machen Schule“ nun auch in Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen vertreten ist.

          Hörth wird gleich ihren ersten Workshop halten. Neunzig Minuten lang wird sie mit sechzehn Oberstufenschülern des Frankfurter Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums das Thema Projektmanagement an der Schule erarbeiten. Und es wird ein Sprung ins kalte Wasser. Ein Schüler will ihre Erklärungen partout nicht akzeptieren; in jeder Diskussion stellt er sich quer. Hörth muss entscheiden, wie viel Raum sie ihm gibt und wann sie ihn ignoriert. Sie geht einen Mittelweg und versucht, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ihre Gesichtsfarbe verrät aber, dass sie angespannt ist.

          Streng oder locker?

          „Die Studenten können in den Workshops richtig viel ausprobieren“, erklärt Jasmin Bildik, Gründungsmitglied von „Studenten machen Schule“. „Bin ich streng oder locker; wann ist es besser, frei zu arbeiten, und wann nicht.“ So intensiv erlebe man das Unterrichten in den Praktika während des Studiums nicht. Denn dort sei man ständig in einer Prüfungssituation. „Hier kann man sich hingegen in aller Freiheit ausprobieren.“ Nur die Inhalte der Workshops seien vorgegeben. „Die Methoden können frei interpretiert werden“, erklärt Bildik. Wie oft sie Workshops halten, entscheiden die Studenten selbst. Viele gehen ein- oder zweimal in der Woche in die Schule. „Wer will kann auch jeden Tag gehen“, sagt Bildik.

          Die 28 Jahre alte Masterstudentin hat schon mehr als 200 Workshops geleitet. Sie sei sicherer geworden mit den Schülern, sagt sie, und wisse nun, was man tue, wenn mal etwas daneben gehe. „Ich weiß jetzt, wie Schule funktioniert.“ Auch wenn eine Schlägerei ausbricht. „Ich traue mich, dazwischen zu gehen.“ Sie habe vor allem ihre sozialen, zwischenmenschlichen und pädagogischen Fähigkeiten gestärkt.

          Auch die Schulen freuen sich

          Über die zusätzlichen Lehrkräfte freuen sich auch die Schulen; die Leistungen von „Studenten machen Schule“ fragen sie rege nach. Bei Interesse vereinbart die Organisation einen Probevortrag an der Schule. „Der war so überzeugend, dass wir sofort wussten, das machen wir“, erzählt der Direktor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, Frank Ausbüttel.

          In Hessen ist „Studenten machen Schule“ erst seit diesem Schuljahr vertreten. Organisiert hat das vor allem Marco Krause, der die hessische Geschäftstelle leitet. Eigentlich wollte der 26 Jahre alte Lehramtsstudent Workshops halten. Doch nun kümmert er sich unter anderem um die Expansion der Studenteninitiative in den südwestdeutschen Raum. Krause arbeitet auf 400-Euro-Basis, in den Semesterferien 30 bis 40 Stunden, während des Semesters immer noch rund 20. Er ist aber überzeugt, dass sich sein Einsatz lohnt. Auch im Lebenslauf werde sich ein solches Engagement gut machen, glaubt er.

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